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LATEINISCHE GEDICHTE

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DES X. UND XI. JH. ^'

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HERAUSGEGEBEIV VOIN JA[C. GRIMM UIVD ANDR. SCHMELLER.

GOTTINGEN

IM VERLAGE DER DIETERICHSCHEN BLCHHANDLUNG.

18 38.

FREIHERRIN JOS. YON LASSBERG ZU MERSBLRG AM BODENSEE.

V O R R E U E.

Di

'ie hier mltgellieilteii beilrage zur lateinischeii poesie des initlelalters lioffe ich solleu ^villkoinmen sein und vielleicht geeiguet, unhallbare gesiclitspuucte zu verriicken, unter welchen diese gewohulich ius auge gefafst wird. ISIan ist bereit gewesen sie geriug zu «chatzen , ohne sle vorher ersl eiumal vollstandig keu- nen zu lerueu. Sie hat fast nur duldung erlangeu kon- nen, je uaher der classischen dichtkunst sie zu treteu schien, und gerade das niiiste an ihr herausgestellt wer- deii , was sie von jener zumeist eutferule und auf be- sondere wege brachte. "SYo zwei elemeute sich biuden, zieht uns der daraus hervorgeheude schmelz an, nicht das eutschiedne iibergewicht des eineu , in welchcin blofs eine uubehagliche allgemeiue triibuug zuriick gc- blieben ist. Der ursprung der romausprachen aus dem bediirfuis des volks, sich natiirlich uud ohne fessel aus- zudriicken, rechtfertigt uud erklart zugleich den aller neueren poesie, die sich der alteu enlgegeusetzle, uiid sie endlich iiberwaud. Sicher hat der vulgarslil liir uns grofsern reiz als der gelehrte, weil jeuer uaiv uud eigen sein kaun , dieser kiinsllich uud fremd bleibl ; aii absoluten vorziigen liegt es dabei uicht. Wie weuige lesen Petrarchas laleinische biicher uud wie viele seiue ilalienischen gcdiclile. Dem laleiu des mitlelallers, bci allcr verdcrbnis, darl oll iioch wenn eiue ungeleuke

VI

iind sclnverfallige docli iilcht gaiiz uiilei-driickte naliir- lichkeit zugeslanden werden ; als im sechzehnlcu jahr- liundert liefere bekannlschaft niit den chassikern anfieng iind der gescliinack sich reinigle, ^vurden die edelsten krafle in erleicliterter und gehobner nachalinuing der laleinischen poesie vergeudet. danials schiillelten alle gelehrlen aus ihreni erniel lliefsende hcxdmeler, ^vel- clien iiichls abgieng als natioiialitiit uud die feinheit des iiachbiklens, dessen aiiforderungen durch forlgeselzte be- tradiluiig der classischen Averke beslandig gesteigert vvei'- den. solche verse vermochten iiie das volk zu erciuicken, mir der bildung jener zeit genug zu thun , Nviilirend sich die fort oder zuriickschreitende der folgenden bald wie- der von iiinen abwandte. Was halle niclit die poelische eingobung eiiies EobanusHessu?, Pelrus Lolicliius, Nicode- nnis Frischlin und vieler anderer auferbauen iiiogen, wenn sie der niutlersprache zu slatta^n gekommen ware. diese dichter zogen das scheinleben einer vollendeleren , un- nachalimliclieu form deni wahren vor, das sich auf ver- wilderlem aber fruchlbarem boden des valerlandes selb- staudig und schopferisch erzeugt halte. Seit , nach liberlangem riiigen , iinsere sprache sich wieder los inachte, ist die hervorbringung lateinisclier gedichle bil- lig in eiige schranken gewichen , und mehr ein prob- sliick erwoibner gelehrsamkeit , oder spielende lusl an dem strauben und nacligeben einer fremden zunge als freier trieb wirksamer poesie : sie tragen nicht aus was sie erslreljen und laufen gefahr aufs schnellste verges- sen zu werden.

INlit den einlliissen der laleinisclien sprache kreuzen und begegnen sich diircli das ganze mitlelaller die ge- schicke dcr einlicimischen. das steigende bediirfnis ver- feineiler ausdrucksweise war hnlb geneigt und halb ge- drungen sich des fremden miltels zu bedicnen. Pocsie

VII

glbt die grundlage lier zii dem gedeilieii aller llleratur, vermag sie aber iiicht alleia iind oline liinzulrelende geislige kraft der prosa aufzubrrngen. Naclidein das chrislenlhuin die nocli aus heidnisclicr wurzel cnlspios- sene dichlung des achlen und neunlen ialirlmnderls ") verabsiiumt oder ausgerotlet halle, niusle die deulsche poesie eine zeillang still slelin, einer pliaiize nicht uii- gleich, der das lierz ausgebrochen isl , uiul ersl iui zwulflen und dreizehnlen begann ihr sliel auszuschla- gen : diesem frohliclien wachslhum ^var deunoch abzu- vvelken beschieden , weil ihm keiue schiilzende prosa zur seite trat. Als im sechzehnlen jahrhundert die deutsche prosa sich ermannte , fehlte die niacht der poesie, nnd der neuversuchlcn un\ollbiirligen poesie des siebzehnten war die prosa abgestorben. Iliidlich im aclitzehnlen gelang die vereinigung bcider, und (ort- aij konnte nichls mehr dic bliile und fruchl uiisrer literatur aulhallen,

Den samen laleinischer dichlkunst trugen Italiener nach Gallien und Brilannien , crst von da ^vurde er Dculschland zugefiihrl. Djaconlius , Sidonius ApoIIina- ris , Venantius Fortunatus , in etvvas weiterem absland Aldhelm und Beda reilien sich an die letzten zuglinge der aussterbenden romischen poesie, uamenllich aii Au-

') die alliteration ist , iil)er Saclisen liinaus, (iir Hoclideutscli- land erwiesen, und wer an der menge altiioclideutsclier , vorotfrie- disclier gediclite zweifelii wiil, selie das voii Reginbert im j. 821 aufgestelite verzeicliiiis der biiciier zu Siiidleozesouwa (spilter Rei- clieiiau) , worunter: 'in vige^iiiio primo lil)eilo continentur XII car- mina theodiscae linguae (tlieodisca iingua) formata . . . in vige- simo secnndo libello liabentur . . . cormina diversa ad docendam tlieodiscam iiiiguam.' iseugart episcop. constant. p. 536. 547. 550. iii ilirer mufsc scliiiebeii die nionclie nacli miiiidliclier iiberliefe- ruiig deutsclie lieder auf, gewis aus uielir als eiaer absiclit, >iel-

Mll

soniiis untl Claudiaii , nian diirfle einzelue Nvie Boethius noch hierher oder schon dorthin zahlen. ani richtig- sten liebt die niiltellateinische poesie niit den christli- chen dichtern an , und alle lieidnisclien fallen der rii- uiisclien zu. \Yer den ^verlli der alleslen chrisllichen poelen in das was sie, fast ohne eigiies verdienst , er- eibt oder unverlernl haben , setzen v\ill, niag es thuuj mir sclieint er niehr von deni stof abzuhangen, und da \vo der oft liebliche Forlunalus das frankische konigs- geschlechl oder auslrasische gegenden besingl , gewinnt er gleich an leben , ^vie Claudians ungeineine elcganz durch den leblosen iiihalt sciner gedidite gedriickt, die jiicht geringere des Ausonius in seiner anniuligen Mo- sella IjOher gefarbt wird. Fiir Deutschland *) fangeu die laleinischen dicliler erst seit Hrabanus IMaurus an, und in den schulen zu Fulda , IMainz, Sanctgallen, Con- slanz, Slrafsburg, TuU , Piiini, Trier, Corvei , Tegeiyi- see, Freisingen luid eiiiigen andern empfieng die kunst ■vs'eitere pllege. kaum muchte es einer an feincni talent dcm Walafrid Stral^o zuvor gelhan haben, dessen hor- tulus weiche verse von innigem gefiihl darbielet. volks- mafsige ankiange scheinen ihm jedoch frenid.

Dafs diese auch spaler noch nichl verschoUen "waren

leiclit nncli ziim anbau deiitscher grammatik , nacli Carl dcs grofseii beispiel (Eginliart cap. 29 inclioavit et grammaticam pntrii ser- nionis.) Weiin ilirer sclion eine einzige abtei iiber ein duzend verwalirte, wie viel mufs sicli anderwarts des aufgezeiclineten, nnd gar im munde des volks unaufgesclirieben , damals gefunden li;>ben?

•) hier abgesehn von Vandalen, Gotlien und Langobarden des 5. 6 7 jli. ; lateinische gedichte der africanisclien Vandalen unter Tlirasamund und Hilderic von Tuccianns, Eteinundis und andern hat Mevers aiitiiologie n*^' 545. 54G. 51*5 '^" 'I*^"' gct''- konig Sisebiitus (a. GoO) n" 388.

IX

II nd tlie inouclie nebeu ihren geistlichen dichtungeu aderu der einheiniischen sage , -welche in der gesamten nation so iippig gewucliert hatte, zu hegen strebten, bewahrt uusere, mit besoudrer vorliebe auf das zehnte, einigei-mafsen aucli das eilfle jalirliundert gerichtele sammluug; es macht freude dem verkannten wieder einige gunst zu bereiten. denn schwerlich slelit irgend eine zeit iibel beriiclitigter in der geschichte imsrer lite- ralur, sie gilt sogar fiir die epoche des aufsersten ver- falls aller kunst und wissenschaft. Wer mag sich aber einbilden , dais uuler den saclisischen und frankischen konigen, als das deulsche reich auf dem gipfel seiner maclit, und in Widukind , Thietmar, Wippo , Richer, Hermann iind Lambert ernsler siun fiir vaterlandische geschichte -wach vvar, die laleiuische dichlkunst sollte ungepflegt geblieben sein ? damals vvar die geistlichkeit riiiiriger, uud welterfahrner als naclilier, wie liatte sie die poesie unversucht gelassen ? Wenn auch die deut- sche sprache selbst in diesen jahrhuuderten , uud aus ursachen deren entwicklung nicht weiler liierher ge- horl , keiner fortbildung tlieilhaft wuide ; bei dem volke muslen noch altere lieder leben, sagen in menge und fiille dauern , deren einflufs auf monchische naclidich- tung nun nicht lUnger wird diirfen verkanut werden.

Die drei grofseren gediclite Waltharius, Rudlieb und / ecbasis captivi , so ungleich sie sind , gehoren zusam- nien und trageu die eigeuthiimlichkeit ihrer zeit in vol- lem mafse an sich ; sie erganzen unsere vorstellung von dem dichlerischen vermogen des zehnten jahrhunderts, die wir lange nur aus dem werke der sachsischen Hrosuilh *) eutnehmeu konnten. Alleu dreien liegt eiu- ,

*) oi\er Clamorialidus , wie sie sicli selbst ubersetzt : Hrosiiitli fiir Hrotlisuitli, a!id. Hruudsuiii(J. die poesie der gaiideslieimer

heiinlsclier slof iinler, "\vle ilui ilie aleniannisclie , bai- risclie uncl lotliriuglscbe iiberlieferung , \ielleicbt uoch iu denlscbeu liedern , an haud reichte, welcben aufzu- fasseu die geistlichen des ueunten jb. zu voruclini, ge- lebrt und fromni wareu. dle kluster und scbulen, wc- nigstens da wo deulsclie zimge hersclite, balteu ini zehuten jb. uielu- heiterkeit und frobeu nuit gewonuen. Hrabans und ^^'alafrids '*) diclitungen sliul nocli elwas aullker, alleiu slreng und Irocken ; die des zebulen jh. vergiileu ueuanselzeude roheit liln und wiedei' durch einen baucli vou friscbe luid nnlur , der jcneu abgelit. In ibrer bedeutsamen eigeulbiinillcbkeit wird zunial die YOn Rudlieb, so liickenbaft sle hervortreleu nuifs , iiber- jaschen ; vollslandlg erliallen -wiirde sie grijfseres auf- sehu niacheu als was cs nur sonst in niiltellateiuischer poesie gibt. Zwiscben ^"\ allbarius luid der ecbasls be- slebt zufiilllg sogar orlllcbe beriiluuiig , iiisofcru boldc ibre liandhing uacli deni ATas^au uud veriuullich gauz

iionne ist niilder und sclieuer als die der monclie, aber iiiclit uii- gebildet : von weitliclier sage verrath sie gar niclits meiir. lieb- lingsausdriicke des zelinten jli, wie quo fiir ut, fore fiir esse, po- tis est, tuum velle, vestrum coniplevi velle jocundum , sibi fiir illi, satagis tollere, satagis ponere , certabaiit se subdere, factor fiir deus, gaza, plasma, protoplastus, sciolus , orcidiius, eous, congaudere, glomerare, baccliica munera, Cainena, iiomullus, po- pellus, im versscliluls eandem, eundem, mulierem , Imjiis, liorum, im fiinften fufs bedeutungsloscs namque oder deiiique, iiifinitixe praet. wie disposuit petiisse, jussit vixisse, posset rexisse fiir po- tuisset regere , und anderes melir liat sie besoiiders niit Waltliariiis gemein, einige ausgesuclite altertliumliclie formen , wie die prono- niiiialen niis und tis , debriiis fiir ebrius sind ilir eigen. Eine neue ausgabe ware erwiinsclit.

*) Walafrids werk ist gut, aber uiibequem , bei Caiiisius ed. Basnage II. 2, 18-1-264 Iieiaiisgcgel^en ; iiiaii sollte es niit dcii nielir zerstreuten gedicliteii Hrabyiis eiiinial besonders zutanimenstellen.

XI

dei'selben gegeiul legen. Das zog vlelleiclit nielir tlen berausgeber an , als es antlern iiierkAviircHg sclieineii wird. Die gemeiuschaft der drei gediclite bewahrt sicli aber auch sonst. In jedeni weissageu schwere triiume den endlichen ausgang : Haganons (Walth. 621), der multer fliudl. 16, 8"9) und des wolfs (ecb. 230) und wie Nib. 13. 14 zeigou bilder von thieren die kiuifligen ge- scliicke an. Zwar geschielit dasselbe schon in uianchen alleren, so wie jiiugereu sageu , doch ist jeue einslim- muug zu beachten. Formliche 'gebete 'werden aiisge- sprochen \Yallh. 1161. Iiudl. 10, 71. ecb. 795. Dafs zwei der gedichte fischiianien verzeichuen, uud das drille uah daran war , es auch zu thun, ist s. 327 wahrge- uommeu, weuigsteus verslehn beide helden, "NVallher und Rudlieb, sich auf den fischfang. lu Rudliel) und der ecbasis wird durch ineiuauderfiigung von erzahlung und begebenheit die darstellung eiuigemal verwickelt und in liaufiger wechselrede beiuahe dramatisch *); die des Wallharius ist uugleich eiufacher gehalten.

Dieser einfachheit einer deuuoch rcichen fabel wegeu wird man kaum anslehu , der schijnen und fesseluden glelchmafsigkeit des Wallharius den eislen raug unter den drei dichtuugen einzuraumeu. es isl epische warme darin , dcreu kraft selbst allere formgewalligere werke der Rumer iiberbieteu kouute. soviel vermag ein ech- ter gelialt dcr volkspoesie sogar in iiberselzungeu die zur blofsen schuliibung augeslellt wurdeu. Y\ eit gciin- geren werlh in anspruch uehmeu darf die ecbasls, iii welche horazische verse eingeschallet sind , wle der sancallische dlchler den yirgil nachahjut. Gar keiu

*) aucli die beigefiigten iinnien der redenHen (s. 295) geniali- nen an den dialog zwisclien ^ usnciis uikI Rlienus bei Ernioldus Nigellus (Pertz 2, 517. 5! 8.)

XII

solclies nnister schwebt dem eigeutliunilicheren veiTasser des lUidlieb vor. hat nian sich einnial niit seiner selt' sanien, aber nicht ungewandten handhabung des lateins verlraiit geniaclit, so wird dem naiven , behenden uud wirklich dichterischeu vorlrage der begebenheiteu voUes recht widerfahten. Es ist kein gewohnliches talent, was sich hier allenthalben kund gibt uud durch die uu- bequemlieit einer frenideu spraclie bricht ; so viel feines gefiihl, solches geschick eine versclihingne sage zu er- greifen , durchzufiihreu und auszustalteu halle man um diese zeit nicht erwarlet. sie ist, wenu ein funnhches deulsches lied noch vorlag (was viel zweifelliafler schei- neu wird als beim "NYahharius) von dem dichler wirk- lich iu sich aufgenommen, verarbeitet und bereichert worden , wiihrend im AYahharlus eher eiiie schwacliung der deutschen queUe angenommeu werden mufs. Fro- muuds kiihnere darstelhing braucht ihre gleichnissfe uicht aus einem classiker zu borgen , sondern kann sie selbst erfinden; sie verfallt dafiir schon auf ausmalihingen, die dein gang der fabel einlrag lliuii aber durch sich gefallen. \Yillkommne eiuzelheilen dieses gedichts wer- deu noch lange auszubeuteu uud zu erlauteru seiu ; ich beschrrinke mich liier auf naclilese einiger bemerkun- gen. YN ie lebhaft sind die vergleiche des laufes oder tauzes niit dem flug der schnellen schwalbe und dem kreisen des falken (l, 51. 8, 49.) ' Vou deu vertrauteu und taglicheu dienern des konigs wird 3, 197 gesagt : vehili glandes semper flanl regis ad aures, wie unter dem waldbaum das gerausch der eicheln bei jedem hift- zug vernehmbar ist, schwebt um des konigs ohren der dienendeu hoflinge geiliisler *'). INleiu bescheidner freuud,

*) icli wiistc iiiclit dafs olirriiige in eiciielforni getragen wor- deti seien, woran sicli sonst denken liefse.

XIII

iler die idyllisclie wahrlieil vieler scliilderungen dieses gedichts und dessen werlli fiir anfklarung der silten und gebrauche unseres allerthuins (s. 229) vollkoninieu er- kennt und bereils in das licht setzt, hat, -wie sein eig- nes verdienst uin die bekanntniachung und erganzung der bruchstiicke , wol auch den gewinn zu gering an- geschlagen (s. 201), der sich fiir die altereu niythen und sagen aus ihnen ergil)t. Was konnte dem forscher will- konininer sein, als der aufschlufs aus so friiher zeit liber die ansicht von der natur des zarrggeschlechts iin siebzehnten fraginenl? die menschen inistrauen den triig- lichen geschcipfen , die zwerge ini gegenlheil leiten ihv langes lebeu und ilire gesundheil her von ihrer ein- fachen kosl und treuherzigkeit. beides stimnit noch vollig zu der bis auf heute forllebenden sage. die zwerge verstelin sich auf die heilsanikeit der krauler, und entweichen, ein gutes, slilles, friedliches volk, aus ihrer heiniat Sor den boshaften menschen' (mythol. s. 255), deren heinilicher blick sie belauscht und deren neuerungen ihnen das land verleiden. auch die elbi- sche schouheit und pracht der zwergin (parva, nimis pulchra, sed et auro vesleque compta) wird ganz wie spaterhin (mytli. 253) vorgeslellt. Das elngreifen der hauptfabel von Rudlieb in die alideuiscJie heldensage un- terliegt keinem zweifel, lafst sich abei; bei abgerissen- heit der einzelnen sliicke und unvollstandigkeit unserer fionstigen iiberlieferungen, bis jelzt niindestens, nicht mehr geniigend uachweisen. Es ist nirgend liindeutung auf eine vorgelegne schrift, aber die blofse sage kann in eigennainen und umstanden gelreu gewesen sein.

Man erfahrt schatzbare nachrichten iiber das ofFent- liche treiben zwischen kcinigen bei friedensunterhand- lungen, die hin uud her gehendeu gesandtschaften iind die gegenseilig gebotnen, zum theil aber unangenomm-

XIV

ncii gcsclieuke, wobei bosomlers die rangverlirilfiiisse feiii beobaclilet werden. Icli hebe den vers liervor : Obviiis ad pontem veiiit is tibi nos dinmenfem , Pax ibi firnialur (3, 22.) es war iiraller brauch , dafs krieg- fiihrende herscher iii der niille des llusses, der ilire reiche schied, gleichsam jeder noch auf seinem giund steliend, fiir den friedensbund zusaniinentrafen und ihu beredelen. das alleste zeugnis bietet Tacilus (hist. 5, 26): 'pelito colloquio scindituv Nabaliae flnminis pons, in cujiis ahrupta progressi duces.' daiin beini frieden zwisclien Heinrich 1 und Carl dem einfaliigen von Frank- reich , annal. lobiens. ad a. 923 (Perlz 2, 210): 'eotleiu antio Karolus cuin Henrico rege Germanorum foedus iuiit, et ab amore (ob aniorem) Henrici lothariensi regno cessit. juratum est utrlmqiie ab episcopis et comilibus in medio Reni fluminis apud Bonnam,' vgl. Ba- luze capitul. 2, 299. Spater eiue zusammenkunft der kcinige Friedricli uud Ludwig im j. 1162 (Helmold 1, 90): 'et misit caesar ad regeiu Frauciae Ludovicum, ut occurrerct sibi apud Laonam , quae est in terra Bur- guudiouum , juxla Ararim fluvium, ad redinlegraudum iinitatem ecclesiae .... Ludovicus rex Franciae, cujus praecipue exspectabatur adventus, ubi iiilellexit caesarem appropiare cum exercitu et armis mullis, dubitavit oc- currere ei. sei propler fidem sacramentorum venit ad locum placili conslilulo die, hoc esl in decollatione Jo- hannis baplistae et exhibuit se in ponfis medio , ab hora tertia usque ad horain nouam quod rex Franciae acci- piens pro oniine laoit manus suas in flumine, ob teslimo- nium quasi qui fidem pollicitam reddiderit, et digrediens iude abiit ipso vespere Divionein. veuiens ergo noclu caesaretc, So noch unserer tage bei dem tilsiter frieden trafen sich Napoleon und Alcxauder von Pmfsland auf dem Memel in eiuem nacheu, und die geschichte kennt meh-

rere iibergnben von neiiverniahllen konigstoclitern aiif (Jer mUle des grcnzflusses zweier gel)iele. jeclwedeni llieil sollle die volle freiheit des enlschlnsses und die niug- lichkeit des riickschritts gesichert sein. Nicht uuafinlich sind zusainnienkiinfle benachbarter konige oder zwei- kanipfc beiderseiliger Iielden auf insel/i. es geniigt hier an die drei konige Lolhar, Ludwig und Karl auf der Saoninsel Anille bei INlaron im j. 842 zu eriunern.

Grofsniiillg wiililt der machligere konig von den gleichsani zuni tribut daigebrachten , umslandlich doch lebhaft geschilderlen gaben des besiegten nur weniges, kann aber dcr neigung nicht widerslchn sich ein paar schneeweifser , schwarzfiifsiger biiren , so wie die schwiilzende elsler imd den slaar fiir seine tochler an- zueignen (3, 207. 208, vgl. 3, 84 If. 3, 136.) aiich im achten bruchsliick ^verden mit vorliebe gelehrige slaaren Yorgefiihrt, die jeneiu zeitaller selir behagt haben miisscn. nicht weniger anmulig ist die ahrichiung der hiiren zu aufrechteni einiertragen und belusligendem tanz niil sin- genden spiehveihei-n dargeslellt ; das scheint mir uralle heidnioche vergniigung, wider welche dic geisllichkeit eiferte : ^nullus presbyter .... turpia joca vel cum urso vel turnafricihus anle se facere .' . . consenliat.' (Regino de eccl. discipl. 2, 213.) vom umfiihren des baren liabe icli bei andrer gelegenheit geredet (mylh. 455) und eine stelle aus Vilkinasaga cap. 121. 122 ist zumal merk- wiirdig. Die sage vom luchsstein findel sich nirgend so ausfiihrlich , wie hier, berichtel ; man erklart ihren ur- sprung aus einer falschen etymologie des worles lyn- curiuin, worin Xvy^ und ovQOV erblickt wurde. Beck- niann zu INIarbod p. 50 hat sich nachzuweisen bemiiht, dafs wirklich der harn einiger thiere erharte,

So gewandl die erzahlung dieser oiFentlichen ange- legenheiten verflochlen ist, wird man doch die einfa-

VIX

cliPie von Rudlieb uud deni rollikopf, wie sic bei vcr- scliiedneii vvirten niit dem allen und jungen \veib her- bergen, uugeachtet des scbadens, den eine belracbtlicbe liicke stiftet, bevvegter und ergreifender flnden. von eineni stilleu hausbalt , der durcb den tod eiues geiz- lialses in volle befriedigung ausgeschlagen ist , wendet sicb das gedicht zu dem leicbtfertigen einer jungen stief- muHer , die aber zulelzt in tiefster reue ihren felillritt biifst. im fiinflen fragment begegnen einige freie stel- len, die sicb aber im zehnten )h., ^vo ein grofser tlieil der geistlichkeit von dem ehlichen leben sicli nicht ans- schlofs, selbst ein nioncb verslatlen durfte. die ih-eierlei strafen , unter ^velcben die verbreclierin dem mildgesinn- ten gericbt selbst die Avabl lafst (6, 45-63), sind ganz im geiste der poesie des alten recbts, das sie in mebr als einem betracht erlaulern , und das ersaufeu in eineni fafs Avird eben aucb im TJnibos 168. 169 verbangt. die asche des verbrannten leichnams der missethateriu soll ins wasser gestreut vverden, daniit sie nicbt als scbaden- frobe liexe >volken sammeln, regen hindern , hagel stif- ten konne. Aber aucli die ganze iibrige dichtung ist reicb an einzelnen der erklarung werlhen und zum theil nocb bediirftigen ziigen , aus vvelcben sich die nicht einfarbige sondern lebensvolle sitte und denkungs- art iener lange zu vvenig gekannten tiichtigen zeit er- kennen lafst. Und VAer mag sie kurzab raub sclielten, \venn er bier liest, -Nvie die liebende nuitter nach dem abreisenden sobn durchs gitter ibre augen weidet und das gesinde auf die zaune steigt , um ihm langer nach zu schauen (I, 52. 53)? AVie hiibscb ist, bei der besclirei- bung eines gastmabls, angebracbt , dafs die kinder erd- beeren im -wald aufsuchen , in kleine gefafse oder in zu- sammengebundnen bast (13, 85-87^? Solche erfreuende einzelnheiten reiclit uns Waltharius nichl, dem docb

XVII

keineswegs elgenlluimllche vorziige abgehn ; todter iind unausgestalteler, bis auf ein ])aar umstande iiber die konlgliche hofhallung, blelbt die darstellung des loth- ringischen monchs.

Im anhang werden kleiuere, nicht in der erzahlen- den langzeile verfafsle, sclion melir liedermafsige , ge- dlchle mitgethellt, deren bekannlmachung andere her- ausgeber leicht ganzllch abgelelmt hatten , dle von mir aber gern iibernommen worden ist, sle stehn in der arbeit und im elndruck um elne stufe nledrlger als jene grcifseren, sind ihnen jedoch meislens gleichzeitlg und vervollslandlgen unsere anschaunng von dem poe- llsclien bereich jener fernen jalirluinderte. es scheint "Wiinschenswerth , dafs sie noch relchliclier aus hand- schriften , in denen sle zerstreut verborgen liegen kon- nen, hervorgesucht werden. icli halte sie fiir versuclie, aus der menge deutscher volksgesange, dle damals auf offenen sirafsen und wegscheiden erschollen , luid nlemals niedergeschriebcn dcn nachlebenden gesclileclitern nicht bekannt werden konnten, wenlgstens elnzelne, zur er- helterung der gelstlichen welt, lateinlsch zu behandeln. Lauter licichst elnfache, augenblickllch in dle sinne folleude , aber immer anziehende, eincm gemischten kreise der horer behagliche stoITe des manlgfalllgsten gehalts, traglsch, comlsch, mythisch , aus der geschichte oder der thierfabel enlnommen , am liebsteu aber schwankhaft oder spottlsch , zuweilen avich wol mit an- gehangter lehre inid geistlicher vermalinung. Ein sol- cher vorlrag heifst bald cantilena , bald ^'ersiis , bald IikJus oder jociis, nimur luid falmla '*) y woraus die deutschen

*) ein ludicrum carmen de convivio caelitum, das ein Franke des neunten jli. gediclitet liaben mag, ist aus einer hs. des zehn- ten von Endiicher codd. vindob. s. 296-298 mitgetheilt worden. In des weit spatern Thomae Cantipratani bonnm nniversale de apibus

1>

XVIII

benenmiugcn licd , leich , mdri zu erralheu sind ; sie wiir- tlen dem volk auf pliilzen und kreuzwegeu, dem rei- chen iiber seinem gaslmabl vorgespielt und vorgesungen. zeugnisse dafiir finden sich gesammelt in der vorrede zum zweiten band deulscher sagen *), Wenn im ein- gang des Unibos gesagt ist:

ad mensam magni principls

esl rumor unius bovis,

praesenlatur ut fabula

per verba jocularia, so kann das nicht auf das lateinische lied selbst, wollle man sich auch das feslgelag eines geistlichen herrn da- bei denken , bezogen werden , sondern nur auf ein in verslandlicher volkssprache gesungnes , spater lateiuisch nachgedichtetes. dann aber mogen einzelue solcher lie- der lateinisch entsprungeu seiu , ohne deutsches vorbild. Lage uns ihrer eine grofsere zalil vor, besonders der deutschen , fast ganz verlornen , wie manches licht wxirde daraus hervorgehu iiber die alteu sagen , mythen und marchen. es freule mich in den anmerkungen s. 344. 382 einige spuren ihres zusammenhangs mit jiingeren xiberlie- ferungen, deren ausdauer, selbst in unscheinbaren ziigen, dadurch bestatigung empfiingt, aufzuweiseu. an sich geringfiigiges gewiunt sclion werth uach solcheu ver- gleichungen weit abstehender zeiten.

Uoch ich breche diese betrachtungen iiber den in- halt der herausgegebnen gedichte ab, ida es mir ange- legner ist hier noch ihre form zu erwagen.

ed. Colveiier, Duaci 1627 p. 456. 457 ist gedacht des 'cantus tur- pissimus de beato Martino , plcnus luxuriosis plausibus per diver- sas terras Galliae et Teutoniae promulgatus;' doch wol in latein. *) Ven. Fortunatus ad Bertechramnum episcopum (burdega- lensem) ed. mogunt. p. 89 :

XIX

Den drel grofseren liegl der hexameter znni grund, wclclier im Rudlieb und der ecbasls gewolinlich aucli leoniniscli -vvird. Das zwolfte und dreizelinte jli. zielien die elegisclie verbindung des hexanieters nilt dem pentame- ter vor , selbst fiir die blofse erziihlnng, wie Isengrimus und Reinardus*) zeigen. dafs aucli der luparius beiderlel vcrse Iiat, widersprlclit vielleicht der annabme, INIarbod babe ihn verfafst (s. 307), dessen grofseres gedicht reln hexametrisch ist. Wenigslens scheinen die latcinlschen dichter in Dcutscbland um die ieit des zehnten jh. vor- zugsweise dem hexamelcr zu huldigen , aucli bci Abbo lindet er sicb, IJrosuilh bat clcgiscbes mafs nur in ei- nem ihrer gedicbte, abcr grade dcm ausgezelchnelslen, dem Gangolf. der altere aquilaniscbe Ermoldus Nigel- lus wahlte es , gleich dcm noch friihercn Venanlius For- tnnalns fiir scine gcNVubnlichen kiirzeren gedichte, wiih- reud dieser in der vita IMartlni den langeren flufs dcr erzahlnng hexaniclriscb anshalt. Die verse des M\illha- rins, diinkt micb , sind gescbickter gebiklet ; beide an- dere dlchter zwangte daneben aucb dcr relm , doch bat dle ccbasis hin nnd wieder einige nicht unebne bexa- mctcr. die spracbe dcs balriscbcn mtinchs ist dafiir zu eisenlhiimlicb und selbslandig. Icb habe den fiinffiifsler

Per loca, per populos, j>er ccmpita cuncta videres Currere versiculos, plebe favente, tuos. *) icli kann niclit uniliin vorliiufig eine entdeckung Laclimanns iiber den bislier unbeknnnten dicliter des Ueinardus niitzutlieilen. die berliner bibliotliek besitzt ein ms. der flores auctorum (Reiiib. s, LVIII) aus dem U jli. (nis. Diez. occid. 60), worin von fol. 5a an excerpte aus Reinardus mit der rubrik:

Magr niiiardus de ysengrino et reinardo. wo lci)te dieset rnogister Nirardu.s? bis jetzt weigert die belgisclie und iiordfranzosisclie literargescliiclite alle auskunft.

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ecb. 286 gelassen , weil er dem verfasser entschliipft sein konule, sonst ware leichl zu bessern :

Hunc niorem repelam, nunc ad mea prlsca recurram.

Verletzungen der quantitJit konimen vor. iTve im begiun des verses hatle viellcicht Wallh. 1053 sollen geduldet \>'erden; ich wagte sogar Rudl. 4, 56 btTves (fiir boves) zu erganzen , deun welches andere haus- ihier kcinnte zur tranke gefiihrt werden , da schafe, ziegen und schweine genannt sindl' auch mochte der dat bobus (freilich slalt bovibus) verfiihren. 3, 199 offeu- bar bona fiir bona. spera Walth. 1152 fiir sphaera, sperulae Rudl. 3, 366 fiir sphaerulae lafst sich soust nachweisen *), ecb. 682 wird sperula scandiert = sphae- rula: der Baier kiirzt auch aenesis in enesis. dagegen ecb. 70 septlma fehler fiir septima. ganz hergebracht im miltellateiu ist dle production der penulllma iu mu- lieri, mulierem , mulieres Walth. 324. 560. Rudl. 3, 387. 462. 487. 7, 34. 15, 14. Abbo 1, 182. Facelus 59. ]Marbodus de gemm. 281. 518 und Hrosuith durchge- hends. Entschuldlguug verdient die verlangerung kur- zer vocale in der caesur bei Fromund und IMalclujs, zumal des a der nomiuatlve: Rudl. 1, 28. 31. 46. 77. 138. 141. 2, 46. 84. 137. 158. 229. 247. 3, 1. 2. 8. 9. 78. 115. 175. 193. 194, 199. 311. 320. 325. 342. 344. 362. 369. 398. 454. 458. 470 und durch das ganze ge- dicht, beinahe gleichoft in der ecbasis : 37. 41. 105. 168. 221. 272. 390. 394. 428. 466. 470. 576. 627. 651. 696. 814. 818. 934. 947. 952. 986. 994. 1026. 1028. 1139. nirgeuds im Wallharius und bei Hrosuilh , wol aber nicht alleiu bei spalereu, z. b. Saxo granim. 35, 51

*) Prudentius in apotlieosi :

Cujus ad arbitrium spliera mohiiis atqne rotunda. und Walafrid p. 252 : declivique spherara loco.

XXI

iind liaiiflg Gollfried von Vilerbo, sondern aiicli bei altereu , vvie z. b. Dracontius, ja liin uud wieder schon bei classikern , z. b. Statius Theb. 12, 303. Ovid ars ani. 1, 511. In alinlichem fall erfolgt production des e zumal der iufinilive und vocalive Pvudl. 1, 5. 82. 85. 2, 15. 37. 50. 73. 131. 143. 150. 201. 204. 3, 4. 71. 252. 384. 560 u. s. vv. etwas sellner in der ecb. 70. 99. 706. Die arsis des drillen fufses eilaiigt durch die ruhe des einschnitts melir gewicht und zieht so den kurzen vocal in die lange. consonanlisclien endungeii wie er, us, it, at geschicht selbst iu der classischen melrilN. nicht selleu ein gleiclies. Die zweisilbigen vers- schliisse aureis, aureum (\"\'allh. 335. 1059) sind in der ordnung, vgl. ballei Virg. Aen. 10, 495. Nicht aljer die kiirzungen des ablativischen o der gerundien im dacty- lus des fiinfleu fufses, welche sich alle drei dichter ver- stalten : recubaudo sequcnles, lolerando laboreni , lu- dendo praeire (VYallh. 359. 425. 766); dando salutis, ])ro[)erando revisunt, expandendo crusenna (Rudl. 2, 55. 78. 5, 119); duceudo faligaut (ecb. 1052); \gl. pur- gando rcsolvit, imilando labores (Marbod. de gemni. 318. 503.) *) Correption der zweiten silbe des wortes ecclesia (eigentlich w) Rudl. 4, 106. 6, 107. ecb. 857 fiiulet schon bei Venaut. Fort. p. 77 statt, und wird uoch andre gewahr haben.

Der hauch H behauptet in deulschen eigennamen die einheimische , consouantische scharfe uud verschmilzt meistenthcils nicht mit dem vorausgehenden vocal, oder eiuem INI uach vocal : uonuue Hlltguut (Walth. 36) ;

') im zweiten oder dritten fufs rlciitig : quae simulando spem ^Riidl. 1, 58); rufus ridendo (6, 22); aber sclion Walafrid iui funfteu (p. 221):

More orbatorum placidum deflendS patronum.

x\n

dala Hagaiioni(1350); iil Hagano (1328); regno HiTno- rum (155); *) elapsuni Haganonem (123); primum Ha- gano (119); primatiTm Herricus (35); pace quidem Huni (69); landem Hagano (1421); M und H ^virken dann position. diesem brauch ziifolge ist auch bei ei- nem lat. wort scandierl : stantem huic (^Yalth. 406), wie AB gewahren, C suclit zu andern : slante hinc atque inde. Rudl. 19, 13 verslaltete ich mir die er- ginzung: quam hoc (zweisilbig unelidiert) , wer sie zu kiihn fuidet, mag leseu quam et hoc oder allenfalls quam iUud. Erm. NigelUis setzt aurea hostiola (Pertz 2, 505.) Umgekehrt wird elidiert ecb. 1185 qui hos = qu'o8; Wahh. 477 ire Haganona = ir'aganona jubebat in der aufgenommnen lesart, es hatle auch mit B ge- schrieben werden diirfen : ire Haganon audebat. Haga- nonem imitetur (129) ist Haganon'imitetur. Dies schwau- ken gab den metrikern neue freiheit **).

Der worlverstelhingen im Rudlieb , die bei schnel- lem lesen das verstaudnis beeiutrachtigen , ist s. 228 se-

*) autb bei Walafrid ofter, z. b. de visionibus Wettini : Atque magisterio Hettonis traditur ainii, elidiert aber p. 236 iii einem pentameter :

Praemia nos meritis veile Heribaide pntes. **) wir liaben geselin, dafs der einsclinitt des hexameters kur- zen vocal verlangern kann. im pentameter bewirkt er sogar, dafs der auslautende vocal (oder M) von dem anlautenden vocal oder H der andern verslialfte gesondert bleibt. Hrosuith hat pentame- ter wie folgende :

et libat tumulo | oscula marmoreo. raptus amore suae j iiidomitae dominae. conjunx lasciva | affuerat subito. und Ven, Fortunatus p. 38, 75. 164:

venit ad Iieredem | Iioc opus atque locus. cingit te totum | liinc liouor, inde favor. te petit illa sibi | , haec retinere cupit.

XXIII

(laclit wordeii ; sie liegen aber iin geschmack dei zeit und zeigen sich auch auderswo, z. b. wenu Ermoldus sagt (Pertz 2, 502):

x\d hanc, Ebo, fidem gentem revocare sludeto, mufs construiert werdeu : hauc gentem ad fidem revocare. Auch einzehie 'Nvorler uud besonders eigennamen durch zwischenschiebung zu trennen liebt Erniold:

Er uiodulata tibi conscripsit carmina moldus. Pertz 2, 523.

Nort quoque franclsco dicuntur nomiue manni das. 2, 501.

Engilin ipsc pius placido tunc tramite fieim *) das. 2, 504. Abbo pflegt que niiltenhin zu driingen : 1, 361 ocqueci- dens; 2, 54 iuquesulas; 2, 187 inquesulam fiir occi- densque, insulasque , iusulamque. Derglelcheu lafst slch noch vieles saninielu uud niag der iiberkiinsllichea wortuntereinanderwerfung altnordischer scaldeu an seite gesetzt vverden.

Das miltelalter hegt eine enlschiedne vorliebe nicht blofs fiir hexauieler, sondern auch fiir gereimle d. i. kon/niscJie , welche, obschou unrichtlge doch allgeutein verstandllche und gefiige benennung ich beibehalle. der schlufs des vcrses halt reim niit der hauptcaesur, also meistenlheils der ersleu silbe des dritlen fufses.

Derglelchen reime lassen sich nun bereits aus clas- slschen dichtern aufzelgen , aber nur spurweise , luid elnigenial in absichlllcher forniel, z. b. in Vlrgils i)hai'- maceulria 80 wo das auf Ilquesclt relmende durescil je- doch die erste und zweite silbe des dritlen fufses fiillt. bei spateren dlchlern hiiufigcr, z.b. Claudlan iu Prob. el 01} br. 93. Flava cruenlarum praeleudilur umbrajubarum.

*) aiso Ikiui , zweisilbig.

XXIV

102. Saiicia dividuis clarescunl mibila sulcis.

142. Sunt njiiii pubenles allo de seniine fralres. :n des Ausonius INIosella sind die verse 273. 276. 279. 282. 286. 288. 304. 305. 321. 'leoninisch. uicht wenige findet man bei TertuUian , Sedidius, Draconlius u. a., nur ininier vereinzelt und nicht ini ganzeu gedicht durcligefiihrt. Uberhaupt aber sind sie doppellcr art, iudem sie entweder die caesursilbe alleiu oder auch die vorausgehende zweite des zweilen fufses ergreifen , je- nes in dividuis : sulcis, dieses iu cruentarum : jubarum erslere deu stumpfeu , letztere den klingenden rei- meu vergleichbar. jene lindeu sich haufiger und uuge- sucht schou bei classikern.

lu Deutschlaud erscheiueu leoniuische verse gleich mit dem begiuu der lateinischeu dichtkuust, und sind die liebliugsforni der monche vom neunteu bis zum fuufzehnteu jahrhuudert. dichter , welcheu es gelaug, geuauer iu das studium der classiker eiuzudriugen, such- ten sich zwar des fesselnden reims oft zu entledigen und ihre hexameter ohne ihu zu bauen ; sellen aber setzeu sie das vollig durch und fast iminer laufen leo- uinische dazwischeu. iu ihnen ergeht sich die kloster- poesie am behaglichsten uud ihre feierlichkeit fordert sie, daher inschriften fiir graber und glockeu , kleinere spriiche *) uud memorabilieu fast nur in ilineu verfafst wurdeu. sie toueu auch uicht selten klangvoll und prachtig. Von Hraban und Walafrid Strabo ha- beu sich mehrere erhalten , docli in des lelztgenannten liortulus bililen sie weit die minderzahl (1. 3. 17, 31. 37. 43. 44. 47 u. s. w.) ; auch iu dem laugeren gedicht de visionibus Wetlini. Leouine des stralsburger Er-

*) es sel nur an die iimsclirift anf Hen siegeln frankischer und schwabischer konige als rOmischer kaiser erinnert: Ronia caput mundi regit orbis frena rotundi.

XXV

kenbaltls (Waltli. s. 61) sind beiRonigsLofeii s.491.492 zu lesen ; vom vleiien Eckeliard wird ilirer ein ganzer codex (u^ 393) zu Sanclgallea aufbewalirt (Perlz 2, 54)> aus ■Nvelcliem die rliythmi (riclitiger versus) de sancto Otmaro, welche er als knabe nacli Nolker Labeos dic- taten geferligt hatte, bei Pertz 2, 55-58 gedruckt stehn. die casus sancti Galli hebeu hin und wieder andere im zehnteu jh. gedichtele aus (Perlz 2, 90. 91. 119. 122), ^vorunter auch einzelne unseres alteren Eckehards. darf er fiir den hauplverfasser des Waltharius gellen, so ist cr ihnen in dieser grofseren dichtung ziemlich ausge- wichen , docli schleichen sich manche ein (28. 64. 157. 158. 159. 163. 170. 185. 202. 206. 217. 220. 221. 224. 233. 236. 237. 230. 242. 243. 246. 250. 255. 260.266 u. s. w.), soU man glauben aus nachlassigkeit oder zu vermeiutem schmuck? in Geralds prolog herschcn die leonine merklicher vor, und fasl mcichte man schliefsen, dafs die iiberarbeilung sie heruach zu tilgen geslrebt hatte, wievvol aiich der widmung sorgfaltigerer aus- druck sie kouute al)sichtlich gehauft haben. Im Pvud- lieb sind fast alle verse leoninisch '*) , doch mit vielen freiheiten fiir vocale luid consouanten , dcnn auch ver- schiedne vocale binden sich (4, 61. 66. 68. 83 u. s. w.) und durch einzelne consonanten meiir oder weniger wird uichts verschlagcn ; beispiele auf allen blalteru. Fast ebeuso in der ecbasis, neben elwas streugeiem reim ; die eingeschalteleu horazischen verse macht ge- wohnlich schon der inangelnde kenullich *'•"'), luid ilui lierbeizuziehen miissen sie sich eiuigemal abandem las-

*) der reitn felilt z. b. 4, 62. 73. 6, 4.

") aucii darum siiid die s. 318 angezogncn verse 593-95, TOO. 721. 22 sciiwerlicli des verfassers. 723 ist nacli Ovid met. 1, 11, verandert, wo es lieifst:

Nec nova crescendo repnrabat cornua Plioebc. 698 ist aus Virgils Aen. 12, 677.

XXVI

sen, auderemal bot der Romer selbsl schon den slumpfen reim, z. b. 119. 142. 155. 162. 186. 214; den leoiiin zierl vorzugsweise der volle, klingende. Ungefahr wie IMalchus hiilt es Hrosuilh, auch bei ilir sind klingreime weit sellner als bei Fronnind *).

*) fiir die, welclie andere gleiclizeitige und jiingere leonine vergleiclien miigen , sclireibe icli nocli beispiele lier. Tliietniars von Merseburg (f 1018) prolog:

Pson adscribatur niilii , si qnid in lioc variatur Libro vel desit, testis cuni parvuius adsit etc. eine urk. von 1051 bei Scliaten 1, 543 liat auf die dreieinlieit die- sen vers:

In deitate patris proli sit lionor generalis, In nutu nati decus vel sapientia patri, In vi paraclisis virtus sit utriusque perliennis. Die nomina volucrum , ferarum etc. (altd. bl. 1, 348) sind leoni- uiscli und vielleiclit sclion im 10 jli. entsprungen , denn bis ins 11 reiclien die hss. (vgl. s. 322.) Von Catos leliren gibt es wol melir als eine leoninisclie bearbeitung, die iiltere wird Marbod (opp. col. 1634) beigelegt, wozu neulicli Eadliclier (codd. vindob. 1, 173) supplemeiite herausgegeben liat; eine niclit viel jiingere mit lauter klingenden reimen stelit in einem linzer cod. des 12 jli. (HoflTm. fundgr. 2, 105.) bei Marbod de gemniis liersclien sonst reimlose liexameter , docli mangelt es niclit an stumpfen reimen (7. 23. 32- 46. 49. 54 etc), selbst nicht an klingenden (93. 123. 247. 419. 421.) Macer Floridus (ein dicliter des zehnten jli., aber kein deut- scher) hat wenige leonine (106. 110. 156. 193. 194. 195. 225. 226); desto hiinfiger werden sie in den spuriis Macri. Unter den 60 hexametern des 13 jli, , welche eine iibersetzung von Wolframs AVilhelm versuchen (Lachm. varr. XLlll. XLIV), erscheinen die leonine nur mafsig. Oie Saxonia des eimbeker und goslarer ca- nonicus Dietrich Lange (Meibom 1, 806-812), liat meist klingende reime , deren einige hier folgen miigen , weil sie der verschiednea jahrhunderte ungeachtet (Laiige ist aus der zweiten lialfte des vier- zehnten) an die darstellung iin Rudlieb erinnern : p. 806. Non est exosus populus ueque stans otiosus Multi barones de Graecis nobiliores Hi per tres stabant turmas, pariter properabant

XXVII

Wie niin in der classisclien poesie die liaiiptcaesur ilire libliclie stelle verlassen kann, so ruckeu iiiit ilir auch die reinie; es geniige liier die vYiclitigsten fiille an- zugeben.

Seltner ist der reim sclion auf die Lebung des zvveiten fuCses gelegt, ecb. 1221:

Laus doimntj qui nie salvarat dente lup/Wo, wo Froniund leicht geschriehcn lialle :

Laus qui lue doniino salvarat denlc hipiiio. llaufiger auf die licplhcmiiiieris , d. i. die hebung des vierten, z. b. WaUli. 1304:

Hic rex Guntharius coepfilm niedilalur ineptiiin. ecb. 566. 833:

Accelerare palatinJm quod conderel aulaw.

Dum rapit liunc judaea nian2<5 bene conscia cuj/ir^. RudL 1, 10. 70:

Seu bello seu vena/ji seu quolibet ac/fi.

Ut non deseruisset sc nolitve perire. Hrosuitb :

Francorum genlis dominoi- praeuohilis ahno*.

Graeci blavotas volucres tunc non bene notas, Falcones , nisos, velut res (? volucres) non antea visos Huc apportabant , ad terram dum properabant.

p. 807. Suntque pliilomelae (1. pliilonienae) jain Cliristi numine plenae, Jsam voiucres tales sistunt Cliristi moniaies Est et avis kivit, quae beilat quam cito vivit Non est in mundo volucer volitans ut liirundo

p. 808. Agricultura dant centesies sua jura.

Zuletzt nocli die weit alteren des Langobarden, der den

prolog zu Rotliars gesetzen abfarste:

Est error spretus , quo langobarda juventus Errabat. verum loquitur nunc pagina sensum Edicti, rectis quod strinxit Rotliar lialtenis. Walcausus meritiis, ()uem laudat scriba disertus, rsoslrorum regum suut liinc exordia legum.

XXVfll

Bei so weit nacli hinlen geschobnem rcini pllegt aber auch wol einer zugleich die arsis des zweiten fulses einzunehmen, so dafs sich dann drei vvcirter im verse binden, Wallh. prol. p.59; Rudl. 6, 3. 7, 11; ecb. 658:

Ludendji'//? niagis est doiniuum quam sil rogiland»//?.

Poenilc«7 vel eum rugik/7 mala quae facieb/i/.

Et \evhiim profert plen///// ceu pollinis o\iim.

Ponia velu/7, niiranda candf , sed amigdala [^ondl*). Abbo t, 343 niil unreiniendeni schlurs :

Ergo cvn regina pol/ componere quibo. INlinder schicklich legt sich der drei reinie ersler auf die ihesis des ersten fufses, ecb. 601:

Tam cito se sociare toro nec jungere disco, oder auf die senkungen des zweiten luid vierlen, ecb. 813:

Condolui tib/, non parcens mih/ , cougrua vex/. Am ungiinstigslen wirkt , wie niich diinkt, die theilung des hexamelers in zwei genaue hiilften, wo reiche reime den dritten fufs gerade wie den sechslen fiillen, sogar iu den zweilen und fiinflen niilreichend, ecb. 232. 471:

]Me circumvoIi///i/i//^, dente sed asperi/«7/a«/.

Totus conlic»// gri-x, atque crucis siluit lex. gehoren liierher auch, ohne reichen reim, und ganz stumpf, aus Puidl. I, 47, 9, 4?

Nou abscondere quil w quin hanc mox reperire/

Ex illa sit quem di: fonle levaveris inqu<^. Folgende beide sind luiter einauder ahnllch gebildet, Je- doch verschieden, dercu halflen jede eigens fiir sich reimen, Kudl. 6, 56. ecb, 158:

Fiscib//5 ut cili//5 vorer aut diris cocodrill/A-

Quid calid///// gelid///// , donuno/7/m quid famulo//////.

') virgilianisclien verseii vergieiclibar wie :

Congredior, fer sacra pater, et concipe focdiis. \vo die zweite silbe voii patcr durcli den eiudruck der caesur pro- diiclioa crlaiirt.

XXIX

Da die caesur anslofsende vocale oder ]M und vocal vor elision schiitzt (s. XXII) ; sowirdaus gleichem gruud der reim auf dem vocal oder dem M ruhen diirfen , wenn sclion vocal folgt , Hrosuilh :

Exoplans vel summafim atlingere saliim. doch Rudl. 3, 82 trift der abschnitl nicht liinter quin- deni , sondern onagri, und man scandiere:

Et bis quinden' onagri tolidemque cameli, weshalb hier nur einfaclier reim.

Dem hexameler widersteht zerschneidung in zwei gleiclie lijilften ; dem peniameier ist sie wesenllich , indeni drillhalb fiilse jeden seiner iheile bilden. Seiuc caesur bietet sich also dem reim noch naliirlicher dar, als die des hexametcrs, und in mittellateinischen , elcgisclies niafs liallenden gedichlen, z. b. dem Gangolf der Ilrosuilh trift man ihn fast allenthalben ; jiingere beispiele gewah- ren die Reinli. s. 416 If. abgedruckten , ziemlich rohen gedichle luid der raparius (kinderm. 3,241.) Doch l»a- ben ihn altere pentamcter, wie Hrabans und Fortunats sellen , ebenso wenig die spateren des 12 und 13 jh., z. b. im Reinardus. In Deutschland mindestens hat sich der leoninische reim vorzugsweise dem hexameter zu- gewandt.

Aus den bisher gepflognen untersucliungen sleigt nuu die weitere und anziehendere frage hervor nach dem verhallnis dieser leoninischen verse zu der natio- nalen weise unserer deulschen poesie selbst, die auch ihrerseits auf die lateinische einflufs geaufsert haben konnte?

Durch Lachmanns erorterung der allhochdeutschen belonung und verskunst ist die bahn gelichtet worden, auf welcher hier vorgeschritten werden mufs. er hat aus beobachtung der mittelhochdeulschen gedichte ein gesetz der hebungen und senkungen entdeckt, das auch

XXX

tlen altliochdeulsclien sclion zum griincle liegt , und auf deni accent, wie das nielrum der classischen dichler aiif der quantitat , beides unabhangig von reim und alUteralion, die jedoch liinzutreten konnen, beruht.

Dals der deulsche vers blols rbylhmiscli, nicht me- trisch gebildet werde, erkannten bereils die sanclgaller mOnche. ihre casus erzahlen (Pertz 2, 91), wie, unge- fahr im jalir 917, am tage der unschuldigcn kinder, nacli altem gebrauch , biscliof Salon)on von den schii- lern scherzhaft zum meister gewahlt wurde luid die knaben sich nun mit lateinischen spriichen bei ilim los- kauften: 'parvuli latine pro nosse, medii nVimice, cae- teri vero metrice . . . illum affantur.' die jiingslen bracli- ten nichts als lateinische prosa vor, die mittlern be- tonte verse (nach deutscher arl) , die erwachsnen nie- trisch gemessene. ein paar dieser letztern werden zur probe angefiihrt, hexameter mit leoninischemVeim ; man sahe gern auch eiuen der rhylhmischen , wahrschein- lich ebenfalls gereimten , verse milgetheilt. doch die geistlichkeit schatzte nur das melrische dichteu (vgl. Waltharius s. 58) und liels sich die rhythmische iibung nebenher gefallen.

Es haben sich aber sonst solche lateiuische rhylh- men erhalten , nanientlich das aus dem verlomen alt- deutschen liede Rafperis getreu von dem vierten Ecke- hard in latein iibertragne gedicht, welches hier aus je- ner sangaller hs. 393 pag. 247 eingeriickt werden mag, weil bei Pertz 2, 33 nur davon die zehn ersten zeilen stehn *). Ratperls lebenszcit fallt in deu ausgang des neunten jh., die des iibersetzers in das erste drittel des eilften (Waltharius s. 57.) die rubrik lautet so :

*) ich verdanke die genaue ahsclirift wiedernm meinem frennde Joseph von Latsherg.

XXM

Ratperlus nionacluis , Notkerl, qnem in sequenllis nil- ramur, condiscipulus, feclt carnien barbarlcum populo in laudem sancli Galli canendum. quod nos multo Im- pares homini, ul tam dulcls melodla latine luderet, quam proxlme potuimus, in lalinum transtulimus. nun das lied selbst.

t NiMic inciplendum est mihi magnum gaudium. Sanctiorem nuHum quam sancliun unquam Gallum IVIIsIl fillum Hibernla , receplt palrcm Sueuia. Exultemus omnes, laudemus Christum pariles Sanctos aduocantem et glorificantem.

2 i^ursu pergunt reclo cum agmlne collecto, Trla tranant marla , celeuniant Cluislo gloria, Columbanus, Gallus, INIagnoaldus et Theodorus, Chlllano soclo, post functo sacerdotio,

Gallos peruagantur, Francls immorantur.

3 Jrienouanl Luxouium in Chrlsli caulas ouium, Passi mocho uarias Brunhildis et insidias, Tristesspernunt FrancIam,conlendunt etlnSueuiam, Castro de Turegum adnauigant Tucconium, Docent fidem gentem , louem linquunt ardentem.

4 JL ucconio ingrato hinc excommunicato Uadunt in dlrectum , examen ut collectum, Qugrunt aluearia temptantes loca uaria, Arbonam per lacum aduolllant potamicum. CoIIIglt TJuilllmarus illos Chrislo carus.

5 JTerglt hlnc Brlgantium grex gentes baptlzantlum. Columbanus amplum hlc Chrlsto sacrat templum, Docet paruum clerum cantare deum iierum. Latrones et duos occidunt fratres suos,

Fugit mox Italiam , terram procul aliam.

2, 4 iiber den worten Chiliano socio mit rotlier sclirift: sic iii teutouico caiiitur.

XXXTI

6 Gallus infirmalur, ab uia relardalur,

Cui inandat niolus quod reslet Columbanus, Missas numquam celebret se uiuum quoad sciret. Repetit febricitans Arbonam, Chrislum supplicans Egros alleuanlem , faciat se ualentem.

7 Jrresbiter Christo carus dat leclum Uuillimarus, Conualescens Gallus siluarum fit mox auidus. Dux fit Hiltibaldus, occurrit locus commodus,

^ Clamant damna dgmones, retentant Gallum uepres, Diaconus accurrit, lapsaus illum distulit.

8 (jallus forle psalmum in ore tenet ahnum : Requies hoc est mea per Sf^culorum spcula, Semper hic liabiiabo, deiun meum inuocabo. Hihibalt percare iam noli me uelare, Libet sic iacere , noli suslinere.

9 Instat tandem triduo uir domini ieiuuio, Consecrando locum litabat uota precum, Fit ambobus ardor, procumbit omnis arbor, Regnat uis ilammarum condensa per siluarum, Infert ursus truncos igui passini aduectos.

10 "anem Gallus bestie mirando dat modesti^, Mox ul hunc uorauit, in fugam festinauit lussa siluis cedere , hic nullum posl hac l^dere. Diacon iacebat soporans et uidebat,

Qua uirtute Gallus pollet dei famulus.

11 riinc de loco dgmones abegit et serpentes, Ducis sanat filiam , quam salan uexat rabidam, Exit ore toruus colore tamquam coruus, OlFert Gallo dona pro mente uirgo sana,

Que dispersit sanclus, dedit et pauperibus.

7, 2 fiir siluarum am rand die correctur deserti.

8, 5 iiber sustinere: uel subleuare. 10, 3 es stelit c^dere.

xxxiri

12 Op'^"' illiim popuhis pontificem et clerus, Qiiissacranduni proprium lohannem dat discipulimi, Hinc superno numine in moutis stans cacumine Spirilum abbalis locandum cum beatis

E conspeclu terro angelos uidet ferj c.

13 Uolum mox inliibiUim post patris litat obitum Gaudet pisce magno pelroso caplo slagno, Trabem breuiorcm dat prece longiorem, Peigit hinc ad caslrum ob Michahelis feslum, Egit missas more . spiritus tonat ab ore.

14 xLjgrotat iu castro eleclus deo nostro,

Posl lleliim, post gemilum defungens efllal spirilum, IMichahel fidelis locauit hunc in colis, Accurrit episcopus Ilens ad magislii corpus. Caligas eius induit claudus et exiliit.

15 Cjorpus est nudatum , ut solet , ob lauatum, Pienes et sacralos niiranlur uulueratos, Capsam cKiusam panduut calenam et offendunt, Cruore perfusum horrebaut et cylicium, Clamant, o felicem suimet caruificem.

16 -tj(|uis liinc indomitis sacratum corpus marlyris Prgsul in»ponebal , infreues et laxabat, Currunt iu direclum ad cello palris tecUnn. Sequitur cum clero lohannes alque populo, Kyrieleison clamaut et delletum tumulant.

17 lohannes noli flere , magistrum crede uiuere. Uiuit , inquam , Gallus, bealior iam uullus, Uiuit per miracula, dans scutum ad obstacula, ludex inter dextros sessurus in sinistros

lu tremendo examine. gloria libi domine. Beim abdruck sind alle in der handschrift iiber die fiinf erslen strophen , wechselnd mit rother und schwar-

13, 2 petrose.

zer dlnle, geselzlen musicalisclien zeiclien Aveggeblieben, aus welchen sicli wiedeikelir der niclodie nacli je fiinl zeilen klar ergibl. *) auf den bau der einzelnen verse selbsl schcint dies strophisdie verhallnils keinen ein- flufs zii haben. In Otfrieds altdeutscheni dichtwerke herscht keine solche abtheilung, es zerfiillt, v>"ie die nanienspiele der widniungen aussveisen , ganzlicli in slrophen von zvvei langzeilen.

Sonst aber ist zwischen den olfrlcdischen langzeilen iind denen dcs Galluslieds unverkeinibai e alinlichkeit, jede halfte zeigt die vier hebungen niil den ausgedriick- ten oder auch fehlenden senkungen. Jiian veigleiche :

7, 3. dux fit Hillibaldus. occurrit lucus cuinmodus.

IV. 23, 39. antwurlila Ifndu. ther l^eisor ewinigo tho. 6, 2. cui mandat motus. quod restet Culumbanus.

5, 3. ducet parvum cle'runi. cantare deum verum,

V. 23, 20. iillo thio scunf. wio wunnisiim tliar wJiri. II. 17, 2 luweraz girali. scal salzan wuroltdali.

8, 5. libet sjc jacere. noii sustinere.

IV, 16, 2. libar e'inan l\Ijngun. sid tho thesen thingon. nur daJs im ganzen die zweite lialfte der ersten meik- lich vonvlrgt , d. h. in dieser die senkungen ofler man- geln. soU ich es Jiach der silbenzahl ausdriicken , so lindel sich, dafs die zweile halfle haufig aus achl und sieben , sellner aus sechs silben besleht, die ersle dage- gen oft aus sechs uud siebeu , nienials aus acht. Die acht silben verleiheii der zweiten halfle jambischen klang:

in Chrisli caulas ovium

silvarum fit mox avidus

*) niclit uiinierkwiirdig. soilte das aufsclilufs zn bringen ver- niogen iiber die nocli diinitle zerlegung mlid. erziilileiider gediciite Wolfranis und Hartmnnns in abselinitte von dreilsig zeilen, deren Jeder ziitn hpfiiif der recitatiou fiir sechs pentaden eingericlitet wiire ?

XXXV

per seculoinini seciila

quam sataii vexat rabidam

in montis stans cacumine

defungens efllat spirilum *) die seclis silben der ersten hiilfie des verses Irochaischen:

vadunt in direcliun

docent parvum clerum

regnat vis llammarimi

inferl ursus truncos

spiritum abbatis

gaiidet pisce magno oder aucli dcr zweilen :

Francis imnioranlur

et glorificanlem

illos Chrislo caros wie bei 0. in erster halfte: ilemes nu all^ J. 6, 15. in zweiter: ubar burgi sino IV. 7, 81.

thar man inan pin«jt IV. 7, 77. allerdings scheint die schhifszeile jeder slrophe sechs- silbige halften zu liebcn

sanctos advocantem. et glorificantem. Gallos pervaganlur. Francis immorantur. docl» 3, 5 Joven) lintjuunt ardentem ; 4, 5 coUigit Wil- limarus ; 7, 5 hapsans illum distulit u. s. w. schwcilich soll 9, 5 nach der lateinischen regel gelesen werden : igni pass' adveclos, noch weniger 15, 3 caten' et olfen- duut. synalophe, uach Otfrieds weise, ware zuliissig: in tremendo examine 17, 5. Ein versuch lage nahe , Ratperts ganzes lied , dessen

*) vgl. O. 111. 18, 59: so er uns emmlzigen duat. 111. 18, 68: tliaz emmizigen fniina meid. 111. 18, 72: si tlialitun er tlies filu forn.

c*

XXXVI

aiisdrucken der iiberselzer sichll^ar aiif deni fufse folgt, herziistellen ; an eiuigeni sei es hier gemig :

i, 4. frovvenies nu alle. lobunle Christ giljch^. 5. der die wiJion ladut. joh liarlo niicliillichut.

4, 2. farant gilicho iii riliti. susu b?ano iiiipi.

3. iro char io suochanlo. ubar al oiili llioganlo.

4, 5. samauut Wilinari. sie Chrisle lilii liuri.

5, 2. Cohinibaniis Nvilun. dar Chrisle wihit chilicliun. 5, 4. scachara dur zuene. irslaliant i^ruoder sine.

5. iliuhit paldo in Walholant. fciro in anderaz lant.

7, 4. wiofant scadon dursa. haltaiit Callon dorna.

8, 2. scal ih lar raNvun, fon ewon unz in ewon.

4. Hiltibalt liob niaii. ni cliuri niir firbiolan.

14, 4. der biscof suello liof. zi des nieistres lichi wiof.

5. sino liosun ana suanc. ein halzer inti dana spranc.

15, 1. ward diu lih intnachulot. zi wasganne so niau tuot. 2. dio heiligun lancha. sehant se all^ wunta.

4. jehant saligon. slnes selbes scarjon.

16, 5. kyrjeeleison singant. biweinotan bifelhant.

17, 1. Johannes ni churi weindn. den nieislar wizzis leb^n. 2. lebel sageii ih dir ein. saligoro nist nihein.

ich habe absichllich der ersten halfle iii 8, 2. 15, 4 fiinf silben, in 17, 1 acht gestaltet, was iin lat. text uie ge- schieht.

Richten wir nochnials den gedanhen auf jenes in der canlilena sancti Galli deutlicher als bei Otfried wahr- nelnnbare vorwiegen des zweiten halbverses oder kiir- zen des ersten ; so scheint sich ein nicht unebner ver- gleichungspunct zwischen der blols betonten deutschen langzeile und der anlik geniesscnen des hexanieters her- vorzuthun. der hexaineter legt die hauplcasur, wie wir sahen, noch weniger in seine niitle, sondern nach der ersten silhe des drilten fufses, so dafs zwei ungleiche theile entspiingen, die sich wie 2Jt : 3,V verhalteu. Die

XXXVII

accenliuerle langzeile, obschon in jeder lialfle gleichviel hebungen einschliefsend , pllegt nicht selten der erslen lialfle seclis silben , der z^veiten sieben , oder jener sie- ben, dieser acht zu erllreilen, was elwa den verhaltnis- sen 3 :3.i oder 3tt:4 enlspraclie. die silbenzalil schwaukt zwischen 13 \nid 15; der hexameter, zu silben berech- net, vvird aber wenigslens 13 zahien niiissen , nieist 15 entlialten inid bis zu 17 waclisen kcMinen. iui tolalein- druck treten sicli also beide versarten uahe , und es geht gut an , otfriedische langzeilen, deren silben freier laufen als das lat. Galluslied, in hexanieler zu waudeln, wie aucli schon Lachniann gesagt liat. ich niochte so- gar annehnien, dafs unsre vorfahreu den liexameter be- giinstigten , weilseine hauplcasur (uach wenigstens 5, aber auch 6 und 7 silben) deni einschiiill ihrer nalio- ualen langzeile, der gerade so dcn reim enipfieng, auiser- ordentlich gleicht. Insoferu hatte der verfasser des Wal- tharius leichtes spiel mit deni deutsclien heldenlied, das er uachaliuite. es gibt hexameter im Rudlieb die nian, wie sie sind, ohne alle anderung fiir betoute langzei- leu liallen diirfle, z. b. 6, 76:

a modu uon duniinani. sed me dicant huinicidani wenn auch in zweiler halfle die hebungen anders lallcu als z. b. Ratpert 2, 4 :

Cliiliano sucio. post funclo sacerdoliu. Kudl. 6, 88 uiit gelilgtem 'aute':

mater et ut duminu. slt els uec lit nove'rca. der Irochaische ausgang huinicidain , ut noverca ver- slufst gegen die deutsclie betouuug. diese unahnlichkeil abgerecliuet , liefse sich auch Wallh. 16 umselzen in :

nauique marem geuuit. c]uem Guuthari vocitavit. iiberhaupt vergleichen sich viele erste halflen der hcxa- meter, z. b. iudolis egiegiae; tempore (pio validis ; lio- libus iusinuaut ; uomiue AVallharium; uud auf allen

\X\V!U

fall erhellt, >vie nnmiltelbar der inliaU nietrlscher lang- zeilen in die begrenzung blofs belonler aufgenomnien •werden konnte.

Die ganze saclfe gewinnt nbcli erliuhten reiz, wenii Avir auf den zusammenhaiig der allhochdeutsclien ge- reimten mit der alteren alliterierenden langzeile, andrer- seits aber mit der gesamten mittelhochdeutsclien vers- kunst achten.

Dafs die urspriinglicli auf blofsem accent beruliende laiigzeile an sich weder mit deni reim des anlauls noch des auslauts zu schaffen habe, wurde's. XXX gesagt. sie kenut nur das leichtere band der belonung, -wie der liexameter das der cjuanlitativen messung, nicht die liistigere keltc des reims. wesenllicli uud gemein ist beiden aber die luhe einer die zeile fast in zvvei hiilf- ten theilenden liauplciisur, auf welche gerade der spa- ter enlwickelle reim sich niederlafst, bis er alhiialich das iibergewicht erlangen und den grundsatz der quan- litfit wie des accent beeinlrachligen kann.

Auch iiber die hebungen und senkungen alllterier- ter verse hat sicli die lachmannische forschung sclion verbreitet, und muglichkeit des iibergaugs alliterierter in otfriedische langzeilen durch eiu vvirkliches beispiel schlagend dargelhan. 0. I. 18, 0

thar ist lib ana tod. lioht iina finslri stammt buchstablich aus der alliteiMtionspoesie , sei es niin blofs im gediichtnis iiberliefert oder gradezu aus Muspilli 16. 17 enllehnt. sogar der mangelnde reim verkiindet erborgung , wie in der ecbasis bei den hora- zischen versen.

In dieser langzeile von acht hebungen und nirgend anders haben -wir den iiralfen, volksmiifsigen i>ers des deutsc/ien helden/iedes zu suchen, da?. vvie es scheint, bis ins achte jh. seinen schmuck nus der alliteration. nach-

IIXIX

lier aber aiis deni reim entnalini. ein gediclit voii Wallliari, >vie es saugaller moiiclien noch bekaniit seiii koiinle, nuifs in einer von beiden weisen erkliingen sein. Wer dcr niilseren veriindening unseres epos von da bis ziini scbliisse des zwoHlen jli., weil die quelle versiegt ist, ini gclste nocli nachspiiren will, hat zweier- Jei anzuschlagen , die niinderung der langzeile um zwei liebungen , iind die verlegung des reinis aus der casur. Dafs der silbeiizahl und den Iiebungeu allnialicher abbruch geschah , lafst sicli begreifen aus der vorschrei- lenden schwachung und sliimpfung der ableiluugen und llexionen. geselzt, iiii niunde der sanger waren alle einzelncn ausdriicke und vvorler einer epischen zeile treu durch den lauf der jahrliunderte forlgetragen vvor- deii ; vvie viel voller und niachliger liaile sie im neun- ten als im zwolflen jh. lijnen nuissen. die tradilion inochle sich liin und vvieder auf allerlluiniliche fornien erslrccken , das gaiize koniile sie niclit vor einer gewis- sen verdichlung und zusanimenschriiinpfung bewahren. Der allhochdeulsche vers weifs vou keinem eigenllich klingenden reiin , inir voii slumpfem; den klingenden begriindet eben , dafs bci langer penullima der accent dcr letzlen silbe gescliwiichl uiid der hebung unfaliig wird. eiiie njenge zweisilbige leime, die bei Olfried zwei hebungen Irugcn, geslallelen dei; niittelhochdeut- schen dichlkunsl blofs eine. lii don Nibelungen lial dio langzeile meislens nur sechs hebnngen, fiir jeden tlieil drei, im erslen wirkle der klingende einschnitt auf un- lerdriickung einer hebung hin , beim zweilen forderlo sie dann die durch gesang oder recitation bedingle gleichmafsigkeit. nach silben bevechnet (was viel uii- hicherer isl) wiirden sich gewohnlich sieben liir die ersle, fiinl lur die zweile halbzeile finden , also jene, nicht diese vorherschcn. dies alle? selzt vielfache an-

Xti

(lerungen voraiis , iind es niiisle iingcniein scli^vierig scheinen , epische langzeilen des dreizehnlen jh. niit seclis hebungen iimzuslellen in die des ncunlen niit acht liehunGcn. Aber nif.hl zu iibeisehn sind die deullichen spiiien vierter liebungcn sowol iin zweilcn llieil der vieiien zeile jeder slrophe (Lachni. zu ]\ib. 4o, 4), als zu^veilen auch noch iin ersten theil fiir alle zeilen (zu Nib. 118, 2.) llegel der hofischen inhd. kunst war fvir jiUe slumpfen rciine der kurzzeile an den vier hebun- gen festzuhalten , den klingenden aber nur drei zu ver- leilien , so dafs der stuni])fgereimle vers vollig dein ot- friedischen , dcr klingeiide dein des Nibelungenliedes entspricht : auf sieben zuriickgefiihit , vvird die slumpfe zeile gewohnlich aclit , die klingende sieben zahlen. ]n der nlid. poesie , schon seit Ilans Sachs , hal zwar die slumpfe zeile aclit silben behallen , die klingende liin- gegen ncun angenomnien, ^vas sich noch allgeineiner so ausdriicken lafst , die kliiigeiule zeile pflegt inimer eine silbe niehr als die slumpfe zu enipfangen, z. b. in den iiblichen jamben jene eilf, diese zehn silben zu haben. nach alid. vveise hiefse das der zeile, die jetzl klingend ist , eine ganze hebuiig melir zulegen als ilir gebiihrt; aber die iin mhd, gewohnlich anfgehobne gleichheit der ]ie- buiigen fiirbeiderlei reime wurde dadurch nhd. hergcslelll, daraus folgt klar, dafs sich die iiilid. ungleicliheit der hcbiingen lediglich liislorisch erkliirl , d. i. die drei he- bungen des klingenden reims miissen zuriickgeleitet vverden aiif vier ahd. liebuiigen *).

IMit diesem aufkominen klingender reime in der

*) den iibergang von der n'li(l. weise znr nlid. bilden dentlicli die reiinzeilen auf zweisilbige worter niit kurzer peiiultinia, welclie stnmpfreiniigen zeilen gieicligeatlitet werden d. Ii. bei neun silben vier liebungeii niatlicn. iiacli silben l)ereclinet siiid die nilid. kiirz- zeiien dreifarli, von sieben, aclit iiihI iieun sill)eii. indeni sicli die

XLT

nilid. poesie sclieint niir niin aiich die verlegung des innern reinis aus der casurslelle unnultelbar in zusani- menliang. Das klingende, niclit niehr in beiden silben •volllicbige wort versagle sich deni reim auf den slumpfen sclihjfs der langzeile, und nian ^var gencilhigt fiir die- sen ein band im schhifs der folgenden zeile zu suchen. das lied vou den Nibelungen und von Gudrun lassen die ersle und zweile, so wie dritte und vierte zeile jedvveder slrophe auf einander selbsl reimen, stalt wie friilier auf den einschnitt. Diese neuerung durchzufiih- ren mufs •wieder genug in dem e]iOS umgebildel haben, es wird schwer zu bcslinimen sein , in welcher zeit, ob crst im zwolflen oder schon im eilften jh. innere reime aufhorten, schlufsreime anhuben? Vielleicbt dafs auch dabei ein analoges verhaltnis der miltel- lat. dichlkunst darf erwogen werden : hexameter kom- nien zum vorschcin , die ihren innern casuneim in den schluls verriicken. so geschieht namentlich durcli das ganze gedicht von Pilalus *), dessen erste slrophe lautet :

kurze jener penultima allmalicli anfliob, muste die spatere poesie daliin strelien , deii siebensilbigen vers aucli in einen neunsiibigen zu verwaiuleln. In den kurzzeiieii altrranzusi.sclier dicliter er- sciieint liiiigst uiui iiberail das iilid. veriialtnis, dem stumpfen vers werden aclit, dem klingenden iieun silben gegeben ; diese bemer- kcnswertlie abweicliung von der glciciizeitigen mlid, regel berulit darauf, dafs die romaiiisciien diciiter in die natur des kliiigenden reims sirli leiciiter fanden als die miid. Ausnaiinisweise laiilen je- docli fast bei allen nilid. diclitcrn (Conrad abgerecimet) sciion kling- reimige ^erse niit vier liebungen unter,\vas den niid. braucli vorbe- reitet und erklart.

*) Lcyser iiist. poet. nied. aevi p.2125. Endliciier codH. vin- dob. lat. 1, 162 iind 277. da sicii das nilid. gediclit des 12 jii. (Mnfsm. 147a) auf ein lateinisclies bucli bezieiit, so darf man wol diese nietriscbe beaibeitung dafiir uelimen iiiid weiiigstens aucli dem 12 jii. beilegen.

XLII

Urbs fuit anliqna, veleres lianc conslilueruiU, Moganus atque Scia *) , llunien rivusque dederunt Nomen , et inde fuit primiim JNIoguncia dicla Nomine composito, non esl asserlio ficta. ferner in dem sogenannlen Facetus '■*), ^velcljer anhebl : Cum nil ulllius humanae credo saluti Quam niorjim novisse modos et moribus uti. Es lafsl sicli freilich niclit nachweisen , dals hier friilier der leoninisclie reim , ^vie sonst, auf der casur haflele; doch die neigung zum reim der zeilenschliisse scheint in der lateinischen und deulsclien poesie zugleich vor- zulreten. In den jiingeren epeii , und spurweise schon den Nibelungen f.-illt auch wieder ein innerer reim auf den einschnitt, doch niclit um ihn mit dem schliifs, vielmehr dem einschnitt der folgenden zeile zu ver- kniipfen , so dafs nunmehr die stunipfen reime von klingenden gekreuzt werden , und alles gefiihl der allen langzeile schwindet.

Langer, eiiigeschnlttner zeilen bedarf das epos, ca- suren sind gleichsam seiiie beslandigen alhemziige; die erzahlung in kurzzellen ist unepisch, iiud man kanii von ihr sageii, dafs sie nicht reclit zu atliem koinnie '■'**),

*) der bacli Zi oder Zei, Fuclis besciir. von Maiiiz I, 302. 310.

**) VViggerts zweites sclierflein, Magdeb. 1836 s.6 27. der iirspning des werks ist nocii unausgeniittelf, es gibt verscliiedne bearbeitungen (Eiidlicher codd. lat. vindob. 1, 159. 160.) Eiii- zelne stropiien bei Wiggert liaben aufser dein sclilufsreim nocli einen innern, z. b. 24:

Omiiis liomo quacunque donio qua lege fruatur, Provideat quando taceat vel quando loqnatnr ebenso 133. 134; wogegen 136. 137 oliiie scliluisreim uiid ge- wohnliclie leonine siiid.

*"'*) man niuls untersclieideii, dals lange zeilen sicli in liinze cilcii aufl"'seii und dafs gediclilc urspriinglii h in kiir/en verCat^t

XLIU

Dle langzeile der allfranzoslschen epen war doppelt, entweder von zehn silben, niit deni einschnitt nach der vierten, oder von zwolfen, niit dem einschnitl nach der sechslen. der eigentliclie reim hat sich ihr noch niclit enlwickelt, blofs ein slreben nach ilim , die vocalische assonanz. Aus deni zwolfsilbigen vers ist der neufran- zosische gereimte alexandriner hervorgegangen , der in zwei gleiclie sliicke zerfallt, wie der pentameter, was beide gcgen den zehnsilbigcn vers iind den liexameler in nachlheil slellt, doch bei klingendem ausgang lafst er ii) der zweilen hrilfle cine siebente silbe iiberfliefsen, wir haben gesehn, dafs auch der ahd. vers zur kiir- zung der erslen halfte geneigte , weniger deutlich bei Otfried , als Ratpert. die nibelungische slroplie thut es zum mindesten enlschieden in ihrer vlerten zelle. Auch des slavischen volkslieds sel noch gedacht, es hat zehn sllben oder fiinf hebungen in jeder zeile, den elnschnlit nach der zweiten hebung, also mit belrachllichem iiber- gewichl der zwelten halfte. ich gebe beispiele aus ser- bischen liedern :

schta se bjeli | u gorl zelenoj,

il se snieg |, il su labudovi?

nijesetz kara | zvljezdu danllzu,

dje si bila | , dje si dan gublla;* gewohnllch kein reim , doch kann er zulrelen, uiul ei- gveift dnnn scliliifs uud casur , wie in der lelzlen an- gefiihrlen zeilc, oder in folgenden :

sinH ; denn sonst liiitten wir in zwei stiimpfen kiirzzeilen der klage jedesmal deii aiten episclien vers. in den langzeilen der edda fiililt si<li nocii der aucli aus der aliiteration liervorgeliende zu- sanimeiiliang beider tlieile. weder die klage nocli der Parzivnl liifst sicii in langzeilen darslellen , weil dann stumpfe mit a<lit iind klingende mit seclis lieljuiigen neben einander liefcn ; wol aber Otfried. der keine klingenden verse liat.

XLIV

da je vila | , iia \isclie bi bila.

na ranieua | , ka' sve ua kaiiieiia.

Ivo prosi I , diischde se ponosi. dieser nacli innen hin gelegle, die langzeile selbst niclit verlassende slavische reini slimnit zu deni allhochdeut- schen wie zu dem leoninischen , weicht aber von den romanischen endecasillabe ab , die in die folgende zeile forl reinien , wie das lied von den Nibelungen.

Die klcincren gedichic des anliangs entfalten mehr- fache melra , alle sind gereimt und in slrophen. Am wenigsten einfach ist das lied auf ffeinrich II, dem wahr- sclreinlich eine bestimmte melodie unlerlag; jede seiner strophen endigl mit eineni leoninischen hexameter. He- riger luid Alverad liaben sechszeilige slrophen von fiinf, die drei iibrigen dichtungen vierzellige von acht silben, in jambischem schvvung, wie es schon die millellatei- nische dichtkunst friiherer jahrhiniderte liebfe. Unter vielen beispielen nenne ich den hymnus des Venan- tius Fortunatus de Leontio episcopo (l, 16) und deu beriihmten in honorem sanctae crucis (2, 7):

Agnoscat omne saeculum

Anlislitem Leonlium,

Burdegalense praemiuni,

Dono superno redditum. nnd Vexilla regis prodeunt,

Fulget crucis mysterium,

Qua carne carnis condilor

Suspensus est patibulo. Die weise scheint besonders in Deutscldand luid na- mentlich in lothringischem, niederlandischem gebiet, lange zeilen hindurch, beliebt. Docen (misc. 2, 191) fiihrl aus trieiischer gegeud folgcnden anfang eines liedes, veinuitlich des dreizehnten ili. an :

XLV

Sol solis in slellifero

Stellas excedit radio,

Sed unica quani diligo

Mihi placet et populo. Hierher gehcirt iiun auch das merkwiirdige neulich von Leo enldeckle berliner bruchstiick des lateinischeu Gre- goiiui*), der freilich der fabel nach von bedeutendereni iinifang gewesen sein niufs. es erstreckt sich iiber die verse 741-775 des hartniaiuiischen gedichts und zer- fallt, wie niich diiukt, wiederuni in vierzeilige slrophen, die ich folgenderniafsen herslelle:

1

Sic loca veniislissima Caede vaslavit inaxima.

2. Urbs nulla fuerat,

Quani non bellans vaslaverat, Una tanlum remanserat, Quae principalis fuerat.

3. Quae vix sola subsisleret, Si non totam protegeret, Qui solus regit onuiia Per seculorum secula.

4. Ul procedamus

Nunc Iiis fuiem faciamus;

Mente altendanuis,

Sic ad puerum redeamus.

5. Ergo per omnia,

Dum transit stagna marina,

•) blatter fur lit. uiiterli. Leipzig 1837 18 dec. no. .^53 p. 1431. 1432.

4, 2 ini abdruck liujus finem.

4, 3 urentis acta damus. vielleiclit aucli: ventis atteudamus, auf die winde, die das kind uber die see fiilir^ten?

XLVl

Est conservalus, Ut erat Jonas quarduaiuis. 6. celi ventre,

Sensu typice famulante

7 gesla,

Quae post jfient nianifesta, Nam defertur infanlulus, Couservalus divinitus,

8. Cuni propria navicula, Per jnarina pericula, Veneralque ad insulam, Quae continebat. cellulam,

9. Quam vilae venerabilis Cum niullis sibi subditis Piis ornalus moribus Abbas rexit Gregorius.

10. Qui binis piscatoribus

Praeceperat allentius,

Ut praepararent

Se diluculo [et navigarent.] Der stropliische grundsalz scheint mir bestatigt zu wer- den durch 3, 4, welche zeile ganz zu dem schlusse des Unibos stimmt, daun durcli den grofsen buchslaben der hs. bei Ut 4, 1, womit ein neuer.absatz begann. Was nun aber am meisteu auiTallt, die jamben (wenn man sie so nennen will) verrathen sich als iibeiarbeitung alterer leouinischer verse, die unverkennbar durch- blicken *) :

4, 1. 2. ut procedanuis, nunc his finem faciamus,

*) liierdurch werden die vorliin s. XXXVII besproclinen beriili- ningen des liexameters mit der volksweise crlantert.

XLVH

4, 3. 4. nienle attendamus, sic ad piierum redeanius

5, 2 dum transit stagna niarina

5, 3 est conserratus, ut erat lonas ....

6, 1. 2. in ceti ventre, sensu typice famulaute

7, t. 2 gesta, quae post fient manifesta

10, 3. 4. ut praepararent se diluculo navigareut,

wobei allerdings einigemal der prosodie gewalt ange- than wird. Anfangs zvvar walinte ich , das fragment konne nach dem deutschen gedicht, dessen reinliche, der ersten bekannlmacliung sclinell gefolgle , ausgabe wir diesen augenblick erlangen, versucht sein, etwa wie die begonnene iibersetzung von Wolframs Wilhelni. allein das gegentheil hat weit mehr fiir sich, Hartmann, wenn nicht alles triegt, halte das lateiuische gedicht vor augen , und sciue dichlerehre befahrt dabei so "wenig etwas als bei den allfianzosichen texten , die er behan- delte, so zu verscljonen und zu erhohen verstand er, selbsl in treuer nachfolge, die stoife. das aufgefundue lat. fragment bielet gerade eine slelle, wo dic erweite- rung des umdichlei"s wenig erscheinen kann. Darf die hs. noch dem zwolften jh. zugesprocheu -werden, so niufs auch darum das lat. gedicht als alter vorangehen, luid ich ware nichl enlgegen, es gar schon dem eilften jh. beizulegen. Der lummehr gespannten aufmerksam- keit gliickt es vielleicht eiuen volIstUndigen codex des lat. Gregorius ausfindig zu n>achen.

Trochaischeu silbenfall Avird man in mittellateinU schen liedern von deutschen dichtern selten antreffen ; er scheint niehr in Italien , Frankreich und England zu liaus, uud gewahrt eigenlhiimliche anmut. Ein altes beispiel aiis zehntem jh. gibt das carmen de convivio cae- lilum bei Endiicher, von dem ich einige stellen hersetze: David cytharam percussit, Et INIaria t^mpana,

XLVIII

ludilh choreas ducebat, Et lubal psaUeria. Cumque omnes ire vellenf, Rex ait respiciens Nunc per omnem nuptlaruni Frequenlate vos diem. IJnde gaudens laetabatur Imperator Karohis Cuni francigenis poetis Cum gallis *) bibentibus. in diesem mafs ist bei Marlianus Capella die cautilena: Scande coeli templa virgo Digna tanto foedere, Sed socer subire celsa Poscit astra Jupiler. Auch die 'versus de Aquilegia' bei Endlicher s. 300-302, der sie niit recht in langzeilen darstellt , wie es ebenso im carmen coelilum und bei Marlianus geschehn darf. die erste mit A beginnende strophe lautet: Aquilegia gloriosa quondam urbs et inclila, Bellicosa, triumphalis, Venetum metropolis, Attila quam saevus olim funditus everlerat und so folgen andere slrophen durch alle buchstabeii des alphabets, genau wie in den beiden dichtungen des iieunten jh., welche icli altd. wald. 2. 31-34 aufge- nommen hatte. das eine hebt an ;

Aurora cuni primo mane telram noctem dividens, Sabbatum noii illud fuit, sed Saturni doliuni, De fraterna rupta pace gaudet daemou impius. das andere:

Audite omnes fines terrae errore cum tristitia, Quale scelus fuit factum Benevento civitas, Lhuduicum comprenderunt sancto pio augusto.

*) hier siiid iiocli Gallier deii Fr«iikeii entgegengestellt.

\LI\

das letzte gedicht ist einlgeinal bls zur iinverstandlicli- keit roli , das zweite sclioii geglatteter, und doch nicht ohue poetische kraft. Alle diese langzeilen haben funf- zehn silben, in der zweiten halfte eine weniger als in der erslen; reime brechen zufaUig und unregelniafsig liervor, bisweilen in der niiUe :

Laude pugna non est digna nec canalur melode. Pater niater soror frater, quos amici ileverant. Ihnen am nachsten reicht der volkston spaiiischer ro- manzen.

Ungleich Heblicher und formvollendeter slnd die jiingeren lateinischen dichtungen des zwolften und drci- zehnten jh., fiir welche WaUherus IVIapes das musler gegeben zu haben scheint; in der gewohnlichen weise stroplien von vier dreizehnsilbigen zeilen , mit demsel- ben klingenden reim , dem einschnitt nach der sieben- ten silbe. so die bekannten lieder:

Tertio capilulo memoro tabernam und Aestuans interius ira vehemenli; so auch in dem schijnen carmen de Phyllide et Flora*):

Susurrabat modicum ventus tempestivus,

Locus erat viridi gramine festivus,

Et in ipso gramiiie defluebat rivus

Vivus alque garrulo murmure lascivus. Eine andere weise durchflicht die reime oder legt sie nach innen , hat auch abweichende silbenzahlung :

Versa est in luctum cithara Waltheri,

Non quia se ductum extra gregem cleri

Vel ejectus doleat, ut abjecti lugeat

Vilitatem morbi,

Sed quia considerat, quod finis accelereat

Inprovisus orbi.

•) Dooen iii Aretins beitr. 9, 302 - 309.

In deulscher gegend zur zeit des dreizehnten jli. ver- fafst ist folgendes lied niit ganz kurzen, frisch und leb- liaft klingenden zeilen , die in deulsche ^vorle iiberge- hen, >vie auch sonst ofter geschieht:

Stetit puella

Rufa tunica,

Si quis eam tetlgit

Tuuica crepuit. eia.

Stetit puella

Tanquam rosula,

Facie splenduit

Et os ejus floruit. eia.

Stetit puella

BI einem bounie,

Scripsit aniorem

An eiuem loube. hier bequemt sich die fremde sprache ganz der landes- arl und wirkt uni so sicherer.

Nach diesen ausfiihrungeu oder audeutungen, deneu einhalt zu thun zeit ist, ergibt sich genugsam , was die mittellateinische poesie erreicht und verfehlt hat, aber auch, wie wenig vorbeigegangen werden kanu sie geuau zu studieren, sie fliefst auf die heimische dichtkuust eiu und empfaugt vou dieser eiudriicke, sie erhebt ihre stimme da, wo jeue zum schweigeu gebracht ist, zu ihr hat sicU eiue nienge vou slof gefliichtet, den jeue erzeugle aber keiu niitlel mehr hatte zu erhallen. Ziehen beide ne- beneiuander, so ist es lehrreich zu vergleichen, auf welclie weise sie sich bald hemmen bald unterstiitzen. Eine be- deuteude zahl lateiuischer gedichte des zehnten, eilfteu und zwolfteu jh. war vorhauden, die mit dem aussterbeu der althochdeutscheu uud dem aufbliiheu der mittelhoch- deulschen poesie vielfacli zusammeuhangeu.

Ist es fiir solche ausichteu ueueu bodeu zu begriiu-

LT

den der ausgabe vorllegender denkmale des alterlluims einigerniafsen gelungen, so darf man lioifen, dafs weitere entdeckungen und forscliungen das hier geleistete bald iibertreffen, berichtigen und vollfiihren vverden. Zu den bediirfnissen gehort auch eine ganzliche uniarbeilung des leyserschen werks , das selne guten dienste gelhan hat, alleln schon lange nicht mehr ausreicht; es kunnte selir ansehnlich vervollstandigt und dennoch zusammengezo- gen werden. Fiir das mlUellateiuische worlerbuch brin- gen Rudlieb und die ecbasls eiuigen nicht unverachtliclien zuwachs ; aus Waltharlus, der weniger darbielet, lialle doch noch mehr slch zusammenslellen lassen, was zufalli" versiiumt wurde. Weder in ihm, noch in den iibrigen ist alles schwierige erklart, und zumal leidet die ecbasis an unverstjindlichen slellen. die erganzung der liicken inx Rudlleb kann bei erneuerter durchsicht inimer welter ge- trleben werden ; vorlaufig schlen es rathsam bei dem ver- suchten es bewenden zu lassen. Um auch noch eine or- thographische klelnigkeit zu beriihren, so ware ein leicli- les gewesen slch in die gewohnheit der heutlgen phllo- logie zu fiigen, und viele ae statt oe (caelum, maestus), immer aber i, auch vor vocalen, statt j zu schreiben. deiu jetzt vorriickenden ae wlrd es schwer fallen die grenze zu slecken und elne reactlon des oe nicht ausblelben. was den consonanten j anlangt, so dringen wir im alt- deutschen auf seine unterscheidung, ohne welche sich die nicht sellnen iibertrllle des i in ) (z. b. jetzt statt des iil- teren ietzt) niclit deulllch machen Ilefsen, wie auch mil- tellat. arjele fiir ariele vorkommt. wer allenlhalben i schreibt, sollle ebcnsowenig v von u scheiden und letz- terem treu bleiben. vor sechzlg, slebzig jahren schrie- ben dle philologen gern im anlaut vt, vnus, vllus, vter- que, lulautend aber nauls, niutault, prauum ; die danl- schen, wenn Ich nichl irre , br.iuchen noch heute solche

LII

inlautende v stalt u. was fromml aber die schreibung ieiunus, triiugus oder gar ieivnus, •wo gelesen werden soll jejunus, trijugus ? die autoritat der handsctirirten und selbst der inscriptiouen entscheidet nichts fiir unsere ausgaben der classiker, inscriptionen werden iiberall ca- pitales V, biicher des fiiuften, sechsleu )h. iiberall un- ciales U fiir vocal wie consonant haben, und urs.priing- lich sind beide ein unddasselbe zeichen. wie es aber niitzt parui von parvi, voluere von volvere, deseruisse (Rudl. 1, 70) von deservisse (1, 5) zu sondern , wird auch iam- bus von jam , lulus von Julius u. s. w. vortheilhaft ge- schieden. Gezv/eifelt habe ich wegen dnrchfiihrung des ae fiir e oder g; hatleu iiberall sehr alte und gleich- zeilige handschriften vorgelegen , wie vorhin bei dem Gallusliede, so ware ihnen gefolgt worden. weniger schien daran gelegen das beslandige schwanken der spii- teren copien zu achten. das blofse e fordern auch nicht reime wie citharae: ipse ecb. 939; laetitiae : osten- dere Unib. 42; tenipore: transfugae das. 48; diese dicht- kunst nimmt es niit den vocalen ini reim nicht genau. es war also vortheilhafler die vocative , iufiuitive und adverbia auf -e von den eigentlichen -ae gesondert zu halten.

Was sonst diesem buche maugelt wird man leich- ter entschuldigen. es ist stiickweise, uuter oft abge- wandten gedanken, aus collectaneeri ohne meine eignen biicher fertig geworden. die nothwendigen ausschnitte des zweiten bogens erinnern mich an den 16 decem- ber, den letzten von mir in Gottingen zugebrachten tag.

Cassel 4. april 1838.

Jacob Grimm.

WALTHARIUS.

WALTHARIUS.

T

X erlK

ia pars orbls, fratres, Eiiropa vocalur, IMoribus ac linguis varias et iiomine gentes Dlstingueus cullu , tum rcUigione sequcslrans. Inter quas gens Pannoniae residere probatur, 5 Quam tamen et Hunos plerumque vocarc solennis. Hic populus fortis virtute vigebal et armis, Non circum positas solum domitans regiones, Littoris Oceani sed pertransiverat oras, Foedera supplicibus donans sternensque rebelles.

10 Ullra millenos fertur dominarler annos.

Attila rex quodam tulit illud tempore regnum, Impiger antiquos sibimet renovare triumplios. Qui sua castra movens mandavit visere Francos, Quorum rex Gibicho solio pollebat iii allo ,

15 Prole recens orla gaudens, quam postca narro : jNamque marem genuit, quem Guntharium vocitavit. X* ama volans pavidi regis transverberat aiires, Dicens hostilem cuneum transire per Histrum , Vincentem numero stellas atque amnis arenas.

20 Qui, non confidens armis et robore plebis, Concilium cogit, t[uae sint facienda requirit. Consensere omncs: foedus debere precari, Et dextras, si forte darent, conjungere dextrls, Obsidibusque datis censum persolvere jussum;

25 Hoc melius fore, quam vitam simul ac regiouem Perdiderint, natosque suos pariterque maritas.

9 donat sternitque G. 11 Etcilo 1, und immer so. 15 de te recens A. 16 uocitarunt A. 18 liystrum B. jstrum C. 20 uel B. 23 Et si forte darent dextras I.

1 *

WALTHARIUS.

Nobilis hoc Hagano fnerat suh tempore tyro, Imlolis egregiae, veniens de gerniine Trojae; Hunc, quia Guntharius nonduni pcivenit ad aevum,

30 Ut sine niatre queat vitani retinere tenellani , Cum gaza ingenti decernunt niitlere regi. Nec niora; legati censum juvenemque ferentes Deveniunt, pacemque rogant ac foedera firmant. xempore, quo validis steterat Burgundia sceptris,

35 Cujus primatum Herricus forte gerebat,

Filia huic tanlum fuil uuica nomine Hiltgunt, Nobilitate quidem polleus ac slemmate formae. Debuit haec heres aula residere paterna, Atque diu congesta frui , si forte liceret.

40Jamque Avares firma cum Francis pace peracta Suspendunt a fine quidem regionis eorum. Altila sed celeres niox huc defleclit habenas, Nec tardant reliqui satrapae vestigia adire. Ibaut aequati numero, sed et agmine longo ;

45 Quadrupedum cursu telkis concussa geinebat, Scutorum sonilu pavidus superintonat aether. Ferrea silva micat totos rutilando per agros; Haud aliter, primo quam pulsaus aequora mane Pulcher in extremis renitet sol partibus orbis.

50 Jamque Ararim Rodauumque amnes trausiverat altos, Atque ad praedandum cuneus dispergilur omnis. r orle Cavillouis sedit Herricus, et ecce Attollens oculos speculator vociferatur 'Quaenam condenso cousurgit pulvere nubes?

55 Vis inimica venit, portas jain claudite cunctas.' Jam tum quid Franci fecissent ipse sciebat

30 nouellam I. 34-39 liat I nacii 51. 35 heriricus B. hen- ricus I. 36 hildcund B. 37 formae C. 40 namque B. 42 illuc flectit C. 44 aequali C. 52 cabillonis sedit heriricus B. 54 consurgiint B. C.

WALTnARIUS.

Princeps, et ciinclos conipellat: sic seniores

'Si gens tam fortis, cui nos siniilare nequinius,

Cessit Pannoniae, qiia nos virtute putalis

60 Huic conferre manuni et patriani defendere dulcem? Est satius, pactuni faciant censumque capessant. Unica nata mihi est, quam tradere pro regione Non dubito : tantum perganf qui foedeia firment.' Abanl legali lolis gladiis spoliati ,

65 Hostibus insinuant, quod regis jussio niandat, Ut cessent vastare rogaut. Quos Attila duclor, Ut solitus fuerat, blande suscepit, et inquit 'Foedera plus cupio, quam proelia mittere rulgo. Pace quidem Huni malunt regjiare, sed arniis

70 luviti fei'iunt, quos cernunt csse rebelles.

Rex ad nos veniens paceni del alijue resuniat.' ■T-Jxivit princeps, asporlans innunieialos

Tliesauros, pactumque feril , ualanique reliuquit. Pergit iu exiiium pulcherrima gemma parenluni.

75 i- o&tquam complevit pactum , statuilque tributum, Atlila iu occiduas promoverat agmina partes. Namque .Aquitauorum tuuc Alphere regna leneJ)at Quem sobolem sexus narrant liabuisse virilis, Nomine AValtharium , priniaevo llore nitenteni.

80 Nam jusjurandum Herricus et Alphere reges Inter se dederant, pueros quod cousociareut, Cum prinium tempus nubeudi venerit illis. Hic ubi cognovit, gentes has esse domatas , Coeperat ingenti cordis trepidare pavore.

85 Nec jam spes fuerat saevis defendier arniis.

'Quid cessemus' ait, ' si bella movere nequimus :*

58 siniulare C. 59 uos C. quam nos A. 62 milii quani B. 1. 63 firmant B. 66 cessant B. 71 dextraui det B. 1. T3 reli- quit A. 1, 75 couijjletuni A. 78 sexus sobolem 1. Hl ut I.

6 WALTHAllIUS.

Exempla eii jiobis Burgunclia, Fraucia douant. Non iucusaniur, sl talibus aequiparauiur. Legatos inilto, foetlusque ferire jubebo,

90 Obsidis inque vicem dilectum porrigo nalum , Et jamnunc Hunis censum persolvo futurum.' Sed quid plus remorer? dictum compleverat aclis. Tunc Avares , gazls onei-atl denique multis, Obsidibus sumplis Ilaganone , Hiltgunde puella,

95 Nec non Walthario redlerunt pectore laeto. xxttlla, Pannonlas ingressus et virbe receplus, Exulibus pueris magnam exhibult pletalem, Ac velutl propilos nulrire jubebat heredes , Virglnls et curam reginae mandat liabere.

100 Ast adolescentes proprils conspeclibus ambos

Semper adesse jubet; sed et artibus imbult illos , Praesertlmque jocis belli sub tempore habendis. Qui simul Ingenio crescentes meutls et aevo, Robore vlucebaut forles, animoque sophistas,

105 Donec jam cunctos superarent fortiter Hunos. JMilltlae prlmos tunc Allila fecerat Illos, Sed liaud imnierito ; cjuonlam, si quando moveret Bella, per insignes isli mlcuere triumphos. Idcircoque ulmis prluceps dilexerat ambos.

110 Virgo etlam capllva, dco praestaute supremo, Keglnae vultum placavlt, et auxit amorem , INIoribus exliniis operumque industria abuudans. Postremum custos thcsauris provida cunctis Efficitur, modicumque deest , quin regnet et ipsa ;

115 iSam, quicquid voluit, de rebus fecit el aclls. JLnterea Gibicho defuugitur, ipseqiie regno Guutliarlus successit , et Ih*co Paunoniarum

87 exemphim C. exempla in A. 91 Denicjue nnnc T. 92 demoror 1. 98 alnmnos 1. 99 felilt C. 1. 109 illos A. 117 Guntliarins regno .siiccessit 1.

WALTHARIUS.

Foedera dissolvit, censumque subire negavit. Hoc ubi jam primum Hagano coguoverat exul,

120 Nocte fugam molitur, et ad dominum properavit. Waltharius tameu ad pugnas praecesserat Hunos , Et quocunque iret, mox prospera sunt comitata. Ospirin elapsum Haganonem regia conjux Atteudens, doniino suggessit talia dicta

125 'Provideat caveatque, precor, sollertia regis , Ne vesti-i imperii labatur forte columna, Hoc est, Wallharius vester discedat amicus, In quo magna potestatis vis exlitit Hunis, Nam vereor, ne fors fugiens Haganonem imitetur.

130 Idcircoque meam perpendite nunc rationem , Cum primum venial, haec illi dicite verba "Servitio in nostro magnos plerumque labores Passus eras, ideoque scias, quod gralia nostra Prae cunclis temet nimiura dilexit amicis,

135 Quod volo plus factis te quam cognoscere dictis. Elige de satrapis nuptam tibi Pannoniarum , Et nou pauperiem propriam perpendere cures. Amplificabo quidem pariter te rure domique, Nec quisquam, qui dat sponsam, post faota pudebit."

140 Quod si completis, illuni stabilire potestis.' Complacuit sermo regi, coepitque parari. W altharius venit, cui princeps talia pandit, Uxorem suadens sibi ducere. sed tamen ipse, Jam lum praemeditans , quod post compleverat actis,

145 luvestiganti his suggestibus obvius infit

' Vestra quidem pietas est quod modici famulatus Causam conspicitis. sed quod mea sergia meutis

123 in Ospiria das letzte i radiert A, 128 Iiiilus B. C. 135 Nunc volo I. 138 ualde te B. I. 141 parare C. 145 His instigaudi B. iusligauti 1. 147 seruia B.

8 WALTHARIUS

Intuilu feilis, nunquam meruisse valerem. Sed preco:- ut servi caplatis verba fiJelis :

150 Si nuplam accipiam domiiii praecepta secundum, Vinciar in primis curis et amove puellae, Atque a servitio regis plerumque retardor. Aedificare domos, cultumque intendere ruris Cogor, et lioc oculis senioris adesse moratur,

155 Et solitam regno Hunorum impendere curam. Namque voluptalem quisquls gustaverit, exln Intolerabilius consuevit ferre labores. Nil tam dulce mihi , cjuam semper inesse fideli Obsequio domini; quare , precor, absque jugali

160 Me vinclo permitte meam jam ducere vilam.

Si sero aut medlae noclis mihi tempore mandas, Ad quaecunque jubes securus et ibo paratus. In bellis nullae persuadent cedere curae, Nec uall aut conjuxretrahentque fugamque movebuut.

165 Testor per propriam temet, pater optime, vitam, Alque per invictam nunc gentem Pannonlarum , Ut non ulterius me cogas sumere taedas.' His precibus vlctus suasus rex deserlt omnes, Sperans Waltharium fuglendo recedere nunquam.

170 V enerat iuterea satrapae certisslma fama :

Quandam, quae nuper superala, reslstere gentem, Ac bellum Hunls confestim inferre paratam. J- unc ad Wallliarium converlilur aclio rerum; Qul mox mllitiam percensuit ordlne totam ,

175 Et bellatorum confortat corda suorum,

Hortans praeteritos semper memorare triumphos, Promltlensque istos soHla virtute tyrannos Sternere, et externis terrorem imponere lerris.

150 vincior C. 152 ciiris B. 157 doiores 1. 161 niedio A. I. 167 aiterius H. 169 luialtarius B. 178 inipeiidere C.

WALTHARIUS.

Nec niora, cousurgit sequiturque exerciUis omuis.

180 Ecce locum puguae conspexerat, et numeratani Per latos aciem campos digessit et agros,- Jamque iufra iactum teli congressus uterque Constilerat cuneus ; tunc undique clamor ad auras Tollitur, horrendam confundunt classica vocem ,

185 Contiuuoque hastae volitaut hinc indeque densae. Fraxinus et cornus hidum miscebat iu unum, Fuhninis inque modum cuspis vibrata micabat. Ac, veluti Boreae sub tempore nix glomerata Spargitur, haud ahter saevas jecere sagittas.

190 Poslremum, cunclis utroque ex agmine pilis

Absuujptis, manus ad mucronem verlilur omnis, Fulmineos promunt enses, chpeosque revolvuut, Coucurrunt acies denuim , pugnamque restaurant. Pectoribus partim rumpuutur pectora equorum,

i'J5 Slernitur et quaedani pars- duro umbone virorum. Wallharius tamen in medio furit agmine belli, Obvia quaeque metens armis , ac limite pergens. Hunc ubi conspiciunl liosles lanlas dare strages, Ac si praesentem meluebant cernere mortem,

200 Et quemcunque locum seu dextra sive sinistra WaUharius peteret, cuucti mox terga dederuut, Et versis scutis laxisque feruntur habenis. Tunc imitata ducem gens maxima Pannouiarum Saevior insurgil caedemque audacior auget ,

205 Dejicit obslantes, fugientes prolerit, usque

Dum caperet plenum belli sub sorle triumphum. Tum super occisos ruit et spoHaverat omues,

183 nfiqiie H. 184 horrenda confundit cl. voce H. 193 concurrit A. 196 beilo A. B. H.I. 200 dextrain siiie sinistrani B. H. 203 liunc mirata D. pannoniorum D. 204 felilt A. C. D. 1. 205 deicit A. B. 1. 206 capit et A. douec perciperet D.

10 WALTtlARIUS.

Et tandem tliiclor recavo vocat agmina cornii. Ac primus frontem festa cum froude revinxit,

210 Viclrici lauro cingens sua tempora vulgo ;

Post liunc signiferi, sequitur quos cetera pubes. Jamque triumphali retlierunt stemmate compti Et patriam iugressi, propria se quisque locavit Sede. sed ad solium mox Waltharius properavit.

215 Jticce palatiiii decurrunt arce minislri ,

lllius aspectu hilares, equitemque tenebaut, Donec vir sella descendei-et inclitus alta. Si bene res vergant? lum demum forte requlrunt. Ille aliquid modicum narrans intraverat aulani ;

220 Lassus enim fuerat, regisque cubile petebat. lUic Hiltgundem solam ofFendit residentem; Cui post amplexus atque oscula dulcia dixit 'Ocius huc potum ferlo, cpila fessus anhelo.' Illa mero talhim complevit mox pretiosum ,

225 Porrexitque viro , qui signans accipiebat,

Virgineamque nianum propria constriuxit. at illa Astitit, et vullum reticens intendit herilem, W^althariuscjue bibens vacuum vas porrigit olli, Ambo etenim norant de se sponsalia facta.

230 Provocat et tali caram sermone puellam

*Exilium pariter patiinur jam tempore tanto, Nou ignorantes, quid nostri forte parentes luter se nostra de re fecere futura. Quare diu tacito premimus haec ipsa palato?'

235 Virgo, per hironiam meditaus haec dicere sponsuui, Paulum conticuit, sed postea talia reddit:

208 recavo ductor D. 216 equites C. 219. Qui tantum I, 224 calicem D. 227 couspexit D. 230 caram tali D. 231 patimur pariter j. t. lougo D. 1. 232 ignoramus enim quod nostri quon- dam H. 284 quam ne A. quid ne D. quam diu nos t. p tunc i. p. I. 236 dixit D.

WALTHARIUS. Jl

'Quld lingua simulas, quod ab inio peclore damuas Oreque persuades, toto quod corde refutas ? Sit veluti talem pudor iiigeus ducere luiptam.'

240 Vir sapieus coutra respondit et iululit ista

'Absit, quod uiemoras ! dextrorsum poiTige sensum. Noris, me nihilum simulata meute locutum; Nec quiccjuam nebulae vel falsi iulerfore crede. INullus adest, uobis exceptis namque duobus.

245 Si uossem temet mihi promplam inq^endere meutem,

Atque fidem votis servare per omuia caulis;

Pandere cuucla tibi cordis misteria vellem.'

A andem virgo, viri genibus curvata , jorofatur

'Ad quaecuuque vocas nie, domne, sequar studiose,

250 Nec quicquam placitis malim praeponere jussis.' Ille dehinc 'piget exilii me denlque noslri, Et patriae lines reminiscor saepe relictos : Idcircocpie fugam cupio celerare latentem ; Quod jam prae multis potuissem forte diebus,

255 Si non Hiltgundem solam remauere dolerem.' Addidit lias imo virgimcula corde loquelas 'Verum velle meum, solis his aestuo rebus, Praecipiat dominus, seu prospera sive sinislra, Ejus amore pali toto sum pectore praesto.'

260 Wallharius taudem sic virginis inquit in aurem 'Publica custodem rebus te nempe poteslas Fecerat, idcirco memor haec mea verba notato : Inprimis galeam regis tunicam«|ue trilicem Assero , loricam labrorum insigue fereutem

23r qiiod ab C. 238 ore milii fingis toto H. quod toto cordc D. 240 respondens rettulit D. 242 nolis me nicliilum D. 243 nel)uii D. fraudis vel falsi 1. 245 temet num promtam D. 246 voris D. 249 at quocunque D. 250 mali D. 251 exitu (? exitii) D. 2.i3 meditor I. 255 liiitgundam D. 257 feiilt A. C. D. J. 260 iu auie D. 261 te reljus uamque. 264 afTero (Vj A. alfer H.

12 WALTHARIUS.

265 Diripe, blna dehinc mediocria scrinia tolle. His arniillarum tantum da pannonicarum, Donec vix unum releves ad pectoris imum. Inde quater binum mihi fac de more coturuum, Tantundemque tibi palrans imponilo; vasis

270 Sic fors ad summum complentur scriuia labrum. Insuper a fabris hamos clam posce retorlos. Nostra viatica sint pisces siniul alque volucres , Ipse ego piscator, sed et auceps esse coartor. Haec intra ebdomadem caute per singula comple.

275 Audisti, quid habere vianli forle necesse est. Nuuc quo more fugam valeamus inire rechido : Postquam septenos Phoebus remeaverit orbes, Regi ac reginae, satrapis, ducibus, famulisque Suniptu permagno convivia laeta parabo ,

280 Atque omui iugenio potu sepelire studebo,

Donec nullus erit, qui sentiat, hic quod agendum est. Tu lamen interea mediocriter utere vino, Atque silim vix ad mensam restiuguere cura ; Cum reliqui surgant, ad opuscula nota recurre.

285 Asl ubi jam cunctos superat violentia potus,

Tum simul occiduas properemus quaerere partes.' Virgo memor praecepta viri complevit, et ecce Praefinita dies epularum venit, et ipse Waltharius magnis iustruxit sumptibus escas ;

290 Luxuria iu media residebat d.enique mensa.

Ingrediturque aulam velis rex undique septam, Heros maguanimus solito quem corde salutans Duxerat ad solium, quod compsit bissus et ostrum.

267 onu3 H, 268 deinde D. 269 tantundem quanti paternis A. patratoD. 274 inter liebdomadamD. 276 NecC. Hinc I. 277febusD. 278. 279 regi ac reginae satrapis couvivia laeta parabo D. 279 magnifico I. 281 hoc quid A. liic quid C. lioc quod D. I. 283 re- stringere B. I. 292 more B. 1. 293 quem C. queui bissus compsit B. I.

WALTHARIUS. 13

Consedit, laterlque duces liinc indeque binos

295 Assedisse jubet. reliquos locat ipse minister. Centenos siniul accubitus iniere sodales, Diversasque dapes libans couviva resudat; His et sublatis aliae referuntur edendae, Atque exquisiluni fervebat niignia per aurum.

300 Aiirea bissino tantum stant gausape vasa, Et pigmentatos crateres Baccbus adornat, Illicit ad baustum species dulcedoque polus. "VYaltbarius cunclos ad vinuni liorfalur et escas. irostquam epulis absumpta quies mensaeque remotae,

305 Heros jam dictus dominum laetanler adorsus

Inquit 'in lioc , rogilo , clarescat gratia veslra, llt vos inprimis reliquos nunc laetificetis.' Et sinuil in verbo nappam dedit arte peractam, Ordiue sculpturae referenlem gesta priorum ;

310 Quam rex accipiens baustu vacuaverat uno, Confestimque jubet reliquos imitarier omnes. Ocius accurrunt pincernae moxque recurrunl; Pocula plena dabaut et inania suscipiebant, Hospilis ac regis certant hortatibus omnes.

315 Ebrietas ferveus tola dominatur in aula, Balbulit madido facundia fusa palato. Heroas validos plantis titubare videres. Taliter in serani produxit baccliica noclem INIunera Waltbarius, retrabitque redire volentes;

320 Donec vi potus pressi somnoque gravati

Passim porticibus sternuutur bumotenus omnes.

296 inire D. 297 diversaque d. 1, convivia D. libat c. resudans I. 299 iuignam D. fervet pincerna 1. 300 bissina B. 301 pigmen- tatus A. B. D. pigmentatas C. H. crateras D. 302 illic D. 303 in escas D. 304 postque C. D. Pepulas D. ostqnam epulis depulsa fames sublataque mensa B. 1. 305 dictis I. 306 regno C. clarescit 1. 80r tunc B. 309 piorum A. B. C. 312 occius occurruut D.

316 balbutiit A. C. 319 felilt C. redire feblt A.

14 WALTIIARIUS.

Et iicet ignicremis vellel tlare moenia flamniis, Niilliis, qui causam potuisset scire, remansit. Inde dilectam Yocat ad semet mulierem,

325 Praecipiens causas cilius deferre paratas.

Ipseque de stabulis victorem duxit equorum, Hunc" ob virtutem vocitaverat ille leonem. Stat sonipes, ac fraena ferox spumantia mandit. Hunc postquam faleris solito circumdedit, ecce,

330 Scriuia plena gazae lateri suspendit ulrique, Atque iteri longo modicella cibaria ponit, Loraque virgineae mandat iluilautia dextrae. Tpseque lorica vestitus, more gigantis, Iniposuit capiti rubras cum casside cristas,

335 Ingentesque ocreis suras complectitur aureis; Et laevum femur ancipiti praecinxerat ense, Atque alio dextrum, pro ritu Pannoniarum, Is tamen ex una tantum dat vulnera parte. Tuuc hastam dextra rapiens, clipeumque sinislra,

340 Coeperat invisa trepidus decedere terra.

Foemina duxit equum, nonnulla talenta gerentem ; In manibusque simul virgam tenet ipsa colurnam, In qua piscator hamum transponit in undam, Ut cupiens pastum piscis deglutiat uncum.

345 Namque gravatus erat vir maximus undique telis, Suspectamque habuit cuncto sibi tempore pugnam. Omni nocte quidem properabant currere, sed cum Prima rubens terris ostendit lumina Phoebus , In siivis latitare student et opaca requirnnt,

350 Sollicitatque metus, vel per loca tuta fatigans ;

324 tandem B. D. I. 325 ocins D. 32T Qnem ob C. quemque ob D. ob uirtutem quem B. Ob quam I, 331 iteneri A. itineri I. uteri B. 335 ingentes ocreisque D. suras ocreis I. 336 panno- niorum D. 337 alium dextro I. 338 dat tantum C. ipse A.C. D. I. 341 dona gerentem D. nouaulium tale I. 345 Vualtarius erat C.

WALTHARIUS. 15

In tantiimque tinior niuliebria peclora pulsal , Horreat ut cunctos aurae ventique susurros, Forniidans volucres, collisos slve racemos. Hinc odium exilii , patriaeque amor incubat inde ;

355 Vicis diffuglunt, speciosa Dovalia linquunt, Montibus intonsis cursus ambage recurvos Sectantes; tremulos variant per devia gressus, Ast urbis populus, somno vinoque solutus, Ad medium lucis siluit recubando sequentis.

360 Sed, postquam surgunt, ductorem quique requirunt, Ut grates faciant ac festa laude falutent. Atlila nempe manu caput amplexatus utraque - Egreditur thalamo rex , WaUhariumque dolendo Advocat, ut proprium quererelur forle dolorem.

365 Respondent ipsi, se iion poluisse, ministrl,

Invenisse virum 5 sed princeps sperat, eundem Hactenus in sonino tentum recubare quielum, Occultumcjue locum slbi delegisse sopori. Osplrin , Hlltgundem postquam cognovlt abesse ,

370 Nec juxta niorem vesles deferre suetum,

Trislior immensis satrapae clamorlbus inquit *0 detestandas, quas lieri sumpslmus escas! 0 vlnum, quod Pannonias deslruxerat omnes ! Quod domiuo rcgl dudum jam praescia dixi,

375 Approbat isle dles, quem nos superai'e nequimus. Eu hodle imperii nostri cecidisse columna Noscltur, en robur procul ivit, et inclita virtus. ~-^ Waltharius lux Pannoniae discesserat inde. Hiltgundem quoque mi caram deduxit alumuam.'

354 exilum D. Iiic I. 355 vicos effugiunt D. vicus I, 358 sepultus C. 359 lucis pressi iacuere sopore 1. 36i queretur D. 369 spirin B. 369 respicit liiltgundem postque D. 370 suetas D. 373 Pannoniam lianc d. . . omnem I. 374 jam dudum C. 375 abstulit isteD. 377 hinc robur 1. 376uestriA. 378 dux A. 379mlliiB.D,

16 WALTflARrUS.

380 Jam princeps niniia siiccenditur eiferus ira,

IMulant laetitiam moerentia corda prioreni.

Ex humeris trabeam disciudit ad infima tolani ;

Et nuuc liuc animum tristem, iiunc dividit illuc.

Ac velul aeolicis turbatur arena procellis, 385 Sic iutesliuis rex lluctuat undique curis;

Et varium peclus vario simul ore imitatus

Prodidit exterius qulcquid toleraverat intus.

Iraque sermonem permisit promere nullum.

Ipso quippe die potuni fastidit et escani , 390 Nec placidam membris potuit dare cura quletem.

Namque iibi nox rebus jam dempserat atra colores,

Decidit in lectum , verum nec lumina clausit,

Nuuc latus in dextrum fultus, nunc inque sinislriim,

Et veluti jaculo peclus transfixus acuto 395 Palpital;^ atque caput huc et mox jactitat iUuc,

Et modo subrectus fulcro consederat amens.

Nec juvat hoc, demum surgens discurrit in orbe, , Alque thorum veniens simul atligit atque reliquit.

Taliter insomnem consunipserat Atlila noctem. 400 At profugi comites, per amica silentia euntes,

Suspectam properant post terga relinquere terram. V ix tamen erupit cras rex patribusque vocatis

Dixerat 'o si quis mibi Wahharium fugienlem

Afferat evinctum , ceu nequam f orte liciscam ! 405 Hunc ego mox auro vestirem saepe recocto ,

Et ellure quideni stanlem hinc inde onerarem.

381 mittant A.D. 383 fluifat B. (fluitat rex) 38fi imitatur C. 387 externe C. 388 sermonem dare non permiserat D. 390 placitam m. poterat C. 391 jam rebus nox C. et cum nox terris depresserat D. 394 transfixnm C. 395 iacitat A. 396 subreptus B. et mane sur- rectns D. 397 hinc C. decnrrit D. urbe A. nrbeTn C. D. H. orbe ist vermutung, aus B iieine var. angemeriit. 401 Exosam 1. 404 Atferret I. 406 stante Iiinc atque C.

WALTHARIUS. 17

Atqiie viam penitus clausissem vivo talenlis.' Sed nullus fuit in tauta regione tyrannus, Vel dux sive comes seu miles sive minister,

410 Qui, quamvis cuperet proprias ostendere vires, Ac virtute sua laudem captare perennem, Anibiretque siniul gazam iufarcire crumenis, Waltharium tamen iratum praesumpserit arniis' Insequier, slrictoque virum mucrone videre,

415 Nota equidem virtus, experti suut quoque, quantas Incolumis dederit strages sine vulnere victor. Nec potis est ullum rex persuadere virorum, Qui promissa velit liac condltione talenta. Waltharius fugiens, ut dixi, uoclibus ivit,

420 Atque die saltus arbustaque densa requirens, Arte accersitas pariter capit arle vohicres, Nuuc fallens visco, niuic fisso denique ligno. Ast ubi pervenit qua fliunina curva fluebant, Immillens hamum rapuit sub gurgite praedam,

425 Atque famis pestem pepulit toleraudo laborem. Namque fugae tolo se lempore virginis usu Conlinuit vir Waltharius, laudabih*s heros. ■Eicce quater denos sol circumflexerat orbes, Ex quo pannonica fuerat digressus ab urbe;

430 Ipso quippe die, numerum qui clauserat istum , Venerat ad lluvium, jam vespere tum mediante, Scilicet ad Rlienum , qua cursus tendit ad urbem Nomine Wormaliam regali sede nitentem. Illic pro naulo pisces dedit antea captos ,

435 Et mox transposilus graditur properauter anhelus.

407 Molter p, 227 namque uiam penitus uoui ciausisse talentis, doch uiuo stelit A. B. ipse I. 409 vel comes I. 413 praesumpse- rat I. 415 quantos C. 416 incolomes A. incolumis B. incolumes C. in hellis 1. 419 ibat C. 421 arcessitas B. Ipse accersitos partim J. 422 nec nec C. 423 quo C. 431 flumen C. 432 qui cursum C.

2

18 WALTriARrUS.

Oila dies poslquani teiiebras discusserat atras , rortilor exsurgens praefatam venit in urbem, Regalique coco, reliquorum quippe niagistro, Delulerat pisces , quos vir dedit ille vialor.

440 Hos cuui pigmentis condisset et apposulsset Ilegi Guutliario, miratus fatur ab allo ' Istius ergo modi pisces miLi Francia nunquam Ostendit, reor externis a flnibus illos. Dic milii quantoclus, cujas homo delulit illos?'

445 Ipseque respoudens narrat quod uauta dedisset. Acccrsire hominem prlnceps praecepit euudem. Qui, cum venlsset, de re quaesitus eadem Talia dicta dedit causamque ex ordine pandit 'Vespere praeterito residebam litore Rheni,

450 Conspexique vialorem propere venientem ,

Et veluli pugnae certum per membra paralum ; Aere eteuim penitus fuerat, rex inclile, cinctus. Gesserat et scutum gradiens hastamque coruscam. Namque viro forti similis fuit et, llcet ingens

455 Asportaret onus, gressum tamen extullt acrem. Hunc iucredibili formae decorata nitore Assequitur, calcemque terit jam calce puella. Ipsaque robustum rexit per lora cavallum, Scrinia bina quidem dorso non parva ferentem,

460 Quae , dum cervicem sonipes discusserit altam ,

Atque superba cupit glomerare volumiua crurum, Dant sonltum, ceu quis gemmis illiseril aurum. Hic mihi praesentes dederat pro munere pisces.'

^- xlis Hagano audilis, ad meusam quippe resedlt,

438 cocco A. quoco B, 140 dum B. I. 442 istiusce modi nunquam ni. F. pisces C. 44} quanto ocius cuias iiuc C. quan- titius B. 447 et cuni A. I. 452 cunctus A. intulit 1. 456 forma d. puella C. 457 calce uatore C. 458 caballum B. 460 discus- serat C. 461 at B. furit gl. v. curru 1. 462 geminis illiserat C.

WALT[1ARIUS. 19

465 Laelior in inediuni pronipsll de peclore verbum: ' Congaudele milii, quaeso, quia talia novi, Waltliarlus collega meus remeavit ab Huuis.' Vociferatur, et omnis ei mox aula reclamat. Guntharius princeps ex hac ratloue supei'bus,

470 'Congaudele mihi jubeo, quia talia vlxi. Gazam quam Gibicho regi Irausmisit eoo, Hanc nunc cunctipotens huc in mea regna remlslt.' Haec alt, ct mensam pedc percullt exlliensque Ducere eqiium jubet, et sella componere sculpta

475 Atque omni de plebe vlros secum duodenos, Vlribus inslgnes, animis plerumque probatos Legerat, inter quos slmul ire ITaganona fubebat Qui memor antiquac fidei soclique priorls, Nititur a coeptis dominum transvertere rebus.

480 Rex tamen e contra nlliilomiuus instat et infit; 'Ne tardate vlri, praeclngite corpora ferro Forlia, squamosus lliorax jam terga recondat. HIc tantum gazae Francls dcducat ab orls?' Instrucll tells, nam jussio regls adurget,

485 l',xibant porlis, te Wallbarlum cupientes

Cernere, et imbellem lucris fraudare putantes. Sed tamen omnimodls Ilagano prohlbere studebat. At rex infellx coeptis reslplscere non vull. Interca vlr magnaulmus de flumlne pergens

490 Venerat iu sallum jam tum Vosagum vocilatum, Nam nemus est ingens, spatiosum, lustra ferarum Plurlma habens, suetum canibus resonare tubisque. Sunt in secessu binl montesque proplnqui,

466 mecum 1. 468 (G)unfilianiis et omnis B. 469 noci- feratur B. 470 «oui B. 472 nunc nonne A. 472 nunc milii I. 473 pertulit C. 476 annis C. 477 liaganon auHebat B. Iiaganona ire I. 479 acceptis A. 481 precingere B. I. 483 Francis gazae deduxit C. 490 iam tunc A. vosagus C.

2 *

20 WALTHAaiUS.

Inter quos, licet anguslum, specus extal amoenuni,

495 Non tellure cava faclum sed vertice rupum. ' Apta quidem stalio lalronibus illa cruentis; Angulus liic virides ac vescas gesserat herbas. Huuc mox ut vidit juvenls *linc' inquit 'eamus, His juvat in castris fessum componere corpus. '

500 Nam postquam fugiens Avarum discesserat oris, Non aliler somni requiem guslaveral idem , Quam super innixus clypeo ; vix clauserat orbes. Bellica tum demum deponens pondera , dixit Virginis in gremium fusus 'circumspice caute,

505 Hiltgunt et, nebulam si tolli videris atram , Attactu blando me surgere conimonitato; Et licet ingentem conspexeris ire catervam Ne subito excutias somno, mi cara, caveto. Nam procul hinc acies potis es transmittere puras.

510 Instantem cunctam circa explora regionem.'

Haec ait, atque oculos concluserat ipse nitenles, Jamque diu satis optata fruitur requiete. Ast ubi Guntharius vestigia in pulvere vidit , Cornipedem rapidum saevis calcaribus urget;

515 Exultansque animis frustra, sic fatur ad auras: 'Accelerate viri, jam nimc capietis eundem; Nunquam hodie effugiet, furata talenta relinquel.' Inclitus at Hagano contra mox reddidit ista 'Uuum dico tibi, regum forlissime, tantum,

520 Si tociens tu Waltharium pugnasse videres,

Atque nova tociens , quociens ego , caede furentem ; Nunquam tam facile spoliandum forte pulares.

495 ruptum C. E, 498 huc mox B. 501 rcquiem somnl C. 502 orbem C. E. 503 tunc A. 508 mihl kara B; vielleicht: somno me, cara ; oder: somnum mihi, cara. 513 cundharius uestigia puiuere B. i 516 euntem B. 519. 520 versthiebt C.

WALTHARIUS. 21

Vidi pannonicas acies , cum bella ciereut, Contra aquilouares sive australes regiones;

525 Illic Waltharius , propria virtute coruscus , Hostibus iuvisus, sociis niirandus obibat, Quisquis ei congressus erat, mox tartara vidit. 0 rex et comites experto credite, quantus In clipeum surgat, quanla \i torqueat hastam.'

530 Sed dum Guntharius male sana niente gravatus

Nequaquam flecti posset, castris propiabant.

tit procul aspiciens Hillgunt de vertice inontis

Pulvere sublato venientes sensit, et ipsum

Waltharium placido tactu vigiiare monebat.

435 Qui caput altollens scrutatur, si quis adiret?

Eminus illa refert quandam volitare phalangem. Ipse oculos tersos somni glaucomate purgans Paulatim rigidos ferro vestiverat arlus, Atque gravem rursus parmam collegit et hastam,

540 Et saliens vacuas ferro Iransverberat auras : Et celer ad pugnam telis praelusit amaram. Cominus ecce coruscantes mulier videt hastas, Ac slupefacta nimis 'Hunos hic' inquit 'habemus.* In terramque cadens eflatur talia tristis :

545 'Obsecro, mi senior, gladio mea colla secenlur, Ut, quae non merui pacto tlialamo sociari, Nullius ulterius patiar consortia carnis.' Tum juvenis 'cruor innocuus me tinxerit?' iuquit *Aut quo forle modo gladius polis est inimicos

550 Sternere, tam fidae si nunc non parcit amicae? Absit quod rogitas, mentis depone pavorem.

523 pannonias A. C. moverent A. am rande. 524 aquilonales B. 525 coruscans C. 527 ei fehlt B. 529 qua (quo) turbiiie B. surgit. quantam A. 531 nec quicquam C. 534 iubebat A. 545 secede A. C. E (recide ist Molters besserung). 548 dum aa nocuus alle hss. 549 ct B.

22 WALTIIARIUS.

Qui nie de varils eduxit saepe periclls,

Hic valet hlc hostes, credo, confundere uoslros.'

Haec ait, atque oculos lollens effatur ad Ipsam

555 'Non assunt Avares lilc sed Francl nebulones Cultores reglonls,' et en , galeani Ilaganonis Asplclt, el noscens injunxlt talla rldens *Et meus liic soclus Hagano coUega veternus.' Jrioc heros dlcto introitum stallonls adibat,

560 Inferius stanti praedicens sic niulleri:

'Hac coram porta verbuni modo jacto superbum: Hinc uulhis rediens uxori dicere Francus Praesumet, se impune gazae quid lollere tantae.' Nec dum bermonem complevit, humotenus ecce

565 Corruit et veuiam peliit, qula taUa dlxit.

Postquam surrexlt contemplans cautius omnes 'Horum quos video nullum, Hagauone remoto , Suspicio ; namque ille meos per proelia mores Jam didlcit, teuet hic etlam sat callidus arlem ;

570 Quam si forte volente deo iutercepero solam ,

Tunc' ait 'ex pugna tibi, Hlllgund sponsa, reservor.' Ast ubi Waltharium tali stalione receptum Conspexit Hagano , salrapae mox ista superbo Suggerit 'o seuior, deslste lacessere bello

575 Hunchominem! pergantprimum,qui cunctarequlrant, Et geniis et patrlam nomenque locumque relictum. Vel, si forte pelat pacem, slue sangulne praebens Thesaurum, per responsum cognoscere homonem Possumus; et si Wallharius remoratur ibldem ,

580 Est saplens, forsan vestro concedet honorl.' •traeclpit ire vlrum cognomine rex Camelonem,

555 non sunt A. 557 gnoscens B. 558 est vetustns Molters correctur gegen alle liss. 563 aiiqind C. nostrae C. E, am rande tantae. 578 liumonenfi C. E. 580 nostro C. 581 Camalonem B. Kamelonem C.

W A L T H A R I U S. 23

Inclita nieleusi qtiem Francia iniserat urbi Praefectum, qui dona ferens devenerat illo Anteriore die , quam princeps noverat ista.

585 Qui dans frena volat, rapidoque simillimus Euro Trauscurrit spatium canipi, juvenique propiuquat, Ac sic obslantem compellat 'dic , lioino , quisnaiu Sis? aut unde venis, vel quonam pergere tendis?» Heros magnanimus respondit talia dicens

590 'Sponte tua venias, an huc te miseril iillus,

Scire velim ? ' Camelo tuni reddidit ore superbo: 'Noris Guntharium regein tellure potentem JMe misisse, tuas quaesitum pergere causas.' rlis auscultatis suggesserat lioc adolesceus

595 'Jgnoro penllus, quid opus sit forle viantis

Scrutari causas ; sed promere non trepidamus. Wallharius vocor, ex Aquitanis suni generatiis. A genilore meo modicus puer, obsidis ergo, Sum dalus ad Hunos; ibi vixi , nuncque recessi,

600 Concupiens palriam dulcemque revisere gentem.' Missus ad liaec: *tibi jam dictus per me jubet heros, Ut cum scriniolis equitem des atque puellam ; Quod si promptus agis, vilam concedet et artus.' Wallharius contra fidenler protulit ista

605 'Slullius elTalum me non audisse sophistam

Arbitror. en menioras, qviid priiiceps nescio vel quis Promittat, quod non retinet, nec fors retinebit. An deus est, ut jure mihi concedere vitam Possit ? num manibus tetigit, num carcere Irusit ?

610 Vel post lerga meas torsit pcr vincula palmas? Attamen ausculta : si me cerlamine laxat,

582 mettensi B. 584 nouerit A. E 588 iienis qiio A. B. E. 594 iiaec C. 596 dubitartius B. mit iibergescliriebneni trepidamus. 603 arcem C. 605 sopliistae Molters iinnotliige anderung, alle liss. sopliistam.' 608 coiicedere possit B. 609 Hitam B.

24 >V ALTHARIUS.

(Asplclo, ferraliis adcst , ad proelia veuil) Arniillas ceiitiiiii ile rubro (jiiippe nielallo Factas transmillain , qiio nonien rcgls lioJiorem.'

615 Tali responso discesseral IUe recepto.

Principibus narrat, quld protulit atque resuinpslt. Tuuc Ilagano ad regeni 'porreclani suscipe gazani, Hac potls es decorare , pater, te conconiilautes; Et modo de pugna palmam revocare memeuto.

620 Ignotus tibi ^Yallharius, et maxima vlrlus. Ul mihi praelerlla porlendil \isio nocte, Non, sl conserimus, nos prospera cuncta sequcntur. Visum quippe mihi te colluclarier urso, Qui post conlliclus lougos tlbi mordicus uuum

625 Crus cum popllle ad iisque femur decerpseral omue, Et niox auxIHo subeuntem ac tela ferentem ]Me petlt, atque oculum cum deulibiis eruil uuum.' Alis auimadversls clamat rex ille supei'bus : 'Ut video, geuitorem imitaris Agacleu ipse.

630 Hic quoque perpavidam gelldo sub pectore meutem Gesserat , et multis fastidiit proelia verbis.' X unc heros magnam juste conceperat iram, (Si tamen iu dominum licitum est irascier ulhim.) 'Hic' ait 'iu vestris conslstant oninia telis.

635 Est in conspectu quem vultls. dlnilcet omnis. Comiuus aslalls , uec jam tlmor impedlt ullum ; Eventum videam , nec consors slin spoliorum.' Dixerat, et coUem petiit mox ipse propluquum, Descendeusque ab equo consedit et asplcit illo.

640irost haec Guutliai-ius Cameloui praecipit ajens 'Perge et ihesaurunj reddi milii praecipe totum. Quodsi ciiuctetur, scio tu vlr forlis ct audax,

625 poblite A. 626 et C. 628 liis auleni C. 629 Iiaga- lliien A. Iiagallliien B. agacien C. E. 631 fastidit A. B. 63i en ait B. 639 illos C. 640 calanioni B.

W A L T H A R I U S. 25

Congretlere, et bello devictum mox spoliato.' Ibat rnelensis Ganielo nielropolilanus,

645 Verlice fulva micat cassis, tje peclore fliorax, Et procul acclanians 'lieus audi' dixit 'amice ! Regi Francorum tolum Iransmilte melallum, Si vis ulterius vilam vel liabere salulem.' V-/outicuit paulum verbo forlissimus heros,

650 Opperiens propius hostem advenfare ferocem. Advolitans missus vocem repetiverat islam Tvegi Francorum lotum transmille melalluml' Tum juvenis constans responsum proUilit islud 'Quid quaeris? vel quid reddi, imporUme coarlas ;

655 Nunquid Gunthario furabar talia regi?

Aut niihi pro lucro quicc|uam donaverat ille, Ut merito usuram me cogat solvere tantam? Num pergens ego dampna tuli vestrae regioni, Ut vel hinc juste videar spoliarier a le?

660 Si tantam invidiam cunctis gens exhibet ista, Ut calcare solum nulli concedat euuti, Ecce viam mercor, regi trausmilto ducentas Armillas ; pacem douet modo , bella remittens.' -H-aec postquam Gamelo percepit corde ferino

665 'An)pliflcabis' ait Mouum , dum scrinia pandis.

Gonsummare etenim sermones nunc volo cunctos; Aut quaesita dabis, aut vitam sauguine fuudes.' Sic ait et triplicem clipeum coUegit in uluam, Et crispaus hastile micaus vi uititur omui,

670 Ac jacit. at juveuis devitat cautior ictum.

Hasta volaus casso tellurem vulnere mordet. Waltharius tandem 'si sic placet' inquit 'agamus.'

650 supeibutn B. 652 felilt A. 6G5 aut quid B. 659 \i(teas C. 668 ac B. 6T 1 niordit B. 672 camus E, beij;e- chrieben abcr a"an»us.

26 W A L T II A R I U S.

£t slinul in dictis haslani trausmisit. at ilia Per laevuni laliis unibonis transivit, et ecce

675 Palmam, qua Canielo mucronem educere coepit, Confixit femorl, transpungens terga cavalli. Nec inora ; dum vulnus sensit soiiipes, furit atque Excutiens dorsum sessorem sleruere tempfat, Et forsan laceret, ni lancea lixa teneret.

680 Interea parmam Cameio dimisit et liastam Complexus laeva satagit divellei-e dextra. Quod dum perspiciens currlt celeberrimus lieros, Et pede cornpresso capuloteuus ingerit ensem, Quem simul educens hastam de vuhiere Iraxit.

665 Tuuc equus et doniinus liora cecidere sub una. At dum forte nepos conspexerat lioc Camaloals, Fillus ipsius , Rimo cognomine, fratris, Quem referunt quidamScaramundum nomlne dlclum ; Ingemlt et lacrlmis compellat Irislior omnes

690 'Haec me prae cunctis heu respicit aclio rerum.

Nuuc aut commoriar vel carum ulciscar amicum.' Namque angusta locl solum concurrere soll Cogebant, nec quisquam alil succurrere qulvlt, Advolat infelix Scaramundus jam morilurus,

093 Bina maiiu lato crispans haslilia ferro.

Qul dtim VValtharlum nullo terrore videret Permotum fixumque loco consistere Iii ipso, Sic ait infrendens et equiuam, vertice caudam Concutiens 'In quo fidis? vel quid tua spes est ?

700 rSion ego jam gazam vel rennn quidque tiiarum Appelo , sed vitam cognati quaero perempti.' IUe dehinc 'sl couvincar, quod proelia primus

682 cucurit A. 683 comprenso B. 686 et B. 689 coin- pellit B. 690 hic C. 693 olii C. 699 quae B. E. 700 nec rerum B.

WALTHARIUS. 27

Teniptarim, seu quo merul, quod talla possim Jure pati; absque mora tua me Iransverberet hasta/

705 Necdum sermonem concluserat, en Scaramundus Unum de binis bastile retorsit in illum, Confeslimque aliud. quorum celeberrinius lieros Unum devilat, quatit ex lunbone secundum. Tiuic aciem gladii promens Scaramundus aculi,

710 Proruit in juvenem, cupiens praescindere fronlcni; EiTrenique in equo propius devectus ad illum, Non valuit capiti libratum infindere vulnus. Sed capulum galeae impegit, dedit illa resullans Tinnitus, ignemque simul transfudit ad auras.

715 Sed non cornipedem poluit girare superbuni; Donec Wallharius siib nienlum cuspidis iclum Fixerat, et sella moribundum sustulit alta. Qui caput orantis proprio niucrone recidens, Fecit cognatum pariter Iluitare cruorem.

720 Hunc ubi Guntliarius conspexit obire superbus, Horlatur socios pugnam renovare furentes. 'Aggrediamur eum, nec respirare sinamus, Donec deficiens lassescat, et inde revinctus Thesauros reddet, luet et pro sanguine poenas.'

725 Terlius en Werinhardus abit belUimque lacessit. Quamlibet ex longa generatus slirpe nepotum, O vir clare ! tuus cognatus et artis amalor, Pandare, qui quondam jussus confundere foedus In medios tclum torsisti primus Achivos !

730- Hic spernens hastam pharetram gestavit et arcum. Eminus emissis liaud aequo Marle sagittis Wallharium turbans. contra tamen ille virilis

703 quid A. E. qiiod C. 705 compleverat B. Iiunc Sc. C. 709 iibiluni C. 713 illi A. 718 attollens B. docii Qbergesciir. orantis. 720 obisse B. 722 ne B. 723 labescat C. 725 wurliardus A. wirmliardus B. werliardus C. 727 arcis C. E.

28 WALTHARIUS.

Conslitit, opponens cllpel scptemplicls orbeni, Saepius eludens venientes providus ictus.

735 Nam modo dissiluit, parmam modo vergit in austrum, Telaque discussit, nuUum tamen attigit illum. Postquam Pandarldes se consunipsisse sagiltas Incassum videt, iratus niox exerit ensem, Et denium advolilans has jactilat ofe loquelas

740 '0 si ventosos lusisti callide jactus,

Forsan vibrantis dextrae jam percipis ictum.' Illi Waltharius ridenti pectore adorsus 'Jamque diu satis exspecto certamina justo Pondere agi. festina. In me mora non erit uUa.'

745 Dixerat, et toto connixus pectore ferrum

Conjicit. hasla volans pectus reseravit equinum ; ToUit se arrectum quadrupes et calcibus auras Yerberat, efTundensque equitem, cecidit super illuni. Accurrit juvenis et ei vi diriplt cnsem.

750 Casside discussa crines complectitur albos, Multiplicesque preces nectenti dixerat heros 'Talia non dudum jactabas dicta per auras.' Haec ait , et truncum secta cervice rehquit. Sed non dementem tria visa cadavera terrent

755 Guntharium , jubet ad mortem properare vicissim. En a Saxonicis oris Ekevrid generatus Quartus temptavit belhim , qui pro nece facta Cujusdam primatis eo difFugerat exul, Quem spadix gestabat equus maculis variatus.l

760 Hic ubi Waltharium promptuni videt esse duello *Dic' ait 'an corpus vegelet tractabile temet, Sive per aerias fallas, maledicte, figuras?

742 olli B. 745 corpore B. 752 ludum C, 756 ekiurid B. 75T qua reus C. 759 uariatum E. 760 bunc ut Waltliarius C. tiic E.

WALTHARIUS. 29

Saltibiis assnetus faimus mihi qulppe vlderls.' Illeque sublato dedit haec responsa cachinno

765 'Cehica liugua probat te ex illa geute creatum, Cui natura dedit reliquas ludendo pi^aeire. At , si te propius venientem dexlera nostra Attiugat, post Saxonibus memorare valebis, Te nunc in Vosago fauni fantasma videre.'

770 'Attemplabo quidem, quid sis' Ekevrid ait, ex mox Ferratam cornum graviter jacit. illa retorto Emicat amento, quam durus fregerat umbo. Wahharius conlra respondit cusplde missa *Haec tibi siluanus transponit niuncra faunus.

775 Aspice, uum mage sit telum penetrabile noslrum.' Lancea taurino contextum tergore lignum Diffidit, ac tunlcam scindens pulmone resedit. Volvitur infelix Ekevrid, rivunique cruoris Evomit, en mortem fuglens incurrit eandem.

780 Cujus equum juvenis post tergum in gramen abeglt. Tunc a Gunthai'io cllpeum sibi postulat ipsum Qulntus ab Inflalo Hadawartus pectore lusus. Qui pergens hastam socils dimlsit habendam, Audax in solum confisus inaniter ensem.

785 Et dum consplceret dejecta cadavera totain

Conclusisse viam, nec equum Iransire valere, Desiliens parat ire pedes. stetit acer in armis "Waltharlus, laudatque vlrum, qui praebult aequani Pugnandi sortem. Hadawartus dixit ad illum

790 *0 versute dolis, et fraudls conscle serpens! Occultare arlus squamoso tegmine suetus,

766 reliqiios C. E. 770 attentabo C. 772 ammento A. 773 fidenter protulit ista A. 774 transpondit A. C. 782 ha- deuuartus A. hadawardus B. 785 qui C. 787 alle hss. dissi- liens. 787 petit A. C. 788 aequum C. 789 hadawart tum B. hadawartum E. 790 ac B. 791 astum A. artem C.

30 WALTIIARIUS.

Ac vcliili coluber girum colleclus In unuiii , Tela tol evilas, tenuis sine vulnerls iclu ? Atque venenatas ludis sine niore saglllas?

795 Nuuiquld et iste , initas, aslu vllabilur ictus, Quem propius stanlis certo Ilbranilne mlltit Dextra manus? neque enim is telorum vulneris auclor, Audi consllium , parmam deponlto plctam : Hanc mea sors quaerlt, regis quoque sponsio palraf,

800 Nolo quidem laedas, oculls quod complucet Islls. Sln allas, llcet et lucem nilhi dempseris almam, Assunt hic plures socli carnisque propinqui, Qui, quamvis volucrem simlles pennasque capessas, Te tamen immunem nunquam patlantur abire.'

805 Belliger at contra nll lerrltus intullt Ista

' De rellquis taceo , clipeum defendere curo. Pro merlils, mihi crede, bonis sum debitor IUi. Hosllbus Iste mels se obponere saepe solebat, Et pro vulnerlbus susceplt vulnera nostris.

810 Quam sit oporlunns liodie mihi cernls, et Ipse Non cum Wallharlo loquererls, forsan abesset.' 'Vlrlbus o summls hostem depellere cures , Dextera ne raplat tibi propugnacula murl.' *Tu clavum umbonls sludeas retlnere slnlstra,

815 Atque ebori digitos circumfer glutine ilxos.' llle dehlnc 'Invitus ages, si spoute recusas. Istic deponas pondus, quod tanta vlarum Portastl spatia ex Avarum nam sedlbus allls. Nec solum parmam, sed equum cum virglne et auro

820 Reddes, tum demum scelerum cruclamina pendes.'

T93 tenui A. B. C. 79T nec C. T9T teli seu A. B. C, telorum vermute ich. T99 sponsio praestat B. 803 simules C. 808 ipse C. 813 propugnaculi B. 814 clivum C. E. sinistrum C.

816 stelit in allen liss. erst nacli 817.818. 816 agis A. B. C.

817 ne ponas B. quod tanta pondus A. 820 cruciamine C

WALTHARIUS. 31

ITaec aif , et notuin vagiiia diripit enseni. Iiiter se variis terrarum partibus orti, Concurrunt. stupuit Vosagus liaec fulmina, el ecce Anibo sublimes animis ac grandibus armls,

825 Hic gladio fidens, liic acer et arduus liasta, Inter se mulla ac valida vi proclia miscent. Non sic nigra sonat percussa securibus ilex, IJt dant tinnitus galeae, clipeique resultant. Mirantur Franci, quod non lassesceret lieros

830 Wallharius, cui nulla quies spatiumve dabalur. Emicat hic, inipund pulans, jam ^vormatiensis Alle, et sublato consurgit fervidus ense; Hoc iclu memorans semet finire diiellum. Providus at juvenis ferienlem cuspide adacla

835 Intercepit, et ignarum dimitlere ferrum

Cogebat. procul in dumis resplenduit ensis. llic, ubi se gladio spoliatiim vidit amico, Accelerare fugam frulicesque volebat adire. Alpliarides, fretus pedibus viridique juventa,

840 Insequitur dicens 'quonam fugis? acclpe sculiim.' Sic ait, alque haslam manibus levat ocius ambis, Et ferit. Ille cadit, cllpeu* superlntonat ingens. Nec tardat juvenis; pede collum pressit, el hasla Divellens parniam tellurl infixcrat illum.

845 Ipse oculos verlens anlmam sufflavit in auras.

Sextus erat Patavrid. soror hunc germanaHaganonfs Protulit ad lucem. quem dum procedere vidit, Vocibus et preclbus conatur avunculus inde Flectere, proclamans 'quonamruis? aspice morlem,

850 'Qualiter arridet! desiste. eu ultima Parcae

Fila legunt. o care nepos, te nieus lua fallit.

823 uosegus B. et ictus B. 827 non sic nigra ilex pemissa securibus sonat A. 833 hic C. 845 auram A.

32 WALTFIARIUS.

Desine. Wallharii tu deiiique \iribiis inipar.' Infelix tamen ille means haec oninia sprevit. Arsit enim juvenis, laudem caplare cupiscens;

855 Trislatusque Hagano suspiria pectore longa Traxit, et has imo fudit de corde loquelas: *0 vortex mundi, fames insatiatus habendi, Gurges avaritiae, cunctorum libra malorum! 0, utinam sohan glutires, dira, metalhim

860 Divitiasque alias, homines impune remiltens. Sed tu nunc homines perverso numine perflaus Incendis, nullique suum jam sufficit. ecce Non trepidant mortem pro lucro iucuri-ere turpem. Quanto plus retinent tanto sitis ardet habendi.

865 Exteruis modo vi, modo furtive potiuntur ;

Et quod pkis renovat gemilus lacrimasque ciebit, Coeligenas animas Erebi fornace retrudunt. Ecce, ego dileclum nequeo revocare nepotem; Instimulatus enim de te est, o saeva cupido.

870 En coecus mortem properat gustare nefandam, Et vili pro laude cupit descendere ad umbras. Heu mihi, care nepos matri quid perdite mandas? Quis nuper ductani refovebit, care, maritam , Cui nec raptae spei pueri ludicra dedisti ?

875 Quis tibi nam furor est? uude haec dementia venit?' Sic ait, et gremium lacrimis conspersit obortis, Et 'lougum, formose, vale!' singuUibus edit. Waltharius, licet a longe, socium fore moestum Atteudit, clamorque simul pervenit ad aures,

880 Unde incursantem sic est alTatus equestrem

*Accipe consilium, juvenis fortissime , nostrum,

854 enim uenis A. 865 extremis C. 8fi6 clebis B. 869 est de te B. 872 quid matri B, 874 ludicrum C. 876 lacrimis gremium A. 877 famose A. 880 unum C. 881 clarissime B.

WALTHARrUS. 3:}

Et te couservans, nielioribus ulere fatis. Desine, nam tua te ferveus fiducia fallit; Herouni tot cerne neces et cede dnello,

885 Ne suprema videns hostes facias mihi plures.' 'Quid de morte mea curas' ait ille 'liranne? Est modo pugnandum libiinet, non sermociuandum.' Dixit, et in verbo nodosam destinat haslam, Cuspide quam propria divertens transtulit heros,

890 Quae subvecla coris ac viribus acta furentis

In caslrum vcnit atque pedes stctit aute puellae. Ipsa metu perculsa sonum pronipsit muliebrem. At, postquam tenuis redit in praecordia virlus, Pauluin suspiciens speclat, num viveret heros.

895 L unc quoque vir fortis Francum decedere bello Jussit. al ille furens gladuun nudavit, et ipsum Incurrcns pcliit, vulnusque a vertice librat. Alpharides parmam dcmum concusscrat aplam , Et spunumlis apri frendens de morc tacebat.

900 Ille ferire volens, se pronior omnis ad iclum Exposuit ; sed Waltharius sub tegmine flexus Deliluit, ccM^pusque suum contraxit, et ecce Vulnere delusus juvenis recidebat ineplus. Finis erat; nisi quod gcnibuS tellure refixis

905 Belliger accubuit, calibemque sub orbe cavebal. Hic dum consurgit^ pariter se subrlgit ille, Ac cilius scutum trcpidus sibi praetulit, atquc Frustra ccrtamen renovare parabat. at illum Alpharides fixa gladio petit ocius hasla,

910 Et mediam clipci dempsit vasto impete parlcm , Hamatam resecans loricam atque ilia nudans. Labitur infelix Patavrid sua viscera cernens,

890 choris C. 893 praecordia sangnis B. 902 contesit C. 90.1 oibe acuel^at (Moitcr). 911 amatam A. armatam C. re.seran3E.

34 WALTLIARIUS.

Silvestrique ferae corpus, anin)am dedit Orco. Hiinc sese ulliiruni spondens Gervvicus adivit; 915 Qui forti subvectus equo supravolat omneni

Stragem, quae auguslam concluserat obvia calleni.

Et dum bellipotens resecaret coUa jacentis ,

Venit et ancipitem vibravit in ora bipennem.

Istius ergo modi Francis tunc arnia fuere. 920 Vir celer objecit pellam, frustravit et ictum;

Ac retro saliens hastam rapiebat amicam,

Sanguineumque ulva viridi dimiserat ensem.

Hic vero metuenda virum tum bella videres.

Sermo quidem nuUus fuit iuter marlia tela ; 925 Sic erat adverso mens liorum inteuta duello.

Is furit, ut caesos mundet vindicta sodales ;

IUe studet vitam toto defendere nisu ,

Et, si fors dederit, palmam retinere triumphi.

Hic ferit, ille cavet, petit ille, reflectitur isle; 930 Ad studium fors et virtus miscentur in unum.

Louga tamen cuspis breviori depulit hoslem

Armalum telo, girat sed et ille cavallo,

Atque fatigatum cupiebat fallere homonem. Jam magis atque magis irarum mole gravatus 935 Waltharius clipeum Gerwici sustulit imum ,

Trausmissoque fenuir penelraverat inguine ferrum.

Qui post terga ruens clamorem prodidit atrum,

Exitiumque doleus, pulsabat calcibus arvum.

Huuc etiam truncum caesa cervice reliquit. 940 Hic in Wormatiae campis comes extitit ante. JL um primum Franci ceperuut forte morari,

913 corpusque E. 914 Gerwilus C. 915 et fortis C. 917 recidisset B. 919 istiusque C. 922 saiiguineum ulva C. 923 Sic uero A. 924 inertia tela C. E. 929 petit iste iile B. 935 Keruuiti B. Gerwiti C. uiium C. 936 transmissum C.

938 exiuitque B. 940 idem wormatiae B.

W A L T H A R I U S. 35

Et magnis precibus domiuum decedere piigiia Deposcunt. fui-it ille miser, coecusque profalur 'Quaeso, viri forles et pectora saepe probafa , 945 Ne fors haec cuicunque melum, sed couferat irani. Quid niilii, si Vosago sic sic inglorius ibo? Mentem quisque meam sibi vindicet. eu ego partus Anle mori sum, Wormaliani quarn talibus actis Ingrediar. petat hic palriam sine sanguine viclor ? 950 Hactenus arsistis liominem spoliare metallis; jNunc ardete, viri, fusum mundare cruorem, Ut mors abstergat mortem, sanguis quoque sanguen», Solelurque necem sociorum plaga necantis. ' Jrlis aiium dictis demens incendit, et omnes 955 Fecerat immemores vilae simul atque salulis. Ac vehit in hidis alium praecurrere quisque Ad morlem studuil; sed semita, ut antea dixi , Cogebat binos bello decernere solos. Vir tamen ilhislris dum cunclari videt ilios , 960 Vertice distraclas suspendit in arbore cristas, Et ventum captans sudorem.tersit anhehts. Jlicce, repenlino Randolf athleta cavallo ,

Praeverlens reUquos hunc imporlunus adivit, Et mox ferrato peliit sub pectore conto. 965 Et nisi duralis wielandia fabrica glris Obstaret, spisso penetraverit iha hgno. J-lle tamen, subilo stupefactus corda pavore, Munimen chpei objecit menlemque recepit; Nec tamen et galeam fuerat sunipsisse facuhas. 970 Francus at emissa gladium nudaverat iiasla Et feriens biiios Aquitani verlice crines

i)44 felilt C. E. 945 fors vel C. 947 meritem quippe C. en ego partus A. B. C. E. 956 ac iitl C. 958 decedere A. C. 952 rantolf I. 963 liuc C. 964 ac riiox I. 965 uuelandia A. C. 967 corde I.

3 *

36 W A L T II A R I U S.

Abrasit, sed forle culem praeslringere sumniam Non licuit, rursumque aliuni vibraverat iclum, Et praeceps animi directo obstamine scuti

975 Impegit calibem, nec quivit viribus ullis

Elicere. Alpharides relro se, fulmlnis inslar, Excutiens, Francum valida vi fudit ad arvum, Et super assislens peclus conculcal, et inquit 'En pro calvitio capitis te vertice fraudo,

980 Ne fiat ista tuae de me jactantia sponsae.' Vix haec efTalus truncavit colla precantis. At nonus pugnae Helmnod successit, et ipse InserUim tiiplici geslabat fune tridenteni , Quem post terga quidem socii stantes lenuerunf;

985 Cousiliumcpie fuit, cuspis dum missa sederet In clipeo , cuncti pariter traxisse studerent, Ut vel sic hominem dejecisseut furibundum, Atque sub hac certum sibi spe posuere triumphum. Nec mora; dux totas fundens in brachia vires,

990 Misit in adversum magna cum voce Iridenlem Edicens 'ferro tibi finis, calve, sub isto!' Qui ventos penetrans jaculorum niore coruscat; Ut genus aspidis cx alla sese arbore tanlo Turbine demittit, quo cuncta obstanlia vincat.

995 Quid moror? umbonem scindit, j)eltaque resedit. Clamorem Franci tolhint, saltusque resullant, Obnixique trahunt restim simul alque vicissim , Nec dubitat princeps tali se aplare labori. Manarunt cunctis sudoris Ihiniina membris.

972 prestingere A. 973 rursiiiiique aliumque A. 975 ullum C. 977 iii aruum 1. 980 fuat B. 981 effatus liaec B. 982 Et nouus A. heimnod A. lielnal I. 983 infestum I. 981 stantes socii C. 985 dum cuspes C. 989 tota 1. 991 finis ferro tibi C. 992 coruscans A. 993 quod genus A. B. C. 995 sciserat B. sciderat I. 996 resultat A. C. 996 fehlt 1. 998 labore 1.

WALTFIARIUS. 37

1000 Sed larnen liic inlra veliit aescilus astilit lieros, Quae non plus pelit aslra comis quani tartara fibris, CoDtempuens omnes veutorum imniola fragores. Certabant hostes horlabanturque virilini , Ut si non quirent ipsum tlelrudere ad arvum,

1005 Munimeu clipei sallem extorquere studerent, Quo dcmpto vivus facile capcretur ab ipsis. Nomina quae restant edicam; jamque trahenlum Nonus Eleulher cral, Hehnnod coguomine dictus. Argentina quidem decimum daut oppida Trogum,

1010 Extulit uudecimum pollens urbs Spira Tanastum, Absque Haganoue, locum supplevit rex duodenum. Quatuor hi adversum summis conatibus unuui Conteuduut pariler multo varioque tumultu. Interea Alpharidi vanus labor iuculit iram.

1015 Qui quia jam pridem uudavit casside frontem, lu framea tuuicaque simui confisus aena, Omisit parmam , priuiumque iuvasit Eleutlirim. Huic galeam findens cerebrum diirudit, et ipsam Cervicem resecaus peclus patefecit ; at aegruni

1020 Cor pulsans auimam liquerat mox alque calorem. Inde petit Trogum haerentem iu fune uefando. Qui subilo atlonitus recidentis morte sodalis, Horribilique hostis couspectu coeperat acrem Necquicquam temptare fugam , vohiitque relicta

1025 Arma recoliigere, ut rursum repararet agouem. Nam cuucti fuuem tracturi deposueruut Haslas cum clipeis. sed quanto maxinuis heros

1000 lios inter I. 1001 qui C. 100-1 nequirent C. 1008 eleuter A. C. eleuthir B. Iieiinnod A. Iielnod I. 1009 trogunt A. C. 1011 rex suppleuit B. L lOli intulit C. 1015 et qui iam A. I. 1015 naidarat B. nudarat A. lOlT obmisit C. eleutrum A. eleutrhin B. eleutrin I. eleutrim C. E. 1021 trogunt A. C. trocdunt E. 1022 subita C. 1025 hagouem }i.

38 WALTHARIUS.

Fortior extiterat, tanto fiiit ocior olli , Et cursii capto suras niucrone recidit ,

1030 Ac sic tardatum praevenit et abslulit ejus

Sculum. sed Trogus, quamvis de vulnere lassus,

» Meute tainen fervens, saxum circumspicit ingens,

Quod'rapiens, subito obnixum conlorsil in hoslem,

Et proprium a summo clipeum fidit usque deorsum.

1035 Sed retinel fraclum pellis superaddita Hgnum.

INIoxque genu posito viridem vacuaverat aedem, Atque ardens animis vibratu terruit auras. Et si non quivit virlutem ostendere factis, Corde tameu liabitum patefecit et ore virilem.

1040 Nec manes ridere videns audaciter infit

'0 niilii si clipeus, vel si modo adesset aniicus ! Fors tibi victoriam de me, non inclita virtus Contulit, ad scutum mucronem toUito nostrum!' i. um quoque subridens 'venio jam' dixerat heros,

1045 Et cursu advolitans dexlram ferientis ademit.

Sed cum athleta ictum libraret ab aure secundum, Pergentique animae valvas aperire studeret; Ecce Tanastus adest, telis cum rege resumptis, Et socium objecta protexit vulnere pelta.

1050 Hiuc indignatus iram convertit ad ipsum

Waltharius, humerumque ejus de cardine velh't, Perque latus ducto suffudit viscera ferro. Salve ! procumbens submurmurat ore Tanastus. Quo recidente preces contempsit promere Trogus,

1055 Conviciisque sui victorem incendit amaris.

1028 ol!is I. 1031 lesiis A. laesiis C. 103.5 scissum A. 1036 ensem A. 1037 vibratas C. vibravit terniit I. 1038 qiiasi C^ 1039 tantum C. 1040 maneiis I. 1043 mncronem liic B. I. 1046 sedentem C. 1048 tbanastus A. 1048 telum C. 1050 in B. 1. 1052 postque C. 1053 aue B. C. E. 1. tlianastus A. 1055 convictusque sui I. 1055 suis C.

WALTHARIUS. 39

Seii virtule aninil , seu desperaverat. Exin Alpharides ^morere' iuquit 'et baec siib tartara transfer, Enarrans sociis, quod tu sis ullus eosdem.' His dictis torquem collo circumdedit aureum. 1060 Ecce simul caesi volvuntur pulvere amici, Crebris foedatum ferientes calcibus arvum. His rex iiifelix visis suspirat, et omni Aufugiens sludio falerali terga cavalli Scandit, et ad moeslum citius Haganona volavit, 1065 Omnimodisque illuni precibus flexisse sategit, Ut secum pergens pugnam repararet. At ille 'Me genus infandum prohibet bellare parentum, Et gelidus sanguis mentem mihi dempsit in armis. Tabescebat enim genilor dum tela videret, 1070 Et timidus multis rcnuebat proelia verbis.

Haec dum jactasses, rex, intcr te comitantes, Extilit indignum nostri tibi quippe juvamen.' Alle recusauti precibus nihilominus instaus Talibus aversum satagit revocare loquelis 1075 'Deprecor per superos, conceplum pone furorem. Iram de nostra conlractam decute culpa, Quam vita comitante, domum si venero tecum, Impensis tibimet beuefactis diluo multis. Nouue pudet sociis tot cognatisque peremptis 1080 Dissimulare virum? magis, ut niihi quippe videtur, Verba valent animum quam facla nefanda movere. Juslius in saevum tumuisses niente tyrannum, Qui sohis hodie caput infaniaverat orbis. Nou modicum patimur dampuum de caede virorum,

1056 despiraverat I. 1062 iiissis C. 1063 Effugieiis I. 1065 omnimodis illiim I. 1068 ademit B. in aruis I. 1070 tu- midus I. 1071 inter se 1. 1072 nomen tibi quippe vivamus C. 1075 Te rogo C. Deprecor ob superos I. 1073 deluo B.

40 WALTIIARIUS.

1085 Dedecus al tanlum superaljlt Francia nuuquam. Anlea queis fuimus suspecli, sibila dantes, "Francorum" dicent "exercitus omnis ab uuo Proli pudor! ignotum vel quo, est impune necatus!" C-unctabatur adhuc Haganon, et pectore sponsani

1090 Waltliario plerumque fidem volvebat, et ipsum Evenlum gestae recolebat in ordine causae. Supplicius tameu infelix rex inslilit illi, Cujus subnixe rogitautis aciimiue niolus Erubuit domini vullum, replicabat honorem

1095 Virlutis propriae, qiii fors vilesceret indc,

Si quocunque niodo in rebus sibi parceret islis. Erupit tandem, et clara sic voce respoudit 'Quo me, douuie, vocas? quo te sequar, inclite priuceps? Quae uec[ueunt fieri spoudet fiducia cordi.

1100 Quis tam desipiens quandoque fuisse probatur, Qui sallu baratruni sponte attemptarit apertum? Nam scio Wallharium per campos sic fore acerbum, Ut tali castro uec uou slatioue locatus, Ingentem cuneum velut uuum tempuat homuUum.

1105 Et licet huc cuuctos equites simul atque pedestres Fraucia misisset, sic his, ceu fecerat istis. Sed cpiia couspicio te plus doluisse pudore, Quam caedis damno, uec sic discedere velle; Compalior, propriusque dolor succumbit honori

1110 Regis, et ecce viam couor reperire salutis,

1085 at tamen A. at terra C. tantum Iiat ancli F. 1086 snbiecti C. (|ui fuerant subiecti 1. 1088 qni est C. vel qnod impnne negatnr I. 1089 adlioc I. 1091 Evento F. 1092 sup- pliciter 1. 1094 repiiravit C lionore A. C. 1097 eripuit C. E. erubuit 1. 1098 domine A. C. 1099 coniis C. 1100 qnicnn- (jiie C. 1101 attcniptaret A. attemptnrit B. E. acce|)tavit C. Altum ()uis baratrnm sponte attiMiiptarit apertnm 1, 1104 teniptat 1. 1106 sic liic 1. IIOT quod A. 1109 compatiar C.

WALTHARIUS. 41

Quae lanien auf nunquam ostendet se sive coacle. INam propter caruni, fateor tibi, donine, nepotem Promissam fidei norniam corrumpere nollem. Ecce in nou dubium pro te, rex, ibo periclum,

lil5 Ast liinc me penitus confliclu cedere noris. Secedamus, eique locum praestemus eundi; Et positi in speculis toudamus prala cavaliis , Donec jam castrum securus deserat arlum, Nos abiisse ratus; campos ubi calcet aperlos ,

1120 Insurgamus, et attonitum post terga sequanuu-: Sic aliquid virtutis opus temptare valemus. Haec mihi iu ambiguis spes est cerlissima rebus. Tuni bellare potes , belli, rex, si tibi mens est, Quippe fugam nobis nuncjuam dabil ille duobus;

1125 At nos aut fugere, aut acrum Jjellare necesse est.' Laudat coiisilium satrapa et conipleclilur illum, Oscilioque \irum demulcet. Et ecce recedunt, Insidiisque locum circumspexere sat aptum, Dimissique ligant animalia gramine laelo.

1130 -l-nterea occiduas vergebat Plioebus in oras Ullima per notam signans vestigia Thilen, Et cum Scoligenis post terga reliquit Hiberos. Hic poslquam oceanas scnsim calefecei'at uudas, Hespera el ausoniis obvorlit cornua terris ,

1135 Tum secum sapiens coepit tractare satelles , Utrum subtuto per vasta silentia castro * Sisteret, an vaslis lieremi commilleret arvis. Aestuat inimensis curarum iluclibus, et quid

1111 quain C. niisquam B. ostendere I. 1112 propritini C. 1115 hic A. 1. conflicUini C. I. credere I. 1119 ui canipos A. campos vi C. 1123 pugnare B. tibi si rex B. 112.5 acrum A. B. E. atruin C. 1129 demissisque I. 1131 tylen B. 1132 quae cum C. 1133 lii A. 1134 hesperos ausonidis B. Ausonidis ob. . . . coriiua 1. 1136 deusa B. 1. 1137 conimittere B.

42 WALTHARIUS.

Jani faceret sollers arguta indaghie quaerit.

1140 Solus enini Hagano fuerat suspectus, et illuJ Oscilluni regis subter coniplexibus actuni. Anibigerat prorsus, quae sil sententia nienti Hostis, et an urbem vellent renieare relictam, Pluribus ut sociis per noctem forte coactis

1145 Prinio niane parent bellum renovare uefandum? An soli insidias facerent propiusque lalerent. Terret ad liaec triviis ignoti silva meatus, Ne loca fortassis iucurreret aspera spinis, Immo quippe feris sponsamque amitteret illis.

1150 rlis ita provisis exploratisque profatur

'En quociuique modo res pergant liic recubabo, Donec circuiens lumeu spliera reddat amatum. Ne patriae fines dicat rex ille superbus Evasisse fuga, furis de niore, per umbras.'

1155 Dixit, et ecce viam vallo praemuniit artam , Undique praecisis spinis simul et paliuris ; Quo facto ad truncos sese convcrtit, amaro Cum gemitu, et cuicumque suum caput applicat, atque Contra orientalem prosiralus corpore pai'tem,

1160 Ac uudum retinens ensem liac cum voce precatur 'Rerum factori, sed et omnia facta regenti, Nil sine permissu cujus vel denique jussu Conslat, ago gfates, qui me defendit iniquis Hostilis turmae telis, nec nou quoque probris.

1140 suspensus I. aspera silvis I. 1142 ambierat B. I, 1145 recreare B. 1147 terrent adliuc C, 1148 Ne A. Nec B. Haec C. Ac I. 1149 felilt iliis I. 1152 spera reddat A. B. Spera reddit I. spacia redit C. 1153 ipse I. 1156 palinuris I. 1157 amaros C. E. 1158 et circumque A. et quicunque B. cir- cumque C. et cuicunque I. 1160 Ac ensem nuduin retinens hac uoce A. hac sic voce I. 1161 Verum factoris et o. f. regentis I. 1162iussoB. 1163quodmeC. 1 164 nec non quoque rite probati» 1.

WALTHARIUS. 43

1165 Deprecor at domiuum contrila mente benignuni, Ut, c{ui peccantes uon vult, sed perdere culpas, Hos in coelesti praestet mihi sede videri.' i^ui postquam orandi lincm dedlt , ilico surgens Sex giravit ecjuos et virgis rite retortis

1170 Vinciit. lii tantum remanebant, nempe duobus Per tela absumptis, trinos rex Guuthere abegit. Jrlis ila compositis procinctum solvit, et alte Ingenli fumans leviabat pondere corpus. Tum moestam laeto solaus affamine spousam ,

1175 INIoxque cibum capiens aegros recreaverat artus (Oppido enini lassus fuerat) clipeoque recumbens, Primi custodem somni jubet esse puellam, Ipse matutiuam disponeus tollere curam , Quae fuerat suspecta magis ; tandemque tjuievit.

1180 Ad cujus caput illa sedeiis solilo vigilavit, Et dormitantes cautu patefecit ocellos. Ast ubi vir primum jam expergiscendo soporem Ruperat , absque mora surgens dormire puellam Jussit, et arrecla se fulciit inipiger hasta.

1185 Sic reliquum noctis duxit, modo quippe cavallos Circuit, inlerdum auscultans vallo propiavit, Exoptans orbi species ac lumiua reddi. JLiucifer iuterea praeco scandebat Olimpo,

Lucens Taprobane clarum videt insula solem.

1190 Hora fuit, gelidus qua terram irrorat Eous. Aggredilur juvenis caesos spoliaricr armis Armorumquc habitu, tuuicas et cetera linquens, Armillas tanlum cum bullis, ballea et euses,

1165 ad A. C. E. 116T praebet C. 1169 Exgyravit I. llTt lernos B. 1. guntlier A. IITS levabat I. 11T6 nam I. 1183 orbis sp. ac culmina 1. 1186 oscultans B, 1189 Dicens B. 1189 tliaprobane A. C. zaprobane I. 1190 irrora B. inrorat 1

1191 spojiarier omncs ]. 1192 armorum liabitu I.

44 WALTEIARTUS.

Loricas quoque cuiu galeis delraxerat ollis. 1195 QuaUior liis oneravit equos, sponsamque vocalam Imposuit quinto, sextum conscenderat ipse, Et primus vallo perrexerat ipse revulso. At, dum conshicli penelratur semila callis, Gircuniqnaque oculis explorans oninia puris, 1200 Auribus arrectis ventos captavit et auras, Si vel niussantes sentiret vel gradientes, Sive superborum crepilantia frena virorum , Seu sallem ferrala sonum daret ungula equorum. ir^ostqiiam cuncla silere videt, praevertit onustos 1205 Quadrupedes, mulierem etiam praecedere jussit. Scrinia geslantem comprendens ipse cavallum, Audet inire viam consueto cinctus amiclu. INIille fere passus transcendit, et ecce puella, Sexus enim fragilis aninio trepidare cO(?git, 1210 Piespiciens post terga videt desceudere binos

Quodam colle viros raptim et sine niore meantes ; Exsanguisque virum compellat voce seqaentem 'Dilatus jam finis adest. fuge, domne, propinquant!' Qui mox conversus visos cognovit et inquit 1215 'Incassum multos niea dextera fuderat hostes, Si modo supremis laus desit, dedecus assit. Lst satius, pulchram per vuluera quaerere mortem, Quam solum amissis palando evadere rebus. Verujn uou adeo sunt dcsperanda salulis 1220 Commoda cernenti cjuondam majora pericla. Aurum gestantis tute accipe loi-a leonis.

119i quas cum C. 1201 niussantes pariter D. . 120i oiiustas A. E. 1206 conipreliendens C. 1207 amicto C. 1209 sexus liaec C. 1210 terga viros D. 1211 colie videt D. 1212 se- <iuente A. C. 1216 si nunc in fine D. adsit I. 1218 baiando D. 1219 verum enim adero sibi desp. D. 1220 pericli E. 1221 accipit 1.

WALTHARIUS. 45

Et cilius pergens liico succede propinquo. Ast ego in asceusu niontis subsistere malo Eventum opperiens, atlventanlesque salutans. '

1225 Obsequitur diclis virguucula clara jubenlis. Ule cclcr scutum collegit cl excutit liastam, Ignoti mores equilis templando sub arr.us. Hunc rex incursans, comilanle satellite, dcn\ens Emiuus aflatu compellat valde superbo

1230 'Hostis atrox, nisu deluderis! ecce latebrae

Protinus absistunt, ex queis, de niore liciscae Dentibus infrendens rabidis, lalrare solcbas. En in propatulo, si vis, conlligilo campo, Experiens , finis si fors queat aequiparari

1235 Principio. scio, forlunam mercede vocasli, Idcircoque fiigani tempnis seu dedilionem.' Alpliarides contra i-egi non reddidit ulla,

Sed , velut hinc siu'dus, alio convertitur ajens : 'Ad te scrnio mihi, Hagano, subsisle parumper.

1240 Quid, rogo , tam fidum subito mutavit aniicum ? Ut discessurus nuper vix posse revelli Qui nostvis visus fueial complexibus ultro, NuIIis nempc malis laesus nos appelat armis. Sperabam , fateor, de te, sed deuique fallor.

1245 Quod si de exilio redeuntem nossc valcres , Ipse salutatum mihimet mox obvius ires, Et licet invilum hospitii requiele foveres , Pacificeque in regna patris deducere vellcs.

1222 secede C. 1223 accessu 1. 1225 felilt A. 1228 Tunc D. 1230 deludens C. 1231 Vndique defensus fragilis de more liclscae I. 1231 et qui de more D. 1232 Seutibus I. solebat I. 1232 rahidi D. 1233 mecum confligito D. 1233 Ex in I. 1234 equiperari A. D, 1236 diminutione B. 1238 alias D. 1241 reuerti A. et discessurus D. 1242 nisus C. usus D. E. 1243 appetit C. 1247 requie refoveres D. 1248 pacificumque D.

46 WALTHARIUS.

SollicUiisque fui quorsurn lua niunera ferreni ;

1250 Namque per iguotas dixi pergens regiones :

''Francorum vereor, Haganone superstile, nullum." Obsecro per ludos, resipiscilo jam , pueriles, Unanimes quibus assueli fuinuisque periti, Et quorum cultu prinios altrivimus annos.

1255 luclita quonam niigravit concortlia nobis?

Semperin liosle domique manens, nec scandala noscens, Quippe tui facies palris obliviscier egit, Tecum degenti mihi patria viluit ampla. Nuncpiid meute fidem abradis saepissime pactam ?

1260 Deprecor hoc abscide nefas, neu bella lacessas , Sitque inconvulsum nobis per tempora foedus. Quod si consenlis, jam nunc ditatus abibis Eulogiis, rulilo mnbonem complebo nietallo.' Contra quod Hagano vultu haec airamiua torvo

1265 Edidit, atque iram sic iusinuavit apertam

'Vim prius exerces, Walthari, postque sophari?. Tute fidem abscideras. cum memet adesse videres, Et tot stravisses socios, immocjue propiuquos, Excusare necjuis, quin nie tunc alFore nosses.

1270 Cujus si facies laluit, tameu arma videbas Nota satis, habituque virum rescire valebas. Cetera fors tulerim , si vel dolor unus abessel : Unice enimcarum, rutiUim, blandum, pretiosum Carpsisti florem mucronis falce tenellum.

1275 Haec res est, pactum cpia irritasli prior almum, Idcircocjue gazam capio pro foedei-e nullam. Sitne libi soli virtus, volo discere, in armis.

1254 attriiierat B. 1260 Iiic C. 1260 iacesses D. 1262 ditatis D. 1264 contra quem D. 1266 ne nos iiiciises milii vim qul tu prior infers D. 1271 iialeres A. C. 1273 unice mi caruro A. unicum enim carum rutilum plandum preciosum D. 1275 alumuum A.

WALTHARIUS. 47

Deque tiiis manibus caedem perquiro nepotis. Eu aut oppeto , sive aliquid memorabile faxo.'

1280 Dixil; et a tergo saltu se jecit eqiiino,

Hoc et Guntharius, nec segnior egerat lieros Wallharius , cuncti pedites bellare parali. Slabat quisque, ac venluro se providus ictu Praestruxit, trepidant sub pellis martia menibra

1285 Hora secunda fuit qua tres hi congrediuntur ; Adversus solum conspirant arma duoruni. Primus maligeram collectis viribus haslani Direxit Hagano, dirupta pace. sed illani Turbine terribilem , tanto et sliidore volaulem

1290 Alpharides semet ceruens tolerare nequire, Sollers obliqui dehisit tegmine scuti. Nam venieus clipeo sic est ceu marmore laevi Excussa, et collem vehementer sauciat, usque Ad clavos inlixa solo. Tunc pectore magno,

1295 Sed modica vi, fraxineum haslile superbus

Jccit Guntharius, volilans quod adhaesit iu ima Wallharii parma, quam mox dum conculit ipse, Excidit ignavum h'gni de vuluere ferrum. Omine quo moestl. confuso pectore Franci

1300 Mox stringunt acies, dolor est conversus ad iram, Et tecti clipeis Aquitanum invadere certant. Streunuus ille tamen vi cuspidis expulit illos, Atque incursantes vullu terrebat et armis. Hic rex Guntharius coeptum meditatur ineptum,

1305 Scilicet ut jactam subito terraeque relapsam.

1281 enauit A. B. 1281 liic C, 1284 perstrinxit sub penis (am rande: sub pectore) D. 1286 aduersum A. C. 1287 ma- lignam D. maligenam A. C. 1288 disrupta B. 1291 secuti B. solers obiique D. 1295 fraxineiimque A. E. 129T quia mox D. 1300 iras C. 1301 ac tecti D. 1302 strenuus B. 1304 quan- quam C.

48 WALTFIARIUS.

(Anle pedes herois enim divulsa jacebat) Accedeus tacite furlim sustolleret hastam. Quandoquidem brevibus gladiorum denique telis Armati nequeunt accedere cominus illi,

1310 Qui tanj porrectum torquebat cuspidis ictum.

Innuit ergo oculis , vassum praecedere suadcns, Cujus defensu causam supplere valeret. JNec mora; progreditur Ifaganon acprovocat liostem. Rex quoque gemmatum vaginae condidit enseni

1315 Expediens dexlram furlo actutum faciendo,

Sed quid plura ? manun) pronam trausmisit in liastain, Et jam comprensam sensim subtraxei-at ipsam , Forlunae majora petens. sed maximus lieros, Utpote qui bello sempcr sat providus esset,

1320 Praeter et unius punctum cautissimus horae, Hunc inclinari cernens persenserat actum, Nec tulit obstantem sed mox Hagauoua revellens. Denique sublato qui divertebat ab ictu , Insilit, et planla direptum hastile retentat,

1325 Ac regem furto caplum sic increpitavit,

IJt jam perculso sub cuspide genua labarent; Quem quoque contiuuo esurienti porgeret Oixo, Ni Hagano armipotens citius succurreret, alque Objecto dominum scuto muniret, et hosti

1330 Nudam aciem saevi mucronis iu ora tulisset.

Sic dum Waltharius vulnus cavet , ille resurgit ,

Atque tremens trepidusque stetit, vix morte reversus.

Wecmora, necrequies, bellum instauratur amarum,

13tO jam D. 1311 falsiim D. 1314 vagina D. 1315 ex- tendens D. tiitiim A. tiitam C. furtum tutum D. 1316 pronus D. 1320 praeterit C. unius liorae pnnctum cautissimus B. Fretus et hujus per pnnctum cautissimus lieros D. 1321 iiidigoari D. pre- senscrat A. 1322 Hagano B. 1323 ab iectn B. 1328 porigeret D. 1329 bellumque restaurat amarum D. 1332 stupidnsqiie B.

WALTriARIUS. 49

Incurnml Iioniiiiem luinc aiiibo, niiucqiie vicissini ;

L335 Va (lum progresso se impenderet acrius uni, En de parte alia subit alter et inipedit ictuin. liaud aliler, numidus quam duni venabilur ursus, Et cauibus circumdaUis aslat et arlubus liorrel, Et caput occuhaus submurmiirat, ac propiautes

1340 Amplexans unibros miserum luulire coarlal; Tum rabidi circum lalraiit liiiic iiide molossi Cominus, ac dirae nieluunt accedere behiae. Taliler in nonani conllictus fluxerat undam, Et triplex inerat cunctis maceralio leli ,

1345 Terror et ipse labor bellandi, solis et aidor. Jnterea herois coepit subrepere mcnti Quiddam, qui tacilo preniit lias sub corde ioquelas 'Si forluna viani non comniulaverit, isti Vana faligalum nieniet per ludicra fallent.*

1350 Ilico et dala Haganoni voce profatur:

'0 paliure, vires foliis, ut pungere possis, Tu saltando jocaus artu me ludere temptas: Sed jam faxo, locum propius ne accedere tardes; Ecce tuas scio praegrandes in corpore vires ,

1355 INIe piget incassum tanlos suiferre labores.' Dixit et exsilieus coulum conlorsit in illum , Qui pergens onerat clipcum dirimilque aliquautum Loricae, ac niagno niodicum de corpore striugit; Deniqiie praeclpuis praecinctus fulserat armis.

1360 A-t vir Wallharius, niissa ciim cuspide currens, Evagiiiato regem importuuior ense

1335 proj^ressu D. 1337 diiiniHns quia D. 1341 rapidi A. D. 1312 coniniiiius B. D. 1343 liorani A. D. 1344 cunctis inerat B. 1346 surepere B. 1348 istis D. 1349 fugitatum D. 1351 uirens A. vel pungere D. 1354 tuns cito pergrandes D. ostendito uires B. D. 1356 ipsum B. 135T pungens D. 1359 pro- cinctus A.

50 WALTElAaiUS.

Impetil, el sculo dexlra de parle reviilso Ictiiin praevaliduin ac iniranduni fecit, eique Crus cum poblile ad usque femur decerpserat oinne.

1365 Ille super parniam anle pedes mox coiicidit Imiiis. Palluit exsanguis domino recidenle salelles. Alpharides spalam tollens iterato cruentam Ardebat lapso poslremum infligere vulnus. Immemor at proprii Hagano vir forle doloris

1370 Elatum caput iuclinans objecit ad iclum.

Exteusam cohibere manuin non qulverat lieros; Sed cassis fabrefacta diu meliusque peracta Excipit assuluim, mox et scinlillat iu altum, Cujus durilia slupefactus dissilit eusis

1375 Proli dolor I et crepitans partini micat aere et herbis. JDelliger ul fraineae murcalae fragmina vidit, Indigne tulit, ac nimia furit elTerus ira , Impatiensque sui, capulum sine pondere ferri, Oiiamlibet eximio praestaret et arle nietallo

13.S0 Prolinus abjecit, monimentaque tristia sprevit : Qui dum forle maniim jain enormiter exeruissel, Abstulit hanc Hagano sat laetus vulnere proinpto. In niedio jactus recidebat dextera fortis, Genlibus ac populis nuillis suspecla tyrannis,

1385 liinuinerabilibus quae fulserat ante trophaeis. Sed vir praecipuus, nec laevus cedere gnarus, ,.-■ Sana niente polens carnis superare dolores

1362 remilsit D. depulso B. 136:i perualidum A. admiraiidum D. 1364 polliteD. 1365 pedes cadit et miser luijus D. 1368 postremo infigere D. 1369 ac liagano proprii fit forte doloris D. 1370 iratiiin A. eratum D. 1371 nequiuerat A, 1372 cassissis B. nielioque D. 1374 excintillat 0. 1373 Pro B. D. acer in lierbis D. 1376 mucrate D. 1379 qualibet ex nimio prestaret arte D. 1381 manum miser exeruisset inermem D. 1382 sat telus vulnere proniliij D. 1383 In niedio(|iie ictu D. 1386 leuis .\. laeuis I"-.

WALTHARIUS. 51

Noi) desperavit, ueque vultus coucidit ejus, Verum vuluigerani clipeo inserlaverat ulnani

1390 Incolumique manu niox eripuit semispatam,

Qua dextrum cinxisse latus memoravimus illum , llico viudiclam capiens ex hosle severam. Nam feriens dexlrum Haganoni effodit ocellum, Ac tempus resecans parilerque labella i'evelleu8

1395 Olli bis trinos discussit ab ore molares. A ali negotio dirinuuitur proelia facto.

Quemque suum vulnus atque aeger anhelitus arma Ponere persuasit. quisnam hinc immunls abiret? Qua duo magnauimi heroes tam viribus aequi

1400 Quam fervore animi steleranl iii fulmine belli. A ostquam linis adest, insignia cjuemque nolabant; lllic Guntharii pes regis, palnia jacebat AVallharii , uec non trejnulus Haganonis ocelliis. Sic sic armillas parliti sunt avarenses !

1405 L^onsedere duo, nam tertius ille jacebat,

Sanguinis undanlem lergentes florlbus amnem. V Haec inter timidam revocal clamore puellam Alpharides, veniens quae saucia quaeque ligavit. ilis ita compositis sponsus praecepit eidem :

1410 Mani misceto merum, Haganoni el porrige primum, \:sl athlcla bonus . fklei si jura reservet ; Tum praebeto niihi, reliquis qui plus toleravi; Poslremuni volo Guntharius bibat, utpote segnis liiler niagnaninuun qui parult arma virorum,

1415 Et qul Marlis opus tepide alque enerviter egit.' Obsequitur cunctis Herrici filia verbis. Francus at oblato licet arens pectore vino *Defer' ait 'prius Alpliaridi sponso ac seniori

1401 queque A. 1402 regis pes B. 1407 liic .4. B. 1414 niagiinm iiim A. 1416 lierirlci B.

4 *

52 W A L r IJ A R I U S.

Virgo tiio, quoniai)» f.iteor inc forlior ille est ,

1420 Non soUiiu niihi sed cunctis super einlnel ille.

Hic tandem Hagano spinosus, et ipse Aquitanus Mentibus invicti, licet onini corpore lassi, Post varios piignae strepitus, iclusque treinendos, Inter pociila scurrili cerlamine ludunt,

1425 Francus ait ')am deliinc cervos agitabis, ainice, Quoruin de rorio wantis sine fine fruaris : At dextrum moneo tenera lanuglne comple, Ut causae ignaros palmae sub imagine fallas. Wali I sed quid dicis, quod rilum infringere genlU

1430 Ac dextro femori gladium agglomerare videris, Uxorique luae, siquando ea cura subinlrat, Perverso amplexu circumdabis euge sinistram? Jani quid demoror? enposthac tibi.quicquid agenduinest, Laeva manus faciel.' Cui Walthare talia reddit :

1435 'Cur tam prosilias admiror, lusce Sicamber, Si venor cervos, carnem vltabis aprlnam; Ex lioc jam famulis tu suspectando jubebis, Heroum turbas transversa luendo salutans. Sed lidei memor anliquae libi conslllabor:

1440 Jam siquando domum venias larlbusque propliiques, Effice lardalam de mulclra farreque pullem, Haec pariter victum tibi conferet atque medelam. .rlis dictis paclum renovant iteralo cruentum, Atque simul regem lollentes yalde doleuteni

1445 Lnponunt equiti, et sic disjecti redierunt,

Fianci Wormaliam, patriamque Aqiiitanus adlvit. lllic gratifice magno susceptus honore Publica Hiltguudi fecit sponsalla rile,

1420 Nec soluin iiie sed cuiictos super eniinet arniis B. 1424 scurruii B. 1431 quaiido cura A. 143T uidebis A. 1441 pul- tam A. 1442 lioc pariter til>i uictum confert A. 1443 coartuin B. 1448 fcliK A.

WALTriARILS. 53

Oinnibiis et carus post niortem obitumque parentis 1450 Ter denis populum rexit feliciter annis.

Qualia bella dehinc, vel quantos saepe triumplios

Coeperit, ecce styhis renuit signare retusus. rlaec quicunque leges stridenli ignosce cicadae,

Kaucellam nec adhuc vocem perpende , sed aevum, 1455 Utpote quae nidis nondum pelit alla relictis.

Haec est Waltharii poesis. iios salvel I H C.

1450 Feliciter popiiliim ter deiiis rexerat ;innis B. 14.^2 retunsus B. 1455 niduni A. 1456 iesus B. der sclireiber von A fiigt die zeile liinzu: Waltarius clarus uirtutibus, at iiir nraarus.

54 WALTriARIUS.

Der aiisgabe des Waltliarlus liegeii sechs liaiul- sclirifleii zum gruiide, deren nur zwei vollslandig sind : A die carlsrulier, B die pariser, C die vornials nioshei- mische, D das wiener, E das sluttgarler, I das engel- berger bruchstiick. F, G, H bezeichnen die benulz- ten steilen bei Freher, Aventin und im clironicou no- valiciense. Des freihei-rn Josepli von Lafsberg mitlhei- lung danke ich alle sechs abschriflen und vergleichun- gen , keine riihrt von mir selbst her.

Aufser diesen neun texteu mufs es noch manchen audern codex des gedichts gegeben liaben. zu Briissel liegt ein vermutlich ganzer uud alter, dessen collation mir eutgeht. Seltsam, dafs Sanclgallen keinen bevvahrt; zu TuU besafs man im eilften jli. ihrer zwei*), hatten sie sicli erhalten , jetzt die alteslen.

Der band, worin sidi A findet, fiihrt in der carlsru- her bibliothek die zahl 103, ist in klein octav, und enl- halt nach mehrern andern meisl theologischen tractatcn zuletzt auf 24^ blaltern den Waltharius, oder ysia die rubrik lautet 'liistoria Waltharii'; der schriflzug kiin- digt ungefahr den beginn des zwcilflen jli. an.

Wenig jiinger scheint , wo nicht aller, B, luim. 8488'' der koniglichen blbliothek zu Paris (olim cod. reg. 10316 und Colbert 6388), gleichfalls in octav. hier wird mit des Geraldus prolog begonnen , am schlufs von

') catalog der Ijibiiotliek des Beiiedictinerklosters S. Apri voin j. 1084, mitgetdeilt voii Doren iin neiien lit. <iiiz. 1807 p. 73.

W A L T H A R I U S. 55

dem sclirelber zugefiigt: 'explicit Hber Tifridi episcopi crassi de civitate nulla.'

C reicht bis vers 1337 und stammt aus einem bai- rischen kloster; vor sechzig jahren elgenthum Gotllieb Christians von IMoslieim *) zu Sluttgart, von welchem Fischer den cod. zur lierausgabe empfieng. In wesseii handen ist er jetzt? er soll aus dem 13 jh. gewesen sein. **)

I, iiberbleibscl elner guteu hs. des 13 jh,, die das klosler Engelberg in Unterwalden aufhebt; dreizelin oclavbh^tter zusammen fiilien noch 764 verse, 1 4'J2 und 960—1233.

D, im cod. 228 der kaiserlichon bibl. zii V\ ieii, ;iiil papier, und wahrscheinlich des 14 jh., umfasst clie zeilen 203 406 und 1198 1385.

E, vlerzehn pergamenlblaller eliier stultgarler hs, des 13 jh. (llieol. et phllos. nr. 41 der oll. bibl.^, sich er- streckejid auf z. 483 1335, dle vergleichung gcllefert Iial Mone in seinem anz. 1836 s. 415. 416.

F, ehdem in IToIdelberg beiFi-clior, dor iloii codox herausgeben wollle und iii selne ongines palatinas II. cap. 13 (ed. 1612) p. 62 einige verse riicken liefs. jelzl nicht mehr in der pfiilz. bibl,, und schwerlich nach Hom gelangt. in Grellhs spicileglum vatlcaniim p. 31 werden als inhalt einer hs. , aber der christinischen samlung, versus Giraldi monachi , die eher auf eliien andern la- teinisch dichtenden Giraldus beziiglich siiid , angegeben.

G , vor zeiten gehorig dem klosler Emmeran zu Regensburg, und von Aventin elngesehn , welcher ann, Bojor. lib. 2 p. 130 cap. 53 ed. Lips. 1710 p. 194*^ eine

•) solms des beriiliniten gottinger canzlers, vgl. Liicke uar- ratio de Joanne Lanrentio Mosliemio. Gott. 1837 p. 59.

") nacii Fischer liebt niit v. 413 eiii andrer. doch gleiclizeitiger fechieiber an.

56 WALTriARIUS.

kiirze, (loch fiir deii scliltifs Iiinlangeiule slclle(v. 10. 11.) aushebt, dafs cler codex eiii von C abweichender \var. zu Miinchen liegt er gegenwarlig nicht.

In eine chronik des jiieniontesischen kloslers Aova- lesa, tuuveit Susa , buch 2 cap. 9 isl ein unistaudliclier auszug des erslen driltels der dichliuig eingegangen , nu't anfiihrung vieler einzelncr verse. Die cla'onik scheint luiter llcinrich 3, lun die milte des eilflen jh. verralsl, setzt also elnen allern text des AAallharius voraus. sie wurde zuerst von Duchesne (script. hisl. franc. 2, 223. 3, 635) theilvveise, vollslandiger bekannl geniacht von Muralorl (script. rer. ilal. II. pars 2 p. 700 iT. und anliq. ital. med. aevi 111. diss. 40 p. 964 11.) die hieraus verglich- neu slellen merke ich mit H.

Zuerst drucken liefs das gedichl Friedrlch Christoph Jonalhau Fischer, Leipzig 1780 in cjuart, inid z%var blofs aus C. den mangelndeu schlufs erganzle darauf nach A Fiiedrich JMolter in IMeusels hist. lileralur 1782 6. 370, und Fischer wlederholle ihn als nachtrag zu seiner ausgabe, Leipz. 1782. Da indessen A fiir das werk iiberhaupt vorziigllchere lesarlen bot, so riickte es Molter vollslandig iu selne beltrage zur geschichte und Iltejatui-, Frankfurt 1798 s. 212 268; Avelche ausgabe jedoch den carlsruher codex lauge nicht Ireu darslellt, sondern INIoltcr hat vleles aus C, was Ihn besser dauchte, ja einzelne vermutuugeu, ohne es irgend anzumerken, auf- genommen. Die iibrigen lexte, abgesehen von F G H, welche langst zuganglicli waren , wuiden erst spiiter entdeckt.

Kelne der handschriflen Ist so gut uoch so alt, dafs sie ausschliefsend fur eine bessere rocension des gedichts dienen diirfte ; iiberall slnd ei-hebliche abweichungen. ich habe also ausgewiihlt. jedesmal werden die von meinem lext slch entfernenden lesarlcn luUeu angegebeu,

WALTHARIUS. 57

dle nlclil genannten handschrlflen aber stimnien zu Ihm ■Und besllninien ihii , insoweit icli aur vollslandigkeit iind scliarre der verglelchungen bauen kann; einzelncs, icli hoffe weniges, wird slch nacli erneuerler priifung der handschrlften berlcliligen lassen.

Den lext aufzuslelleii erscliwerl auch der zweifel iiber des gedlclils nrlieber so wle dle slcherlieil iiielir als einer uniarbellung, die es erfahren liat. Die iueisten Iiandschrlften, nanienllich A, C und 1 noniicn keiiien verfasser , >veder In rubrlken noch am schUifs; aucli deni novaleser clironisten l^ann keln texl mit des dicli- ters iianien vorgelegen liaben , er wiirde ihn sonst iiicht als 'nietricauorus quldani' oder ' verslcaiiorus quidain sapiens' bezeichnen. ebensowenlg liatlen Fieher und Aventln ermangelt elnen solcheii nanien niitzulheilen, ware cr in Ihren handsclirlften gewesen. Alleiii Iii B, und in dem briisselcr cod., fiiidet sicli eln ])rolog , der einen bestlmmten verfasser angibt. licvor icli ihn licr- selze isl aber der aufsclilufs anzufiihrcn, den elne merk- ^viirdige stclle der aUeii sanctgaller clironik iiber die enlstehung iinseres werks gewahit. iiemlich dle cnsus saiictl Galll des vierlen Eckeliardus (der um 080 gcboren 1036 starb) , indem sie der scliriften des iiltesten odcr enten Eckehardus nieldung tliun , sagen folgendes *): 'scrlpsit et In scolls inetrlce inagistro, vacIUaiiler (piideni, qula in afFectione non in habltu erat piier, i'ilam 7f'o!f- harii manufoiilsy quam Magontiae positi, Arlbone arclii- episcopo jubente, pro posse et nosse nostro covrexinius. barl)arles enlm et idlomata ejus Teutonem adhuc af- feclantem repente latiiium ficrl noii patiiintur. unde niale docere soleiit dlsclpulos seinlinagistri dlceutes : vi- dete, quo inodo diserlissime coram Teutoiie alI<(uo pro-

•) GolJast 1, 39. Pertz 2, 118.

58 WALTHARTUS.

loqiii ileccal , el eaileni scrie in laliiuim verba verlite. qnae deceptio Eckcliardum in opere illo adhiic puevuni fefellil:, setl postca iion sic' IMan liielt also zu Sanct- gallen, in der ersten liiilfte des 11 jli., das gedicht fiir eine jugendarbeit des iilleslen Eckeliards, der nni 14 jan. 973 gestorben , dessen geburtsjabr niir aber unbekannt ist. liiei-nacli fallt die abfassung jedenfalls zwiscben 920 iind 940, scliwerlicli kam dieser Eckeliard , welclicr im stift die angesebne wiirde cincs decans beklcidete (Pertz 2, 117) nach 920 zur welt. 'scripsit nielrice inagistro' wird von Arx erkliirt: vilam Wallliarii a niagistro suo dictatam elaboravit metrice. Goldast las 'metrico nia- gistro ,' und nian konnle aucb vorscblagcji 'metricae niagistro ,' in der scbule , unter dem lebrcr der metrik. es sei eine scbuliibung gcwesen, die ungleicb und nian- gelbaft gerietb , Eckeliard , wiewol scbon dem geistli- cben stande bestimmt, babe damals nocb jugendlicb an der deulsclien Aveise der poesie gebangen. so fasse icb die nicbt sebr deullicben ausdriicke, welcbe aucb dcr folgende satz zu verstandigen scbeint, dafs ungescliickte lcbrer ibren scbiilern deulscbe pbrasen (oder gar versc ?) vorsaglcn und sie nuii glcicb in derselben wortfolge (eadein serie) laleiniscb iibcrsetzen biefsen. Der dicb- ter selbst spricbt sich ani schlusse seines gcdichts (v. 1453 5!i) bescheiden iiber den )ugcndlichcn yersuch aus. Ob aber unsere liandschriften mebr diesen, wie er war, oder mit den besscrungen und vielleicht verschlinune- rungen des jiingeren Eckeliards gewahren? ist schwer zu entscbeiden. Des viertcn Eckebards eigne prosa in der fortsetzung der rafperlischen casus zeugt weder von cor- reclheit noch besoiidrei" aiisbildnng des lateinisclien slils. erzbischof Aribo, von dem er nach JMainz berufen wor- den war (Perlz 2, 75), und auf dcssen betrieb er sicli iener durchsichl des "VNaltharius unlci/.ogen hatte, starb

WALTHARIUS. 59

1030 otler 1031. ') sollle das gediclit auch in der maln- zer scbule gebraucht und vorgetragen werden ';*

Halte nian sich den ersteu Eckeliard als eigentliclien verfasser, den vierten Eckehard als nachbesserer zu den- keu ; so bliebe die vorstellung von dem ursprung der dich- tung noch ziemlich einfach. Verwickelter wird sie aber durch eiuen prolog der pariser und briisseler liandschrift, worin mit giinzHcher verheimlichung Eckehards , ein an- derer geistlicher, namens Geraldus, als dichler auftrilt. Die an einen bischof Erkanbald gerichleten zueignuugs- verse, deuen ich noch keine stelle vor dem gediclile selbst einriiumen mochte, lauteu so :

Omuipotens genilor, sununae virlulis amator, Jure pari natusque amborum spiritus ahmis, Persouis triuus, vera deitate sed unus, Qui vita vivens cuncta et sine fiue tenebis, b Pontilicem sunumun tu salva nunc ct in aevum Claro Erckambaklum fulgentem nomine diguuni , Crescat ut interius saucto spiramlue plenus, Mullis infictum quo sit medicamen in aevum. Praesul sancte dei nunc accipe munera servi , 10 Quae tlbi decrevit de larga promere cura Peccalor fragills Gcraldus nomlne vilis, Qui libi nam certus corde eslque fidells alumiuis, Quod preclbus dominum iugiter precor omnitonanlem, Ut nanciscaris factls, c|uae promo loquells, 15 Det pater ex summis coelum terramque gubernans. Serve dei sununi, ne desplce verba libelli, Non canit alma dei, resonat sed mlra tironls , Nomlue Wallharlus , per proella multa resectus. Ludeudum magis est^ dominum quam slt rogltandum,

') Pertz 2, 243, Leibnitz 1, 852. 2, 494.

8 niultis ut iatictum B. 12 cerlus lidus corde B.

GO WALTHARIUS.

20 Flexus longaevi dimi slringit iii ainpla diei. Sis fellx sauclus per tempora plura sacertlos, Sil tibi menle tua Geraldus carus adelfus! \^'er vvar dieser Geraldus? im calalogus codd. mss. bibl. regiae, lom. 4 Par. 1744 p. 532 Nvird er bei num. 8488^ bezeicliuet als iloriacensis , vit videtur, monachus. in den (ehmals colberlisclien) codex selbst ist nendich von spaler liand bcigeschriebeu : S. Gerauld nioine de Fleuri, comme il semble. der eiufall scheint aber grimd- los und uuhaltbar, sclion die verfasser der hisloire lit. de France, tome 6 Par. 1742 p. 438 bemerken , dafs die geschichle von Fleuri gar keinen solchen Geraldus kenne. wie sollle auch in dem (siebeu stunden von Orleaus) au der Loire gelegeuen Benedictinerkloster eiu ganz auf deulsclier iiberlieferung ruhendes , die urllichkeit des Oberrheius voraussetzendes, iiberall deutsche eigeu- nauieu darbielendes gedicht eutsprungen sein •'

K.aum halte eiu friinkischer geistlicher des zehnten ili. seine niiihe auf eine sage gewandt, iix der cin Fraii- keukouig gejdemiitigt erscheint und alle fraiikischen hel- den besiegt werdeu ; viel eher konnte das ein Alemanne. Damit zerfallt auch die gleich miifsige vermulung, Erkanbald sei ein erzbischof von Tours , der iim 986 lebte, und aus dessen lebenszeil lediglich man die des Geraldus abzusehn wagle. Noch vveniger gedacht vver- den darf au Erkenbald, abt von S. ^laixent, ^velcher um 1044 erzbischof iu Bourdeaux vvurde und bis nach 1068 lebte; eher konute man sich einen gleichuamigen abt von S. Tnitpert, an niederclsafsisrher greuze, in

20 flectiis loiigeui striiigit B. 'diinr liabe icli erganzt. sinu des 19.20 verses sclieint: weiiii sicli iler lange lebeiistag ins weite ueigt, so ist aucli gestattet zu spielcn statt zu beten. >'acli '22 die lialberbiicline rnbrik 'versns (luidam" und duraut' beginnt das gediclit sclbtt.

WALTriARIUS. 61

iler coiislanzer diocese gefallcu lasseu , desseu zeit nicht genau erniillelt ist, iind elwa in die erste liiilfle des zehnten jli., um 935, fallt. "^) es gibt noch andere hohere geistliclie dieses naniens ini hiufe des 10 oder 11 jh., eiu Erkenbald folgle zu IMainz im jahr 1011 auf Willigis.**) Docli die walii kann nicht scliwer sein: vou 965 991 safs auf dem slrafsburger slulii ein Erkanbald. ausgezeiclinet durcli seine neigiuig liir gelelusanikeit und poesie, wie er selbst inehrere laleini- sche gedichte hinterlassen liat. ^*"**) ilun und keinem an- deru mufs die zueignung gelleu. dieser Erkanbald nun war mit sanctgaller moucheu in verkehr und Ijekaunl- schafl , er liatte aus ihrer reilie den gelehrteu , auf be- fehl des abtes Craloli -J-) geblendeleu Victor uach Strals- burg gezogen.-|"l-) Nebeu dem alleren Eckehard neuuen aber die sanctgaller casus Nviederlioleutlicli einen ihm gleichzeitigeu Geraldus (Gerhaldus, Kemhlus), vvelcher zeitlebeus magister scolarum vvar und dessen in liohem greiseualter erfolgler tod , oliue angabe des iahrs, schon gescliiidert \vird.-{"J"f) Wahrscheinlich Nvar er durch Vic- tor oJer lieber vorlier sclion dem Erkanbald genau be- kannt gcNVorden, und iibersandle ihm , was erst uach 965 gcschehu seiu kanu, den ^Vallharius, Die worte, dafs er das bucli aus langer pflege entlasse (de larga promcre cura) hiudern eine blofse zuseudung des ecke- liardischen vverkes auzuuelimen. Gerald mufs irgeud auf eine art bclbst darau theil geuommen haben. V\ ie sind

•) hisf. lit. de Fraiice 6, 221. *-) Pertz 2, 242.

•••) Iiist. lit. fle Fraiico 6, 467 ft', Pertz 2, 116. .Scliiiters KOiiigslioveii p. 241. 487 494.

•j-) liersclite zwisclieii 942 958. Pertz 2, 35. ■|-[) Perfz 2, 116. fff) Pertz 2, 114. IIT. 122. 123. 136. 137.

62 WALTHARHJS

aber luiu sclne anspriiche mil cleneii ]'.ckeharils zu ver- einbaren? ein plagiat, nberhanpt eine un^vahrlieit lafst sich weder \on deni sillliclien und gelehrten cliaracler Geralds argwbhncn, noch bei Erkanbalds unbezweifel- barer verlraulheit niit allen sanclgaller vcrhaltnissen glauben. Enlweder liallen beide, Eckehard und Gerald in gemeinschafllicher jugend die arbeit vorgenommen, iind lclzlerm ist sie in der schule langerer , fortgesetzter sorgfall Nveilh geblieben ; oder der vierteEckehard konnle sich , Nvenigsteiis funfzig jahre nachher, iiber den eigenl- licben verfasser irren , freilich giade bei einem \verk, das ihn selbst naher beschaftigte. Waren ilim , zu INIainz und Sanctgalleii , abschriften des gedlclits mit dem geral- dischen prolog verborgen geblieben ? eben die glaublich alteste aller jetzt erhaltnen liandschriften , die pariser, liat ihn, und keine einzige tragt Eckehards namen an ihr5r spilze. halten blofs die schlufsverse des gedichls, die einen jugendUchen versuch bekennen, den gedanken auf Eckehards jugend gefiihrl? schon ienes alters der pariser, vvahrscheinlich auch der briisseler handsclirift Avegen , aus vielen andern griinden , \vare hbchst bedenk- lich einen Geraldus aufserhalb Sanctgallen , oder gar ei- uen spateren , ei^st nach dem vierten Eckehard lebenden aufzusuchen. die ganz kahle vermutung eines Geraldus floriacensis habe ich voi^hin weggeschaft. an der Loire kann keine dichtung umgearbeitet , uud erueuert worden sein, die am Rhein und in den Vogesen spielt, die durch- gangig auf einen deutschen urheber liiu weist. Wir miissen gestehn, dafs dies alles fiir den sanclgaller Ge- raldus spreche, und sein prolog gi'ofseres gewiclit habe als des spiileren Eckehards aussage.

Der allerdings beslehende widersprucli zwischen dem schlufs des gedichts, das eiiien jungen anfiinger verkiin- digt, und den worlen llexus longaevi diei in anipla,

WALTHARIUS. 6'i

(lie ein lebensniiider greis *) ausspricht, tlieser Nvider- spriicli lafst sicli diircli die annahme auflosen, dafs Ge- rald in hoheni aher, et\va in den jaliren 970 oder 980 dem slrafsburger biscliof, der es vielleicht gewiinschl liatle, seiiier friihen jahre Averk iibersandte. So bekaine der ausdruck de larga proniere cuia recliten sinn. Doch soU aucli des iihern Eckehard Iriiherer antheil da- niit Jiicht ganz abgewiesen sein.

^'Nill jnan aber, aufser des vierten Eckeliards nacli- helfender und andernder iiberarbeitung des iilleren werks, in den abweichenden lesarten beider des ersten Ecke- hards und Geralds gemeinscliaflhV]! oder auch nach eiu- ander angelegte hand wieder aufspiiren, so sclieint das fast iinerreichbar. Weder ist im ganzen dle Yerschie- denheit so bedeutend, dafs der nacharbeiter viel daniit gewonnen haben konnte, noch so einformig oder glei(h- arlig, dafs er sich bestimmt genug zu erkennen giibe. avtch hindert die unvollstandigkeit mehrerer liandschrif- ten den genauen iiberl)lick.

B, a»if jeden fall ein geraldischer text, hat nur sechs eigenthiimliche verse, deren vier 204, 257, 661, 1448 allen iibrigen zu mangeln sclieinen , d. h. in A fehlen sie gewis, 204, 257, 661 gehn auch in C, 204, 257 in DI ab; 1448 fallt in die liicke von CDI, 661 in die von D I. keine dieser vier zeilen ist dem zusam- menhang nothig, aber aucli keine stort iiin. Zwei audere, 99 und 944 hat B mit A gemein, sie niangeln in C, 99 zugleicli in I, "wahrscheinlicli wiirde I auch 944 nicht aufweisen. Bezeichnete uns also A eine nicht- geraldische recenslon . und etwa des alteren Eckeliard arbeit, so konnten CI, vlelleicht CID, die correcluren des iiinoeren Eckehard darbielen ? Jene vier verse liat-

*) loiigo seiiio fessus. Pcrt/. 2, 137,

64 WALTFIA R [ L S.

ten llim ilami gar iiiclil voigelcgeii , wcil slch kaiim eiii gniiul ilenken liisst, ^veslialb er sie sollte von der liancl geNvIesen Iiaben ;* docli ^varum lelinte er 99 iiud 944 ab , wenu sie Ilim in A vorlagen? iind wie tliellt er Iii zelle 652 dle eplsclie wledeiholung vou 647 jnll B, nicht mlt A ':*

Erwrigt nian die librigeu varlanlen insgemelu , so Irllt freilich elne merkhche einsllmmung zwlscheu A iind C, Iin gegensatz zu B vor (316. 774. 787. 958. 965. 1008. 1009. 1021. 1094. 1098. 1180. 1212. 1271.1287), so dafs fiir die In C vorllegeude umarbellung dle grund- lage vou A glaublich vvlrd. dagegen nalieru slch B und I (62. 138. 283. 292. 293. 304. 440. 481. 1011. 1043. 1050. 1142), vviihreud A uud I seltner slunmeu (73. 161. 447. 1015. 1115). C und I verralheu folgllch elue verschledne uachbesserung, so dass C mehr zu A lilnuelgt, I mehr zu B ; 1115 IrelTeu C uud I zusam- meu. D stimmt bald mit A (381. 1234. 1341. 1343) uud C (397), bald niit B (379. 1342. 1354. 1375) und 1 (231); allelu dlese abschrift liat vlel elgenlhiimliches, und konute leicht grufsereu auspruch auf den jtiu- geren Eckehard macheu als C? Unbedeutender ist E, vvelches 495. 502. 545. 563. 578. 629. 727. 766. 814. 924. 944. 1017. 1157 mlt C theilt, 584. 703. 1204. 1295 nilt A, doch 699. 1101 aiich zu B stlmmt.

Alle dlcse ergebnlsse diirfen uur fiir unslchere gel- teu , ulrgends erhellt, dafs vvlr deu zuverlasslgen text Geralds oder eines der belden Eckeliarde vor augen habeu ; dle abwelchung kann, wle bei deulschen ge- dicliten des mlllelallers, unter den lianden blofser ab- schreiber enlsprungen sein. VYare ich des hiJheren al- ters der recenslou A gewis geweseu , so halle ich aus ihr 773 die ^viederhohing des verses 604 slelui gelassen. beachlenswertli scheiuen die variaulen zu 760 (vvovon

WALTHARIUS. 65

weiter unten), 1101, 1231, 1266, 1369; sehr oft wer- den einzelue vvorter nur anders im vers gestellt, z. b. 827. 1160. 1450. versuchte man ia den klosterschuleu zu Sancfgallen, Slrafsburg und JNIainz metrische xibungeu an diesem gedicht ?

Der laleinische dichter, welchen verfasser und viel- leicht nachfolger im auge liatten, istVirgil. nicht wenice ausdriicke, redensarten und weuduugen, selbstganze vcrse werdeuihm abgeborgt. trabea 382 ; Aen.7, 188. 612. 11, 334. spadix 759; Georg. 3, 82. polis es 509 ; potisest4l7. 550.618; nec potis fluctus aequare scquendo Aen. 3, 671. fama transverberat aures 17; ferro transverberat auras 540; tua me transverberet hasta 704; transverberat ha- sla , cuspis Aen. 10, 336. 484. crispans hastile 669; der ganze vers 695 ist aus Aen. 1, 313. ibaut aequati uumero 44; Aen. 7, 698. tellus concussa gemebat, sculorum sonitu pavidus super intouat aeiher 45; clipeus supcr intonat ingens 842; dat tellus geniiUim, et clipeum su- per intonat ingeus Aen. 9, 709. slat sonipes, ac frena ferox spumantia maudit 328; Acn. 4, 135. glomerare vo- lumina crurum 461; glomerare gressus Georg. 3, 117; glomerare manum Aen. 2, 315. 9, 792; volumina cru- rum Georg. 3, 192, dexlras conjungere dexlris 23 ; dex- trae jungere dexlrara Aen. 1,408. tuiiicam trilicem 263 ; trilicem loricam Aen. 3, 467. 5, 259. 7, 639. equinam vertice caudam concutiens 698; crista equina Aen. 10, 869. postquam epulis absumpta qnies, niejisaeque re- motae 304 AC; postquam epulis depulsa famessubla- taque mensa 304 BI; postquam exemta (al. excepia, ex- slincla) fames epulis, niensaeque remotae Aen. 1, 216; postquam prima quies epulis , mensaeque reniotae Aen. 1, 723; man sieht, daCs den monchen beide virgiliani- sche verse vorschwebten. tellurem vulnere mordet 671 ; momordit humum ore Aen. 11, 418. sumere taedas 167;

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si uon pertaesuni thalaml taedaeque fuisset Aen. 4, 18. infra jactum teli congressus 182; intra jactum teli pro- gressus Aen. 11, 608. fulminei enscs 192; Aen. 4, 580. 9, 442. laxae habenae 202 ; Aen. 1, 63. Georg. 2, 364. victrices lauri 210; Bucol. 8, 13. festa cuni fronde re- vinxit 209 ; festa fronde revinclum Aen. 4, 459. septeni orbes 277; Aen. 8, 448. lux Pannoniae 378; hix Dar- daniae Aen. 2, 281. dare slrages 198; Aen. 12, 454. Georg. 3, 247. 556. lerrani irrorat Eous 1190; terras irrorat Eous Georg. 1, 288. aequo INIarle 731; Aen.

7, 540. insoninis nox 399; Aen. 9, 166. evinctus 404 Aen. 5, 269. 364. 494. 774. infrendens 698 ; Aen. 3, 664

8, 230. 10, 718. lacrimis obortis 876; Aen. 3, 492 4, 30. 6, 868. ullima Parcae fila legunt 850; fila ex trema leguut Parcae Aen. 10, 815. bacchica nuinera 318 Bacchi munera Geo. 3, 526 ; nec bacchica niunera no rat Boeth.de consol. lib.2 metr. 5. spumanlis apri 899 Aen. 4, 158. 665. finis erat 904 ; et jam finis erat Aen 1, 223. ulva viridi 922; viridi in ulva Bucol. 8, 87. in glorius ibo 946; ingloriiis remeabo Aeu. 11, 793. por geret 1327; porgite Aen. 8, 274. hamatam loricam 911 loricam consertam hamis Aen. 3, 467. tondamus prata 1117; tondentur prata Georg. 1, 290; tondentes campum late equos Aen. 3, 538. ullima signans vestigia 1131; ultima signaut Aen. 5, 317; summo vestlgia pulvere sig- nent Georg. 3, 171. ludis sine more 794; sine more furit Aen. 5, 694, d. i. immodice, siue exemplo. fatur ad aiiras 515; ad aethera fatur Aen. 10, 458; vgl. dicta per auras 752 uud auras verberat 748; animam sufflavit in auras 845; trausfudit ad auras 714; wer lesen vvoUte ad aures, konnte iuquit iu aurem 260 und fatur ad au- rem Aen. 5, 547 beibringen. sequitur quos cetera pu- bes 211; Aen. 5, 74. sed tamen hic intra velut aescu- lu8 astitit heros, qui non plus petit astra comis, quam

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tarlara fibris 1000; aesculus in primis, quae quaulum verlice ad auras aetlierias, tantum radice in tarlara teu- dit Georg. 2, 29». emicat hic 831; Aen. 5, 319. 337. 9; 736. magnanimum 1414; Georg. 4, 476. amica si- lentia 400; Aen. 2, 255. das longum formose vale! 877 stammt aus Bucol. 3,79; nocli kuhner wird in den ver- sen 728. 729 aus Aen. 5, 496. 497 (vergl. 11. 5, 245) sogar der eigenname des trojanischen Pandarus in die deutsche fabel eingefiilirt, gleich als sei er uralinherr des frankischen Werinliard , auf den selbst seine bogenkunst forlgeerbt habe. vs'ar Hagano 'de germine Trojae' (28) entsprossen , so konnte auch Werinliard 'ex longa stirpe nepotum' mit Pandarus verwandt scheinen. Die zugleich beibehaltne formel der anrede Pandare ! ist aufserdem v. 485 gebraucht. *) Nacligealmit der classischen poesie siud auch die gleichuisse vom Boreas 188, vom numidi- schen baren 1337, vom umbrischen hunde (canis umber) 1350; die ausdrucksweisen fiir anbruch des tagos, der nacht und des morgens 277. 348. 1130. 118S.

Andere alleilliiimliche ansdriicke sind nicht gerade von Virgil erborgl , sondern dcm friiheren latein iiber- liaupt eigen : olli fiir illi , ollis (1194) fiir illis. Jwmiillus 1104 fiir homunculus ; Iionio, //omo«/5 578. 933 statt homo, liominis. iute 1221. 1267, verstarkung des tu , und nicht das adverb sicher. eijues 216. 602. 1227. 1443 fiir equus, vgl. Fveinh. 412. stenunale formac 37, iiobi-

*) iind liaufig Iiei andcrn lateinisclien dirlitern des niittelalters (Reinh. XCI. m)tli.oi. 18;), 186). die lesart 'de te' 15 A iafst sich schwerlich auf llildgiind l>eziehen, welche mit Waltliariiis, niclit Guntharius verlobt wiirde, wie hatte sich Gibicho ihrer geburt freuen sollen? das 'qnam postea narro' bleibt freiiich seltsam, weil Guntlicrn gleieli der folgeiide vers nennt. ist dieser sechzehnle in keiner handschiift fehlende vers ein falscher zusatz der nach- arbeiter ?

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lilate; triunipliali slenimate 212, serlo , corona, in der eigentlidieu bedeutung von OTt'/'/'". gausape 300, eine art tuchs. ich -weifs nicht, ob sicli partits 947 als kiirzung von paratus schiilzen lafst, oder die bedeutung von geboren, bestininit, ausersehen behaupten darf? nian hatte leicht certus, oder mit Molter: ecce paratus setzen kbnnen. auch parare sermonem 141 fiir instruere, iustituere scheint uuverwerllich.

Von alleni dem siicht nun , grell genug, ab vras deutsche wendungen verrath, dem verderbten und eut- slellteu lateiu des miltelalters angehcirt.

Zu jeuen rechue ich folgendes. mortem gustare 870 gemahut an das biblisclie todes koron (gramm. 4, 650) wie an das heidnische den tod kiesen (gramm. 4, 608.) inferius stare 860 scheint, iihnlich dem mhd. hoher stan *), nicht sowol einen uiederen oder hoheren , als weiter abliegenden stand zu bezeichnen. damna iuli 658 fiir iululi, wie wir sagen scliaden bringen, mhd. schaden paii fiir perpeli: magnos labores passus eras 133; bern. ohVwhcieY egit 1257, machte vergessen , fit oublier. prospera sive sinistra pati 259. quia talia \>ixi 470, weij ich solches erlebte. laucea pulmone resedit 777; tridens pelta resedii 995; cuspis sedet in clipeo 985, d. i. safs, blieb stecken in der lunge , am schild , silzt fest im schild; vgl. 1046 ictuiu ab aure sedenlem, wo ich je- doch secundum vorziehe, weii sich die prap. ab nicht

*) anm. zu Iw. 5288, aufserdem aber norli iii vielen alidern stellen: die zwene stuonden liolier Nib. 2144, 1; so heiz uf lioher wichen Nib. 1966, 2; sorge lieizen uf holier sten (secedere) Ms. 1, 1543; stet hoher! Ms. 2, 67^; wachter und dorwachter muosten hoher stan Hugd. brautf. 856; stuond lif hoher do (trat zuruck") Trist. 2794; hoher sten Gudr. 6105 vgl. 5909; ubir hoher gan Alex. 3807 ; Pez glossar zu Ottoc. s. v. holier. ahd. hohor iiz- zentemo (elatiori) N. Cap. 47; hohor standiu N. Bth. 253. goth. usgagg hauhis Tnjoquvui^rjd^i dvciniJov Luc. 14, 10.

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wol zu setlere scliickt. ima sedit iuguine Virg. Aen. 10, 785. palmam de pugna rei>ocare 619, die hand vom streit abziehen, revocare pedein a pugna ware gut latei- nisch. Hunos Lic hahemus 543 , hier haben vvir die Hunen. vix erupit cras 402 , kaum brach der niorgeude tag au. verum velle meuni 257, das ist mein vvalirer vville , wie Ftuodl. 1, 113 tuum velle benignum. ardens animis 1037, ahd. lieizmuoli (gr. 2, 663), arens pectore iAil , doch ardens oculis hat Virgil. Aen. 5, 277. auch ignamm ferrum 835. 1298, das unwirksame, jiichts aus- richteude schwert scheint eine altdeutsche redensart, ob- gk'ich ich sie jetzt nicht nachweiseu kann. Erebi for- nax 867 , das feuer der hOlIe , christlichheidnische vor- stellung (mylh. 464), ovan, auhns, fornax, ignis. ' esu- riens Orcus 1327, hungrige, unersallliche hcille (myth. 196.) et simul in \?erho 308, et in verho 888 uud bei, mit diesem worte, haec diceus; et simul in diciis 673. auch Virgil : et in i>erho vesligia torsit (Aen. 6, 557.) more gigantis 333, in riesen weise; furis de more 1174; de more liciscae 1231. deutsch scheint der entschliipfte fehlerhafle gebrauch von fames als masc. (der Jjunger) fames insaliatus habendi 857, wie die hss. leseu , insa- tiata ist Mohers anderung. dieser hat ebenso 139 quem- quam fiir quisquam bei pudebil gcbessert ; wir sagen personlich ich schiime mich , ich beieue , und selbst das lat. pudeo stalt me pudet ist nicht ohne beispiel. spo- liarier 659 fiir spoliari wird 1191 fiir spoliare gesetzt ; famulis jubebis 1437 fiir famulos, wenn nicht jener dat. mil suspeclando zu verbinden ist. \Yas aber einen ent- schieden deutschen eindruck dtirch das ganze gedicht macht, ist die luirichlige verweudung Aer tempora. weil nemlich imsere alte sprache keine abstufung der ver- gangenheit kennt, sondern ihr prat. fiir das lat. imp. perf. und phisq. braucht (gvauun. 4, 148. 149. 189); so

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zeigt der dlcliter kciu deulliches gefuhl fiir die lat. for- meu dieser drei lenipora, uud verwirrt sie haufig. zu- nial liebt er phisq. anstatt der perf. zu setzen , z. deslruxerat 373, cousunipserat 399; discesserat 378. 615; toleraverat 387; dixeral 404 ; gesserat 453. 497. 631; dederat 463; legerat 477; suggesserat 594; disces- serat 615; decerpseial 625; couceperat 632; couspexe- rat 686; recreaverat 1175 u. s. w. uicht anders steht clausisseni 407 fiir clauderem; dedisset 445 fiir de- derit ; umgekehrt praesumpserit 413 statt praesunipsis- set. auffallend siud die priil. inf. assedisse jubet 295; respondeut se non potuisse invenisse 365; pugnasse vi- deres 520; traxisse studerent 986; flexisse sategitl065; conspicio te doluisse 1107; nieruicse valereni 148; fue- rat sumpsisse facultas 969; fiir assidere jubet , potuisse inveiiire, pugnare videres, Irahere sluderent, fleclere Sategit, conspicio te dolere u. s. w. verschiedne tempora folgen aufeinander, z. b. 1142-46 sit, vellent, parent, facerent, laterent; 201 dederunt, feruntur; 207 ruit ej spoliaverat. In allem dem blickt eiu deulscher verfas- ser durch.

Was nun sein eigues lalein betrift, so lassen sich vorerst einige Jlickworter nicht iibersehen, die libermafsig oft wiederkehren : denique 93. 251. 290. 422. 852.1162. 1244; forie 23. 35. 39. 218.232. 254. 522. 549. 570. 577. 686. 1144.1369. 1381; fors 370. 607.1095. 1234. 1272; forsan 679. 74l. 811. denique nieist im fiinften fufs (wie Virg. ecl. 2, 7), einmal im vierten: aucli fors' forsan , forte erscheinen bei den classikern, nur spar- samer und bedeutender. eundem 446. 516, eandem 77 9^ eadem 447, cosdem bringt der dicliter gern iu deu vers- schUirs. ^i/rtm//7/<'/ =: quamvis 726. 1379 ; quo rz: quod 994,

Von audern ausdriicken niogeu hervorgehoben wer- den : domne! iu der anrede 249. 1098. 1213,^ denn sonst

WALTHARIUS. 71

slelit dominus 258. 633. 1094; scliwacber als domiuus ist senior , das zwar deni kdiiig 574, dem brUutigam 1418, aber auch den voruehmen 57 gegeben Avird. iu huste manere 1256 bezeichnet deu bekannten frankischen ge- gensatz zu domi. maceratio 1344, subactio. migma 299, fi/y/ita, eigentlich mischung iiberhaupt, hier vom ge- trank, die vulg. hat das ^vort Esai. 30, 24; vgl. Du- cange s. v. nappa 308, trinkschale, unser napf, das aber manulich ist und in der alteren sprache mit HN anlaulet, vgl. franz. hanap. oscillum 1127. 1141 ge- braucht der dicliter fiir osculum , in der cla&sischeu spraclie ist es gauz etwas anderes : bewegliche larve, gefleclit an baumeu aufgehangen (myth. 49.) pietas 97. 146 gnade, lierablassung. res et acta M'erden 115 ein- auder zur seite geselzt, vgl. 144, sergia 147 gleichviel mit servilia, wie auch B se/v/a liesl; den sinu der verse 146-48 fasse ich so: es ist gnadig von euch, dafs ihr nieinen geringen dieust anselit, nie werde ich verdie- neu kounen, dafs ihr euch meuie leistungen so zu herzen uehmt , menlis iutuitu ferlis. Fischer will : mei sergia- menti. sophista 104. 605 ein weiser, verstiindiger mann, ohue den nebensinn welchen wir heute mit sophist verbin- den , vgl. Pertz 1, 364 und sophari (weise reden) 1266. talhis 224 \vieder trinkschale oder schale iiberhaupt, viel- leicht unserm teller verwandt und deui mittellat. taliare, tal. tagliare, frauz. tailler , weil auf dem teller zerschnittea wird. vassus 1311 dienstmann, vasall. wantus, haudschuh 1426. substaulivbildungeu auf-amen, in audern dichtungen des mitlelallcrs selir beliebt , hier uur zweimal : affa- men 1174; cruciamen 819. wenig adj. fallen auf, modi- ceUus 331 findet sich schon in Suetons Nero 48, nach einigen lesarten; auch oceanus 1133 hin und wieder bei classikern. Verba: caoere 905. 929. 1331 dem streich au«weichen. coartari 273, coarclari , cogi; coarfare 654«

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1340 cogere, driingen. congaudere alicui 464. 470,sich mit einem freuen ; Tertullian : gaudcle, et congaudele iTiilii, vgl. ahd. epanvrewan. palrare 269. 799 gewah- ren, ausrichten , conficere. sequesirare 3 trennen , un- terscheiden. siispendcre 41, den ziig einhalten, einstel- len. iransponere hamuni 343, die angel einseuken ; mu- nera transponere 774, die gabe (den geworfnen speer) iiberfiihren , zuriiclisclileudern.

Nicht weuige und schatzbare aunielkingen des al- terlhums ergeben sich aus dem gedicht *). Besonders erscheiut nocli das kriegerleben in einfacher roheit. Dem erlegnen feinde pHegt der sieger ge\vohulich das an den locken erfafste haupt ahzuhauen (718. 753. 917. 939. 981. 1019); oder er setzt ihm den fufs auf den uacken und heftet ihn mit dem speer, gleichsam dem zei- chen seiner gewalt , an deu boden (844.) zwar ge- mahnt dies pede colhim pressit (843) an Yirgils laevo pressit pede exanimem, aber rapiens immania jiondera baltei (Aen. 10, 49.5), avo es also gebarde des wafFen- i'aubenden ist, wahreud Waltliari seine beute erst spa- ter nimmt (1191.) eine dritle art der tcidtung war mit der goldspange zu erdrosseln: torquem collo circumdedit aureum (1059), was an Hattos beriihmte kette erinnert, die stelle kann durchaus niclit von einer goklspange verstanden werden , die der sieger um seinen eignen hals gehangen habe. Den merkwiirdigen gebrauch des iviederanfvgens der todten hiiupter an die leichname wird

*) Fischer, der mit Eckehards «nd Geralds anspriichen auf die dichtung voliig iinbeliannt , sie sogar dem seclisten jii. zuzu- gpreclien wngte, liat iii den anmerlinngen seiner ausgal^en , so wie in einer besondern schrift iiber sitten iind gebrauclie der Eiiropaer im 5 und 6 jh, Frankf. an der Oder 1784 eineii schwai! gelehrter nnd fleifsiger erliiuferungen zusammen getragen, die jedoch aiizu viel iiberfliissiges uud allzuwenig treffcndes enthalten.

WALTHARIUS. 73

der ausziig des gedlclits hervorheben. Die erschlagr.en wurden koslharer ivaffensiikke lerauht , uicht vu]h*g eut- kleidet (207. 1191-94.) ihrer /"^ie slch alsbald zu he- niachllgen saunite der iiberwinder nie (780. 1 169.) W ie sonst das loos liber genielnscliaflllche kncgsheute gewor- feu wird, so lafst sich hier eiuer der franklscheu kiim- pfer, eh er Wallheru angreift , dessen schild vom konig zusichern (781. 798. 799. 840) , gleichsam seinen theil (sors 799) im voi'aus anvreisen. auch iu andern sagen kommt vor, dafs riiuber unter sicli die ^vaiTen des hel- deu bereils ausllieilen , deu sle uberfalleu ^volfen.

Blutrache 691. 701. 926, 951-54 uud geheijs des herrn trelben in dle gefalir des kampfes. bcl Ilaganons benelinien spricht der dichter seluen zweifel aus , .ob es gestallet sei dem herrn zu zurnen, 633. das weist auf die slrenge des allen dienstverlialtnisses. Eiu Sachse, der iu der heimat einen vorueliuien erschlagen liatte, war zu deu Frankcii gcflolieu uud in Guutiiaris dienste aufgeuounnen 755-59.

Gold wiid iu r/rigen oder spangen dargeboleu. Walt- liari will dem kcinlg, zur ehre und fiir frelcn durch- zug, erst armilhis cenlum de rubro nietallo (613) iiljer- sendeu , dann die summe verdoppehi (662.) das sind die gewundiieu '■houga' des Hildebraudliedes , die ge- schlofsuen 'beagas' ags. gedlchte (gramm. 4, 752. 963.) einzelue aruiriuge wurden auf der spitze des speers dargereichl und empfangen ''') ; vlele zusammeu aber in deu sclilld gescliiiuet : rulilo umboneui complebo nie- lallo (1264); der schild wog scliatze luid knoclien ab (RA. 77. 78.) 'manegen scliilt i^oUen nian dar schatzes truoc, er teille es ane wage sinen friunden gnuoc bl fiinf hundert marken' Nib. 316, d. h. als schon geldwa-

*) Laclinianii uber das Hild. lied «. 40.

74 WALTHARIUS.

gen ilblicli war, wurde den lielden noch nacli alleni brauch golJ auf schilden ausgetheilt; ^g\. Roth. 3046. aber eine andere erniessung dargebotnen goldes, im sinne des hijchslen alterthums , soll uns das gedicht hernach uocli kennen lehren.

Eiiien eigenthiimlichen ausdruck, obglelch nur les- arl von B , liabe ich nicht tilgen diirfen : taliter in no- nam conllictus lluxerat imdam 1343 , der kanipf walirte ])is zur neunten welle , wobei auch fluxerat ('vvogte) zu erwagen ist. die iibrigen hss. geben horam , weuiger gut, der letzte kampf zwischen den dreien hatte friih- morgens zur zweiten tagesstunde angehoben (1285), wie hiitte er, nach allem was davon erzahlt wird, acht stunden lang bis zur neunten , unsrer weise zu reden gemafs weit in den nachmillag . sich erstrecken sol- len? jene redensart enthalt eine viel kiirzere, aber dichterische zeilbestimmung, welche abschreiber oder nacharbeiter nicht mehr verstanden nnd mit einer ge- wiihnlichen vertauschlen. Die wellen halten dreischlag: die drille {rQtzv/tUi) ist starker, als die beiden ersten, die sechste noch stiirker, die neunte am allerslarksten, daher decumanus fluctus *). es soU also dadurch die schnellheit des rascheu streites, nicht seine lange dauer bezeichnet werden.

WafTen und riistung. Der speer heifst hasta , ha- stile , cuspis, lancea , contus. beiworler: longa cuspis 931; nodosa hasta 888; coruscans hasta 542 (hastani coruscat Virg. Aen. 12, 431); coulus ferralus 964; fra- xineum haslile 1295 (escliiner schaft) ; hasta amica 921. nialigera hasta 1287 (vgl. vulnigera ulna 1389.) fraxiuus

*) Ovid. Trist. 1. 2, 49.

qiii veiiit hic fluctus , fluctus supereininet onities : posterior uoao est, uudecimoque piior.

WALTHARIUS. 75

el corniis liidiim niiscebat in iiniiin 186, die nnmen der baunie fiir die aus ihreni holz gefertigten speere ; legt hier der dichler dem einen lieer schafte aus fraxinus, dem andern aus cornus bei ? auch 771 wird gerade die ferrata cornus dem Saclisen zugetheilt, iind sie ist mit einem amenlum ausgeslattet, dessen sonst bei dem speer keine meldung geschieht. Virgil hat ilala cornus Aen. 9, 698. slridula cornus 12, 267. der tridens triplici fune 983 ist ein besonderes vvurfgeschofs , das mehrere zu- gleich handhaben. Sclnveit : ensis, spala, niucro, cha- lybs. ensis gemmatus 1314; zweischneidig und an die linke hiifte gegiirlet 336 , verschieden von dem eiii- schneidigen, hunischen, an der rechten seile hangenden halbschwerl337. 1390; vgl. 1430. framea 1016. ist gleich- bedeutigmit schwert, nicht niit hasta, vgl. Auguslini eplst. 120, 16. denhaftdesschwerlsziertkuiistreiche arbeit 1379, jenes gemmatus lafst sich auf ihn beziehen , oder auf die scheide. viridis aedes 1036 in einer interlinearglosse von C und E wird vagina *) gedeutet, und A hat ensis) ich nehme es lieber fiir das griine gras , die ulva viri- dis, worin Walthari (922) sein schwert liegen gelasseu hatte , welches nun der wallenlose Trogus beim niedcr- knieu aulfindet **j. Als Gerwigs eigenthiimliche waffe erscheint die ziveischneid/gc , kurze axt (918. 931) und die bemerkung des dichters 919: 'islius ergo modi Francis tunc arma fuere' driickt seiiien absland von der zeit der bcgebenheit aus. Sc/ii/d: scutum, clipeus , par- ma, pelta. triplex 668; septemplex 733 (Aen. 12, 925); gravis parma 539; parma picta 798; tauriiio contexlum

*) aedes pegma ligneum , Sueton. Caes. 8t. **) unterdessen liatte sicli AValthari seines zweiten schwerts hedient; freiiicli ist vacuare ungewolinlich gebraucht , Has findeij sollte melir hervorgehoben sein , und Trogua sagt 1043 mueronem nostruif/.

WALTnARIUS.

tergore ligiuim 776; pellis superaddila ligno 103,5. le- derbezogne scliilde sind allen volkcrn gemein, doch septeniplex fiilirt sich auf das homerische adxoe inra- ^oiiov zuriick. umbo ist das iu des schildes niitle vor- rageade, daher vou pelta unterschieden 995; clavus umbouis 814, die liaudhabe aus elfenbeiu 815. IleJm: cassis , galea ; fabrefacta 1372. Ilarnisch : lorica, thorax, tunica ahena 1016; lunica trilix 263 (trilix lorica Aen* 3, 467. 5, 259. 7, 639.) Giiriel : balteuni 1193; span- gen armillae 1193; halsspange torques 1059. bullae 1193 sind wol zierrat, der an spange oder giirtel hangl? (bullis aurea cingula Aeu. 9, 359; nolis cingula bullis fulserunt 12, 942.) pJialerae erscheineu am pferd : ca- ballus faleratus 1063; faleris circumdedit sonipedem 329 (phaleris insigneni equum Aen. 5, 310.)

KJang und scJiaJJ werden hervorgehoben : danl tin- nltus galeae clipeique resultant 828; dedit (galea) re- sullans tinnitus 714; dant sonitum, ceu cjuis gemmis illiserit aurum 462. auch das ist altepisch: sonilum dat slridula coruus Aen. 12, 267. lute erklang ir gewant Nib. 435, 4. ferrata sonum daret uugula equorum 1203 ; horlen hiieve klalTeu ]\ib. 1541, 2.

Der flieliende weudet den schild, und lafst dem ros die ziigel 202 (laxae habenae Aen. 1, 63.) auf dem schild ruht der miide: clipeo recumbeus 1176; auf den speer stiitzt slch der wachende 1184. Schreitet der an- greifeude vom pferde, so thut es auch der angegrifne 1283, damit der kampf gleich sei ; es gilt fiir edel und gereclit, den strelt niclit anzuheben , nocli den frieden zu brechcn, 702. 1287. 1288. Der sieger kehrt be- krauzt heim 209; hornblaseu ruft , die haufeu zu- ruck 208.

Die helden praJiJen, sputten und scJieJien. den fraueu riihmeu sie ilire thaten: ue fiat isla tuae de nie jactan-

W A L T H A R I L S. 77

tla spon^ae 980; sponsa ist briit, fraii , ehfrau; rediens vixori dicere 562. eiu schmahlich besiegter ■wird oiTent- licli ausgezischt 1086. vorwnrf der zagheit und abkunft von feigen lafst sich schwer versclinierzen 630. 1067. Walthern nennen seine gegner triigerischen waldgeisl 762. 763 und schlange 790; leibliche verstiinimhing •Nvird alsogleich aufgeriickt, kauni sind ihm einige locken vom liaupte geliauen , so scliilt ihn der nacliste kampfer kahlkopf 991, und Hagano, nach dem verlusl soines auges, wird der scheele angeredet. rauh, aber Ireflich gehalten ist die letzte wechselrede beider haupllielden. selbst der besiegte und slerbende stofst schmahungen aus 1055; andere jedoch fl^hen 718. 751.

Hildburg, Waltharis verlobte, erschelnt treu und unterwiirfig. dem ermitteten bcreilet sie labelrank 223, und schaut ihn schweigend an ; seine liebeserklarung nimmt sie erst als spott auf. aber sie gehorcht seinen befehlen anstalt zur llucht zu trelTen , und lenkt das mit ihm zugleich besliegne ros. sie wacht iiber dem iu ihren schofs gelagertcn 504; und ^vill von dem geliebten ge- tbdtet sein , um nahenden feinden nicht zur beute zu werden. unter dem kam])f bleibt sie abseits stehn ; als ein speer vor ihren fiifsen in die erde fahrt, erzit- tert sie weiblich aufschreiend. nachts iibernimmt sie die erste wache 1180 und erschrickt vor der verfol- geuden gerausch 1209. zuletzt kredenzt sie den wein und bindet die wunden. INlerkwiirdig ist auch, dafs Walthari sich eine braut unter den vornehmen huni- sclien geschlechlern aussuchen und von Attila ausgestat- tet werden soli (136-139); ganz nach den byzanlini- schen und friinkischen ehgeboteu (RA. 436. 437.)

Den freuudesbund zwischen Walthari und Hagano schildern die verse 1251-58 riihrend : tui facies patris obliviscier egit (dich anschauend vergafs icli des eigneu

78 WALTflARIUS,

vaters) sagt jener. sle waren hluthnlder (RA. 118. 192); denn 1444 lieifst es : his dictis pactum reuovant iterato cruen- ium, wiederholt war ihr bhit im gegenseiligen, zulelzt versohnenden kanipfe geflossen , wie es den ersten ein- gang des bundes bekraftigt hatte.

Viele dieser brauche reichen offenbar in das liei- dentlium. des cliristlichen , von dem dichter hinziige- thanen, ist nur wenig; ich recline dahin das bekreuzeu des dargereichten weinbechers 225 (aber auch die Hei- deu machten dabei ihr hammerzeichen) ; das venie fal- len nach dem aussprechen trotzlger worte (corruit et veniani petiit) 565 ; das gebet fiir die getodleten feiude 1160; des Tanastus ausgestofsnen todesseufzer sahe! eine abschiedsformel 1053, weiui nian nicht lieber ^a/ca/

lesen will, gleichsam : Christus refte meine seele! ave!

«

scheint unpassend , und schon des kurzeu vocals der erslen silbe wegen verwerflicb.

Weileren betrachtungen , welclie ich iiber die dich- tung von Wallharius anzustellen habe, will ich eine ausfiihrliche iuhaltsanzeige voraussenden.

Die miichtigen Huuen, unter dem siegreichen Attila, andere vcilker bezwingend uud sich zinsbar juachend, begannen iiber die Donau an den Rhein gegen die Franken , an die Saone und Rhone gegeu die Burgim- den , von da weiter uach Aquitanien vorzudringen. Gibicho dcr frankische konig herschte zu Worms, He- ririch der burgiuidische zu Chalons (an der Saone), Alpharis , des aquitanischen , hauptstadt ( Bourdeaux. ? Toulouse?) bleibt ungenannt. alle diese reiche zogen dem kampf freiwillige uuterwerfung vor, gaben zins und geiseln. Da Gunlhari, Gibichos sohn , allzu juiig war, so wurde Hagano von Troja vergeiselt; von bur- gundischer seite Hiltguud, die konigstochter, aus Aqui-

WALTtlARIUS. 79

tanien Wallliarl, der kcinigssohn *). Froh solcher beute kehrteu die sieger nach Pannonien heini.

Die gelsehi , freundlich gehalten , "Nvusten sich bald in Attilas gunst festzusetzen. Ospirin , die kouigin, ge- wann Ilillguudeu lieb, uud die gefaugue erlangte zu- letzt das anit eiuer schatzmeisteriu. Hagano und \YaI- tharl raglen In kriegsziigen hervor. Uuterdessen -svar Gibicho gestorben und Gunthari nachgefolgt; dieser Itiste alsobald das hunische biinduis und weigerle den zius. Hagauo, kaum davou beuachrichtigt, eutfloh aus der gefaugeuschaft.

Seiue Ilucht erweckte Ospirins besorgnisse; sle er- mahnt Ihren gemalil auf ^Vallharl zu achteu, er miige suchen ihn durch die heirat mit einer liuulschen fiir- steulochter zu fessehi. Walthari, als es Atlila Ihm vor- schlagt , \veicht kliiglich aus, uuter dem vorNvaud dafs er vermahlt herrudienst Im krlege versiiumen miisse.

Nlcht lauge uachlier brlcht \>'Ieder ein krleg aus, welchen Wahharis tapferkeit entscheldet. Der riick- kehrende siegcr stofst in des kouigs gemach auf Hill- guud allein , uud lafst sich vou ihr deu becher reichen. da- eutspiunt sich zvvischeu ihneu eiu trauliclies ge- sprach : beide vvusten , dafs Ihre vater sle elunals eiu- ander verlobt liatten. der bund wlrd erueut, die schmach der knechtschaft erwogen und gemelnschaft- llche fluclit verabredet. Hiltguud soUe aus dem kciuig- lichen schalz koslbare stiicke der riistuug uehmeu, zwel mafsige schreine jeden so schwer mit spangen fiillen, dafs sle Ihu kaum bis zur brust aufheben kouue", danu acht paar schuhe hiueln , und oben auf bis an den raud gefafse legen **), aufserdem belm schmled krumnie

') ibant legati totis gladls spoliati 64 ; im demutigen aufzug v.nterworfner.

'•) die entwendung dieser scliatze Lalteu wol beide flieliende

80 WALTHARIUS.

angeln bestellen, ■well sie auf der reise von gefangnen -fischen iind vogeln zeliren niiisten. binnen acbt tagen soll ein grofses gelage, und der gaste trunkenlieit die lluclit begiinstigen.

So wird es ausgefiihrl. Als alleHunen, vom welne schwer, ihrer sinne unmachtig vvaren, zog Wallhari ein kostliches ros aus dem stall, legte ihm beide schreine uber , und schwang sich , vollgeriistet, mit der jung- frau , auf dessen riicken. Hillgund lenkt die ziigel und hait die fiscliergerle in der liand, der lield selbst ist mit waffen belastet, weil er allenthalben kampf ahnt.

Sie fliehen bei nacht , bergen sich tags im duukel der walder, nieiden bewohnte stalten und gebautes land , auf umwegen ziehen sie iiber bahnlose gebirge.

Unterdessen erwachten die trunknen und gewahr- ten der entweichung. Ospirin war untrcistlich und At- tria verhiefs jedem, der ihm Waltliari gebunden zuriick fiihren wiirde, schatze von geld. Dies wird 405-7 nacli der sinnlichen weise alter compositiouen (RA. 670-673) so ausgedriickt : ich wiU ihn niit gelautertem gold bekleiden und, wenn er aufrecht am hoden stelit, von beiden seiten so mit gold beladen, dafs ihm da- durch der weg ganz gesperrt sein soll *). *vivo' heifst es, im gegensatz zu dem leichnam, der sonst auf solche weise, zur biifsung der schuld , niit gold zugedeckt und

darum fiir reclitlicli, weil sie darin eine wiedererstattung des ih- rem vaterland abgedrungnen zinses selin. Aus gleicliem grund aclieint nachlier Gunthari anspruch zu erheben auf AValtharis schatz, ia welcliem er noch einen hunischen erblickt.

') Hervararsaga (Rafn p. 494): mun ek tliik sitjanda silfri maela en gdnganda tliik gulii stejpa, sva d i-egu alla velti bau- gar. die stelle ist schon RA. 677 beigebracht und erlautert uuser gedicht vollkommen.

VVALTHARIUS. 81

zugeslellt AYlid. Reiner fand slcli , der diesen goldliau- fen zu verdienen lust hatte.

Waltliari lockte die wilden vogel nilt leinirutlien iind gespaltnen liolzern , an kriiinmuugen der fliisse senkte er selue augel in die flut, und so welirte er dem liunger. Aui vierzelinten tag erreichten die fliichtlinge abends den Rhein bei Worms, dem konigssitz, da gab Walthari dem schlffer zum fahrgeld vorher gefangne fische. diese flsche trug des andern morgeus der ferge dem kiichenmeister hin , der sie wiirzte und dem kojiig vorsetzte. Verwundert rlef Gunthari, dafs Frankreich keine solche fische kenne. der koch wies an den fer- gen , der ferge erzafilte von deni slattliclien helden, der glanzenden jungfrau, die des weges gekomnien, und von dem starken rosse , auf dessen riicken zwei schreine erklungen selen : der liabe die fisclie zuin fiihrgeld ge- geben. Da rief Hagano : ATalthari, mein geselle, kehrt lielm von den Hunen. da rief Gunthari : der schatz, den mein vater daliin entsandte, der kehrt heim. Also- bald hiefs er seine mannen sich riisten und, wie selir axicli Hagano enJgegenstreble, den helden verfolgen. "

Walthari, uach dem Rhelniibergang unablasslg fort- eilend, hatte am folgenden abend den WasichenvN'aId er- reicht. da ragen zwei berge dicht aneinander, zwischen sich eine enge, anmutige schlucht blldend, oben vom gipfel der felsen iiberwolbt: eine hole fiir rauber, mil griinem grase bewachsen. 'dahln, rief Walthari, lafs uns gehn, den iniiden leib In dieser burg erquicken!' seit der llucht aus Hunenland hatte der lield keinen andern schlaf gekostet als zu pferde iiber deu scliild gelehnt , und kaum die au- genlieder geschlossen. Jelzt das schwere streilgewand ablegend streckte er sein haupt lu den schofs der jung- frau, uud sprach : 'schaue wachsam umher, Hildgund, und siehst du eine dunkle staubwolke sleigeu, so weckc

6

82 WALTfiARILS.

mich sanft aiif, doch nichtrasch, nahe gleich ein grofser haufej vveit durchspahen deine reinen blicke rings die gegend.' Er schlofs die leuchtenden augen iind genofs der ersehnten ruhe.

Guuthari spur im sand gewahreud spornte seiu ros :

'eih, dafs wir ihn faheu iiud ihm die entwendeten

schalze abnehmen.' 'nicht so leicht,' versetzte Hagano,

'■wiirde das abnehmen dich diinken , hiittest du , wie

ich , ihn streiteu und erlegen gesehn.' doch der konig

war uicht abzulenkeu und sie nahten jener felsenburg.

Vom gipfel des bergs erblickte Hildgund staub sich

erheben und reiter nahen j leise beriihrte sie den schla-

fenden, der sein haupt aufrichtete. 'fernher scliwebt

eine schar', sprach die jungfrau. Wahhari rieb die au-

gen , wafnete seiue glieder und schwang den speer in

der luft. erschreckt, als sie von weitem die spiefse

glanzen sah , rief das weib : 'da haben wir die Hunen !'

vuid zu bodeu faliend : 'o ich flehe dich , herr, lafs

dein schwert meinen hals durchschnejden, dafs , die

ich dir niclit vermahlt werden soll , kein andrer mich

beriihre!' 'ferne sei', sprach der jiiugling , 'dafs schuld-

loses blut micli beflecke ; lege alle furcht ab, der mich

aus so manclien gefaliren rettete kann aucli ^diese feinde

:' niederwerfen. Nicht Hunen , Fi^anken Nibehmgen siud

l es , die hier im lande wohnen ', und Haganons helm

1 erkennend fiigte er lachend hiuzu 'liier ist Hagano,

{ mein alter geselle ! '

Bei diesen worten nahm er seineu staud am ein- gang der hole hoher , Hildgund blieb weiter hinten stehn , 'vor diesem ihor rede ich das stolze wort : hin- nen soll kein Franke heimkehreu und seijier frau sagea konnen , dafs er ungestraft elwas von meinen schiitzen w^eggetragen habe.' gleich aber venie fallend bat er gotl diese worte ab. dann richtete er sich auf und

WALTHARIUS. 83

betraclilele sorgfaltig sie alle : 'uuler diesen fiirchle icli, Hagano ausgenommen , keinen , der kennt meine kampf- sitle uud weifs listeu genug; weiclie icli ihnen aus , so liast du nichts, o Hildgund, fiir deiueu briiuligam zu befalireu.'

Als Hagauo jeueu vor dem felseulhor stehn sah, draug er deu konig abzulassen luid wegen des scliatzes friedliche miltel zuversuchen. Da eutsaudte Gunthari deu Gamelo, der erst tags zuvor von IVIetz gekommen war und gaben an den hof gebracht hatle.

Gamelo sprengte nach dem jiingliug uud fragte : *wer bist, vvauneu kommst uud Nvohin gedeukst du?' Waltliari: 'erst will ich wissen , ob du von selbst nahst oder ein andrer dich sendet?' Svisse, dafs Gunthari, der machtige kijnig mich geschickt hat zu fragen.' 'ich aber weifs nicht wozu es uoth ist waudrer auszufor- scheu : Wallhari heifs ich von Aquitania , als knabeu ' gab niich meiu vater zu geisel , in Hunenlaud Jeble ich, jelzt enlwicli ich uud kehre zur iheuren lieiinal.' 'dich heifst der kunig das ros mit den schreiuen uud die juugfrau lierausgeben , dann wird er leben uud glieder dir lasseu.' 'thoreu glcich redest du ; ein konig, den ich nicht kenne, sagt mir zu , was er uicht hat und nichl haben wird. ist er eiu gott, dafs er mir lebeu gewahre? habeu seiue hande mich ergriireu ? halt er mich gefessell? doch licire, will vom streit er abslehn, geb ich ihm liuudert goldrothe spaugen; dem kcinigs- namen zur ehre.'

Gamelo hiuterbringl das erbieleu , Hagauo riilli zur anuahme , ihm ahnt soust uuheil. er eutliiillt seiucu niichllicheu traum : der kijuig hatte einen biireu zu be- stelin, der ihm eiu beiu bis zur hiifle abrifs und dauu dem zu hilfe eilenden Hagano eiu auge nut den ziihuen ausstach. Da schilt ihu Gunthari : 'du artest deineni

6 *

84 WALTHAllll S.

vater nach ! aucli Agallii tnig ein zages herz in dei' brust und weigerte sich, nacli langem gerede, des kani- pfes.' Ziirneud antwortete der held : 'ihr seht ihn ja vor augen , bestreitet ihn , ich will des ausgangs harreu und sage mich los von der beute.' Nach solchen \\'or- leu ritt Hagano abseits auf einen nahen biihel, stieg nieder und schaute zu. ; Zum andernmal entsandt begehrt Gamelo Waltha-

/ ris gesamten scliatz. ' wie' verselzt der held 'habe ich ihn euerm konig gestolen ? oder hat er niir geld geborgt dafiir ich so ungeheure zinsen zahlen soll? ist vou mir euer land geschadigt wordeu? doch es sei, imi friedli- chen durchzug will ich zweihuudert sijangen gebeu.' 'du wirst mehr miissen! gewahre die forderuug oder verlier dein leben.' bei diesen worleu nahm Gamelo den dreifaltigen schild auf deu arm , schiitlelte seineu speer uud warf. Wahhari ausbiegeud liefs des gegners geschofs unniitz in deu bodeu fallen , 'vvolan, wenn cs so seiu soU ! ' und enlsandle seinen speer, der die liuke seite des schilds traf, Gamelous hand , die ebeu das schwert ziehen woUte, durchbohreud au die hiifte hef- tete uud in den riicken des rosses drang. dies , ver- wundet, strebte seinen reiter abzuschiittehi , welchen der speer festhielt. Gamelo liefs nun den schild nieder und suchte mit der linken die reclite zu ledigen; da stiirzle Walthari heran , sliefs ihm das schwert in den leib und zog es zugleich mit dem speer aus den wun- den. mit einem mal saukeu das ros uud seiu herr zusammen.

Diesen fall schaute Gamelous neffe Gimo, den an- dere auch Scaramund ueunen, alsogleich erliob er sich mit beideu handen den speer schwingend. Walthari stand uuerschrocken. 'mir' schrie der unseelige Scara- mund, 'sollsl du keinen schatz ausliefern, sondern des

WALTHARIUS. 85

llieiuen olieiiiis leben biifsen.' 'kann icli iiberfiihrt werdeu , des kanipfs begiuner zu sein und solche be- gegnung zu verdieneu, so nioge dein speer niich durcli- bohren.' Da flogen Scaramunds bcide speere hinter- einander, den einen mied, den auderen schiiltelte Wal- thari ab vou seinem scliild. Nun zog Scaranuind sein schwert und schlug nach dem helden , dessen fester helm widerstand. eh Scaramiind wenden kounte liatte Wallharis lanze ihu uuter das kinn getroffeu und aus dem sattel gehoben. deu slerbeuden enthauptete der held.

Gunthari trleb an, durch fortgeselzlen kampf ihu zu ermatten. Werinhard trat auf, speerwurf verach- teud, kcicher luid pfeile tragend , gegen welche der held sicli niit siebenfachem schilde deckte ; als die pfeile ver- gebens entsandt siud, greift Werinhard zum schwert: 'kanust du hifligeu geschossen kliiglicli entgehn, so fiihle dcu schlag meiner rechte.' 'darauf wart icli lange, dafs dem kampfe sein recht gescliehe.' Waltharis speer trift des rosses brust, das sich baumt, seinen trager abwirf» und iiber ihu herstiirzt. jener uaht, enlreifst ilim ge- wallsam das schwert, zieht deu helm nieder , fafst die blonden locken, uud haut dem fruchtlos flehenden das haupt ab.

Drei leichname schrecken nicht Gunlhari; sein vierter kampfer erscheint, Eckefrid von Sachsen , der eiuen vornehmen niann erschlageu und aus seiner hei- uiat die flucht ergrifl^en hatle. als dieser den heldeu kampffertig slehu sielit, rufl er ihm zu : 'ist auch be- riihrbar dein leib, unseliger, oder teuschest du durch luftgebilde? ein sclirat scheiusl du mir, der iu wiildern hauset.' 'und du', antvvortet Walthari hohnlachend, 'dich verriith deine welsche sprache, triigerischem volke enlslamnist du; doch wagsi du dlch uaher mid erreiclu

86 WALTIIAlinJS.

clich meiue rechle, so kannst du einmal den Sachsen erzali- len, dafs ini Wasichenwald ein scliral dir erscliienen sei.' 'icli wills versuchen, was du bist' sagt Eckefrid , und sclileudert die eisenbeschlagne lanze, welclie gebrochen voni harlen schilde am rienien zuriickfahrt. Wallhari : 'dies dein geschenk sendel der vraklsclirat dir wieder ; sleh nun zu, ob mein geschols besser durchdringe !' *) den hautbedeckten schild spaltet der speer, zerreifst das gewand und silzt fest in der hinge. Eckefrid stiirzt und vergiefst einen strom von blut, sein pferd wird von Walthari gefafst und hiulcn auf die weide gelrieben.

*) in den versen 760-774 ist die bestimmung der re.^eaden 'schwierig , iind dafs schon afjschreiber zweifelten , ergibt die ver- schiedenlieit der Jesart zu 760. nieine annalime griiiidet sich da- raiif, dafs ^V. an seinem felsen stehend die kampfer herannalien, sich von ihneu anreden und angreifen lafst , eh er antwortet und zur wehre schreitet. dem E. konnte W. im Vosagus als geister- hafte erscheinung vorkommen und v. 774 nennt er sich selbst ei- nen waldschrat. celtica lingua ist wol nichts anders als welsche, unverstandliche, das muste fiir W. , der blofs mit Franken ver- kehrt hatte , die slichsische sprache sein. auch scheinen die worte propius venientem (767) nur auf E. , dextera nostra blofs auf W. beziiglich. Ware umgekehrt hunc ubi VValtharius recht , und be- giinne W. das gesprach , so hatte man vorauszusetzen, ihm sei E. als verbannter waltgengo faunisch erschienen, oder als wilder Sahse (Gndr. 366, 4, 5003, 4. Lohengr. 150 vgj. feroces Saxo- nes Pertz 2, 3^67, docii Franci feroces Pertz 1, 282. kiindic alsein Sahse, Amis 1043.) aber W. kannte von allen kampfern Guntha- ris allein den Hagano, wie hatte er, bevor E. noch ein wort ge- redet, ihn als Sachsen erkannt? etwa nur an der ferrata cornus? und wie soll celtica lingua auf den Aquitaner (Wascen) gehn, des-