Elternfehler Von Dr. Oskar Pfister Pfarrer in Zürich Verlag der Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik Wien i Ti" I Die neue Arbeitsgemeinschaft: Vater, jMLutter, Erzieher und Arzt ist b egründet durch die „^Zweitschrift für psychoanalytische Pädagogik" Die den Schlüssel zur Seele des werdenden ^Menschen suchen, seine richtigen und falschen Grrundein~ Stellungen zum Leben, aus denen Ckarakter und Schicksal erwachsen, wirksam verstellen wollen, linden hier Deutung, Beobachtung, Ürlah- rung und Anregung in reicher Tülle Prof. Freud schreibt den Heraus- gebern: n . . . Sie verpflichten durch d iese Schöpfung einen großen Kreis von jMLenschen zu Dank . . ." " * Elternfehler V, Ol) Dr. Oskar Pfistei Pfarrer in Zürich Scparatabdruck aus der »Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik", III. Jg. 19 29 Verlag der Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik Wien, I., Börsegasse 11 . INTERNATIONAL PSYCHOANALYTIC UNIVERSITY DIE PSYCHOANALYTISCHE HOCHSCHULE IN BERLIN Über Elternfehler zu schreiben, heißt dies nicht ein gefährliches Pandorafaß öffnen und ein garstiges Geistergesindel heraufbeschwören? Gelingt es uns, auf knappem Räume in der wilden Walpurgisnacht elter- licher Irrungen Ordnung zu schaffen? Sehen wir uns nicht vor die Wahl gestellt, entweder durch Banalitäten zu langweilen, oder durch Aufdeckung der unbewußten Hintergründe zu entsetzen, jedenfalls aber durch eine lückenhafte Darstellung Mißbehagen zu hinterlassen? Der Publikationsort unserer Untersuchung hebt uns über manche Schwierigkeiten hinweg. Nur insofern haben wir uns mit den Elternfehlern zu befassen, als die Psychoanalyse ein neues Licht auf sie wirft. Das zu bearbeitende Gebiet ist noch immer ungeheuer weitläufig; denn es gilt, nicht nur die Maulwurfsgänge nachzuweisen, durch welche unzweck- mäßiges elterliches Verhalten die Fluren der Zöglingsseele schädigt, sondern auch für Wesen und Ursprung jener erzieherischen Mißgriffe mit Hilfe der Freudschen Tiefenpsychologie Verständnis zu gewinnen. Einigen wir uns zunächst über den Begriff der Elternfehler! Er ist so relativ als nur möglich. Maßregeln, die sich gegenüber manchen Zöglingen aufs beste bewähren, erweisen sich gegenüber anderen als verhängnisvoll. Die analytisch belehrte Pädagogik sah sich gezwungen, jenem Methodismus, der mit allgemeinen Rezepten arbeitete, weil er die Schleichwege des Un- bewußten im Zögling nicht kannte, den Krieg anzusagen. 1 Ohne genaue Kenntnis der unterschwelligen Prozesse der Kindesseele ist es unmöglich, zu bestimmen, was ein Elternfehler sei. Anders ausgedrückt: Das Problem des Elternfehlers ist zum großen Teil eine Frage der Kinderpsychologie, i) Vgl. mein Buch „Die psychanalytische Methode", 3. Aufl., 1924, S. 563 ff ■. Oskar Pfislcr \uid zwar einer solchen, die auch auf abnorme und durch Verdrängung mitbedingte psychische Prozesse Rücksicht nimmt. Schon aus diesem. Grunde konnte es bis zur Entdeckung der Psychoanalyse eine befriedigende Bearbeitung unseres Themas nicht geben. Damit, daß man einen Normal- lypus Kind aufstellt, und nun die seiner Erziehung nachteiligen Hand- lungen darstellt, befriedigt man höchstens naive Leute, den Bedürfnissen des Lebens aber wird man nicht gerecht. Weitere Relativitäten erwachsen dem Begriff des Elternfehlers aus der Auffassung des Erziehungszieles. Wer z. B. eine asketische oder autoritäre Pädagogik vertritt, wird manches als weise und zweckmäßig buchen, was der Verfechter einer freien Persönlichkeitserziehung verurteilt. Ohne auf prinzipielle Erörterungen einzutreten, bestimme ich als Eltern- fehler dasjenige Verhalten, das dem Zögling die Gewinnung eines möglichst tüchtigen, gesunden und ethisch hochwertigen Individual- und Sozial- charakters erschwert. Innerhalb welcher Grenzen wir uns mit diesem. Gegenstand beschäftigen, wurde angegeben; wir erinnern auch noch daran, daß uns die unbewußten Wirkungen und Ursachen der Elternfehler besonders am Herzen liegen. Elternfehler bei der Erziehung des Individualcharakters Wenn wir Individual- und Sozialcharakter getrennt besprechen, so ge- schieht es nicht ohne die Einsicht, daß in Wirklichkeit beide aufs engste verbunden sind, wenn auch die Entwicklungshöhe der einen Richtung derjenigen der anderen überlegen sein kann. Nur eine abstrakte Unter- scheidung, nicht eine sachliche Trennung haben wir im Auge. Zwei allgemeine Fehler stellen wir voran: Die Aufstellung des Erziehungsplanes ohne Rücksicht auf die Eigenart undNeigung des Kindes, sowie die Ziellosigkeit der Erziehungs- arbeit. Wir reden zuerst von den Wirkungen des Erziehungsplanes, der sich um des Kindes besondere Eigenschaften und Wünsche nicht kümmert. In diesem Fall entstehen durch den Konflikt zwischen Elternwillen einerseits, kindlichen Wünschen und Fähigkeiten andererseits, Verdrängungen, die neurotische Erkrankung und Fehlentwicklung des Charakters zur Folge haben können. Eine Reihe von ineinandergreifenden Prozessen wirkt dabei mit: Wo im Kinde durch Ödipushaß, Kränkungen der narzißtischen An- sprüche, Kastrationsdrohungen, Freiheitsberaubung, Elterngezänk, Rigoris- mus usw. eine mehr oder weniger bewußte Trotzeinstellung erworben wurde, kann wertvollen Funktionen," für die gute Beanlagung vorhanden ist, das Lustgefühl entzogen werden, so daß das Interesse für sie entschwindet, die Aufmerksamkeit versagt und die Qualität der Leistung auf ein Mini- mum herabgesetzt wird. Durch den Geg endruck der Eltern wird der Konflik verschärft, die Leistung noch mehr verschlechtert, Liebe und Lebens- k.- ■■■ii Oskar Pfister Stimmung geraten auf immer üblere Bahnen, und zuletzt erfolgt in extremen Fällen eine Katastrophe. Dabei beobachtet man gewöhnlich deutlich gewisse Gedanken, die als Reaktion auf den erzieherischen Despotismus ins Dasein treten; sie lassen sich in die Worte fassen: „Ich leiste Gehorsam, räche mich aber am Tyrannen, indem ich zugrunde gehe" und: „Es geschieht dem Vater (oder der Mutter oder beiden) ganz recht, wenn ich verderbe!'* Der Ruin kann durch eine schwere Neurose, durch moralischen, und zwar durch Triebverklemmung zum Zwang gewordenen Untergang, oder durch Selbstmord bewerkstelligt werden. Auch lassen sich diese Ausgänge kom- binieren. Wie die negative, so kann auch die positive Bindung an die Eltern verderblich wirken. Das liebende Kind übernimmt den seiner Natur un- gemäßen, aber den Eltern genehmen Erziehungsplan, wirft den größten Teil seiner Lebenssehnsucht in ihn hinein und leidet an ihm schweren Schaden. Obwohl die Kraft nicht ausreicht, jagt es in leidenschaftlicher Liebe und inbrünstigem Pflichtgefühl einem unerreichbaren Ziele nach, bis es die Aussichtslosigkeit seines Unterfangens einsieht und Schiffbruch leidet. Die Neurose in allen möglichen Formen bietet sich dann als Erlöserin aus der Zwangslage an : unerträgliche Kopfschmerzen, schwere Gedächtnisverluste, Schwindel, Angst usw. werden vom Unbewußten erzeugt, damit der ent- setzliche Kampf abgebrochen werden muß, ohne daß ein Makel auf Liebe und guten Willen fällt. Auch wo es nicht bis zu solchen Fehlentwicklungen kommt, leidet der Individualcharakter unter einem unangemessenen Er- ziehungsplan leicht schweren Schaden, und der neurotische Ausweg, der in biologischer Hinsicht eine Bewahrung vor allzu großer, unmittelbar zu empfindender Unlust darstellt, ist nicht so verhängnisvoll, wie die moralische Mißbildung und Verkrüppelung. Wo im Bewußtsein des Kindes noch immer die Liebe vorherrscht und dem elterlichen Erziehungsplan frondet, findet die Analyse sehr oft bereits den Haß als verborgenen (unterschwelligen) Diktator vor. Der aufgedrängte Erziehungsplan stellt aber mit nichten den einzigen fatalen allgemeinen Elternfehler dar. Die Psychoanalyse hat das andere Extrem der pädagogischen Schlappheit als ebenso gefährlich erfunden. Gemeint ist nicht der Wankelmut, der zwischen verschiedenen Programmen hin und her pendelt, so verderblich solches Treiben die Kinderseele beein- flußt, sondern jenes pädagogische Manchestertum, das im „Laisser faire, laisser aller" das Heil und den Weisheitsschluß der Erziehung erblickt. Es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß die Sprößlinge schwächlicher und gleichgültiger Eltern, die ihren Liebling mit Zärtlichkeiten und Lust- angeboten überschütten, ganz ebenso sehr auf das Geleise verunglückter Individualentwicklung geraten, wie despotische Erzieher. Der Grund liegt ohne Zweifel darin, daß durch diese Pädagogik des Zuckerbrötchens und — - Elternfehler bei der Erziehung des Individualdiarakters 7 der äffischen Zärtlichkeit die primären Triebfunktionen zu sehr anschwellen, die Sublimierungsfähigkeit aber zu wenig ausgebildet wird, so daß die Ödipusneigungen allzusehr zunehmen, und beim unvermeidlichen Zu- sammenstoß der niedrigen Regung mit der Gewissensforderung nicht der Aufschwung zu höherer Lebensentfaltung erfolgt, sondern der Abstieg ins Purgatorium der moralischen oder neurotischen Verirrung. Darum bedeutet die laxe Erziehung, die dem Kinde keine wertvolle Arbeit, keine Verzichte auf sinnliche Lust, keine ernsten sittlichen Grundsätze zumutet, einen der bedenklichsten Elternfehler. a) Der Intellekt Die beiden Grundrichtungen der despotischen Verdrängung und des sublimierungsfreien Libertinismus begegnen uns immer wieder, wenn wir uns der Heranbildung der einzelnen psychischen Funk- tionen zum Individualcharakter zuwenden. Wir beginnen nach altem, praktischem Schema mit der Erziehung des Intellekts. Dem Geiste der mit Überdruck arbeitenden Erziehung entspricht es, dem Kinde zu viel Wissensstoff aufzunötigen und dabei erst noch die Wißbegierde des jungen Geistes zu mißachten. Oder es werden Schulleistungen verlangt, die durch die Begabung nicht gerechtfertigt sind und nur auf Kosten einer gesunden Allgemeinentwicklung erzielt werden können. Wie manches Kinderleben hat unter der Fuchtel solcher überspannter Forderungen an den Intellekt schwer gelitten 1 Verbindet sich mit dem gestrengen Schulvogt der väterliche und sogar der mütterliche Wille, so erleidet die Liebe zu den Erziehern schlimme Einbuße, und die erlittenen Niederlagen im Kampf um stattliche Lernerfolge bewirken Unwertsgefühle, die wiederum viel Kraft rauben und so den Niedergang beschleunigen. Dermaßen gehetzte Kinder ergeben sich oft autistischen Träumereien, in denen der von der Wirklichkeit abgestoßene Kindergeist sich einen mageren Ersatz ver- schafft für den Verlust an Lebensfreude und naturgemäßer Auswirkung der vorhandenen Kräfte. In diesen Zusammenhang gehört auch das Aufnötigen der elter- lichen Denkweise und die Unterdrückung freier Ansichten im Kinde. Wo solche Bestrebungen äußerlich Erfolg haben, indem das Kind sich unterwirft, bildet sich nicht selten in ihm ein Geist der Auflehnung, der sich bis zum Hasse steigern kann. Dieser wird meistens lange verdrängt, da das Gewissen ihn ablehnt. Oft aber verschafft sich der Grimm endlich einen Zugang zum Bewußtsein des Zöglings. Das Denken wendet sich alsdann gegen alle Ansichten, die von der jetzt entthronten Autorität auf- gehalst worden waren, gegen die religiöse, staatliche, ästhetische, moralische Tradition, und läßt in fanatischer Weise an jenen Ideen die Wut aus, die eigentlich ihrem tyrannischen Vertreter galt. Extreme Theorien, die 8 Oskar Pfister mit heftigen Affektentladungen vorgetragen werden, sind meistens ein e Reaktion auf den Elternfehler der Geistesintoleranz und erzieherischen Ver- gewaltigung des Kinderintellektes. Als Oppositionsprodukte, die nicht der Natur des Gegenstandes und der wahren Natur des Denkers ihren Inhalt verdanken, sind solche Gegenideen unfrei, während sie doch gerade Freiheit zu verfechten glauben. Freud erinnert daran, daß oft die Religion mißbraucht wird, um dem kindlichen Denken die Schwingen zu beschneiden und es flugunfähig z.\x machen, indem man die Frage nach dem Ursprung einzelner Objekte durch den Hinweis auf Gott als den Schöpfer beantwortet und damit das kausale Denken auf einen Gemeinplatz hinausstößt. Freud führte auch den Nach- weis, daß die Lüge und das Rede-, ja Denkverbot gegenüber geschlecht- lichen Stoffen die Denkfreudigkeit und die Energie des kühnen Denkens bedenklich Schaden leiden lassen; das in einer dem Kinde sehr wichtig scheinenden Sache an eine Wand angestoßene Denken wird an sich selbst irre und wagt sich nicht mehr mit derselben Keckheit an andere Stoffe hinan. Auch bei dieser Denkhemmung kann die Verdrängung eine große Rolle spielen. Das andere Extrem, das keine angestrengte Denkleistung vom Kinde fordert, ja sogar seinen Wissenstrieb unbefriedigt läßt, verhindert eine der ßeanlagung entsprechende Ausbildung der Denkkraft und schützt keines- wegs vor Verdrängungen, welche zur Neurosenbildung und Charakter- verzerrung führen. Der Grund wurde bereits oben angegeben. Überhaupt muß man sich klar machen, daß die Ausbildung des Intellekts durch diejenige des Fühlens und Wollens aufs stärkste mitbedingt ist, und zwar nicht nur in bezug auf den Grad der Entwicklung, sondern auch in der Wahl des Denkstoffes und in den Ergebnissen des Denkens. Elternfehler können Kinder derart von der Wirklichkeit abdrängen, daß sie einen Groß- teil ihrer psychischen Kraft in Tagträumereien werfen, die meistens keinen dichterischen Wert haben und nur der Eigenliebe schmeicheln ; daß sie einer unerträglichen Wirklichkeit eine nach den Bedürfnissen des Herzens geschaffene Phantasiewelt gegenüberstellen, ist immerhin oftmals ein Schutz gegen Verzweiflung, wenn auch das wirklichkeitsgerechte Denken dabei verkürzt wird. Dasselbe gilt von der Lesewut. Andere entziehen sich infolge von Verdrängungen, die durch ungeeignetes Verhalten der Eltern ge- schaffen wurden, der Wirklichkeit derart, daß sie sich in ein formalistisches Denken oder metaphysische Spekulationen zurückziehen 1 . Besondere Bedin- gungen halten das Denken vom Reich des Physischen oder des Psychischen ab. Sehr häufig beobachtet man auch ein psychologisches Denken, 1) Vgl. mein Buch „Zum Kampf um die Psychoanalyse", Aufsatz IX: „Das Kinder- spiel als Frühsymptom krankhafter Entwicklung, zugleich ein Beitrag zur Wissenschafts- psychologie" (42a ff). Elternfehler bei der Erziehung des Individualdiarakters 9 das den wichtigsten seelischen Realitäten geflissentlich aus dem Wege geht und sich auf handwerkliche oder naturwissenschaftliche Untersuchungen beschränkt, welche der Seelenforschung dienen sollen, die tieferen seelischen Konflikte und ihre Lösungen aber geflissentlich vermeiden. Auch dieses, einer höheren Wissenschaftlichkeit zuwiderlaufende Tun läßt sich oft als eine Wirkung von Verdrängungen und Triebverklemmungen nachweisen und auf ungünstige elterliche Einflüsse zurückführen. Dabei ist aber nicht zu übersehen, daß die tiefsten Kenner der Seele, die Dichter, unter dem Einflüsse von Verdrängungen ihre poetischen Inspirationen und ihren seherischen Tiefblick erlangten. Trunksüchtige Väter, die ihre Kinder gröb- lich mißhandeln und einzelne von ihnen verderben, locken im genial ver- anlagten Kinde unter Umständen grandiose Kompensationen hervor, die auch intellektuelle Höchstleistungen darstellen können. b) Das Gefühl So zwingt die organische Einheit der menschlichen Psyche, die Verstandes- ausbildung im Zusammenhang mit der Erziehung des Gefühlslebens zu untersuchen. Zunächst einige Worte über den Zusammenhang zwischen Elternfehlern und falschen Kräfteverhältnissen des kindlichen Gefühlslebens. Wenn ein Kind elterlicher Strenge oder auch Verzärtelung ausgesetzt war, treten verschiedene unerwünschte Wirkungen in der Gefühlsdynamik des Zöglings ein, je nach dem Verhältnis zwischen den Seelenkräften des letzteren und den erlittenen Erziehungseinflüssen. Das allzu streng be- handelte Kind wird häufig allzu empfindsam; seine verwundete Seele reagiert auf geringfügige äußere Anlässe mit heftigen Gefühlsausbrüchen, wie Narben des Leibes oft schon bei schwacher Reizung schmerzen. Ein gelinder Tadel weckt die ganze Kindernot und damit eine Flut von Affekten. Weinerlichkeit ist häufig ein Symptom qualbereitender Elternfehler, doch können auch andere Traumata, besonders Schreckerlebnisse, sie bewirken. Aber auch Lustgelegenheiten erhalten bei kärglicher Lustverabfolgung durch das Elternhaus leicht eine übermäßige Betonung; der Mangel an Freude soll ausgeglichen werden. Nicht weniger schafft Verzärtelung Gefühls- überschwänglichkeit. Das verwöhnte Kind, das im Geiste der Affenliebe aufwuchs, kultiviert seine Gefühle mit besonderer Aufmerksamkeit, ergibt sich der Genußsucht, ohne energisch auf Lust auszugehen und leidet sehr empfindlich, wenn das Leben seinen Lustansprüchen nicht genügt. Nimmt die Verzärtelung des Elternhauses ein Ende, so wird der Umschwung als ein Unrecht angesehen und mit Schmollen und Trotzen bestraft, was natürlich nur schadet. Auch von solchen nachträglich enttäuschten Kindern wird der vergönnten Lust ein übermäßiger Wert beigelegt. Manche leicht- sinnige Handlung, vielleicht auch fortgesetzt leichtfertiger Wandel und un- «J**J ' ' ' 10 Oskar Pfister verbesserliche Hingabe an sinnliche Freuden stehen insofern mit Eltern- fehlem in Zusammenhang, als dem kindlichen Verlangen nach Zärtlichkeit zu viel oder zu wenig Rechnung getragen und die sukzessive Hinlenkung von niedrigen zu hohen Gefühlen unterlassen wurde. Auch dabei spielt die Verdrängung oft eine ausschlaggebende Rolle: Wo die Liebe des Kindes geschädigt wurde, sei es durch Strenge, sei es durch Vernachlässigung, ent- spinnen sich böse Wünsche, meistens Todeswünsche, die vom Gewissen ab- gelehnt und verdrängt werden, und nun schlagen infolge des kindlichen Trotzes die Sublimierungsbemühungen der Eltern fehl. Die primären und negativen Gefühle erringen die Vorherrschaft. Die Opfer allzu großer Strenge zeichnen sich dabei durch eine gewisse höhnische Verbissenheit aus, durch eine jener Überbetonungen, die allen Reaktionswirkungen eigen sind, während die sublimierungsarm erzogenen Kinder ihre Genußsucht und bequeme Schwelgerei mehr als eine Art guten Rechtes anzusehen pflegen. Den gefühlsüberschwänglichen stehen die gefühlsarmen und ge- fühllosen Erzieher gegenüber. Eltern müssen ihre Kinder lieben lehren. Ersticken sie durch Herzlosigkeit und allzu scharf gespannte moralische Zumutungen die Neigung im jugendlichen Gemüte, so wird die Entwick- lung auf eine falsche Bahn gedrängt. Dabei kann der Haß sich im Bewußt- sein breit machen oder im Unbewußten glühen, in welch letzterem Fall seine Macht weit größer ist. Die analytische Untersuchung beweist, daß hinter scheinbarer Gleichgültigkeit und Abgestumpftheit oft, bewußt oder unbewußt, eine Lavaglut von Gefühlen steckt. Manche, die ihre Gefühle nicht zu äußern vermögen, leiden hierunter schwer. Und manche, die auch dieses Leiden zu verdrängen vermochten und sich dem Zustand des Nir- wana oder des lebenden Automaten näherten, gerieten in Lebensüberdruß und wilde Verzweiflung, die sich an den lebenden oder längst verstorbenen Erziehern ingrimmig zu rächen weiß, indem sie die eigene Existenz ruiniert. Die Aufbauschung der Gefühle geht, wo den Eltern die richtige Er- ziehung des Gefühlslebens mißlang, auf Kosten der übrigen seelischen Funktionen vor sich. Das Denken büßt einen Teil seiner Objektivität ein, indem das Gefühl sich auf dem Wunschwege stärker durchsetzt. Die Logik muß vor den Eingebungen der Sinne oder des Herzens die Segel streichen. Und der Wille verliert einen Teil seiner natürlichen Rechte, weil das Gefühl zu viel seelische Energie verschlingt und sich selbst als eigentlichen Lebenszweck hinstellt. So entsteht eine Sentimentalität, die mit riesigen Gefühlsmassen prunkt, ohne daß echte Seelenkräfte hinter ihnen stecken. Haben die Eltern das Gefühl ihrer Kinder ungebührlich in den Vorder- grund geschoben, indem sie seine Ansprüche kalt mißachteten oder süßlich überschätzten, jedenfalls aber Denken und Wollen zu wenig pflegten, so können alle möglichen Gefühle wuchern: Nicht nur die sinnlichen, sondern Elternfehler bei der Erziehung des Individualdiarakters 11 auch die sublimierten. So entsteht der Schöngeist, der aus seinen ästhetischen Genüssen eine ungeheure Sache macht, der sozialen Not aber gleichgültig und verständnislos gegenübersteht (vgl. Gottfried Kellers Gedicht „Der Schöngeist"), der religiöse Schwelger, der in religiöser Romantik oder Mystik den höchsten Lebensinhalt sieht, bei der Überwindung mensch- licher Leiden und Verfehlungen aber schmählich versagt. Andere Gefühls- aufbauschungen, die aus Elternfehlern hervorgehen, sind in positiver Hin- sicht die Eitelkeit, die genußsüchtige Liebe, Naturschwärmerei, optimistische Weltanschauung mit Ausschaltung aller Kritik der irdischen Mängel, in negativer die Wehleidigkeit, die Gereiztheit, die Verstimmung, der alle Werte zerfressende Weltschmerz, die Lebensmüdigkeit. Sie alle tragen wichtige Wurzelfasern, die sich in eine falsche Lenkung der Gefühls- entwicklung durch die Eltern hinabsenken. Der Raum gestattet nicht, die Werdegänge der einzelnen Gefühle nachzuweisen. Aus der Ungeheuern Fülle von Gefühlen, die mit Elternfehlern zusammenhängen, greifen wir nur wenige heraus, da sie von besonderer Wichtigkeit sind. In erster Linie nennen wir das Selbstgefühl, das für den Ausbau des Individualcharakters so überaus viel zu bedeuten hat. Bringen Vater und Mutter ihrem Kinde zu wenig Liebe und Verständnis entgegen, so pflegen zwei Störungen einzutreten: Entweder läßt sich das Selbstgefühl knicken, und Unwertgefühle beherrschen die Bildfläche des Bewußtseins, oder es werden die den Eltern anfangs zugewandten Gefühle auf das Ich zurückgezogen, das infolgedessen anschwillt und die Formen der Selbstüberschätzung, der Rücksichtslosigkeit, des Egoismus annimmt. Ohne Glauben an sich selbst fehlt der Mut, Schweres zu unternehmen und tatkräftig durchzuführen, es fehlt der Frohsinn, der die harte An- strengung versüßt und die letzten Kräfte entbindet, es fehlt das Freiheits- gefühl, das auch in schwieriger Lage standhält. Die weiteren Wirkungen sind bei der Besprechung des Sozialcharakters zu untersuchen. Genug, das Geringwertigkeitsgefühl gleicht dem Sande, den der Sträfling einer afri- kanischen Fremdenlegion in seinem Tornister mitschleppen muß; von Demut ist es weit entfernt. Die Selbstüberhebung, die auf elterliche Lieb- losigkeit, Strenge und Geringschätzung negativ reagiert, schädigt die Indi- vidualentwicklung in kaum kleinerem Ausmaß. Die Fähigkeit, sich liebe- voll irgendwelchen Dingen hinzugeben, auch wenn sie nicht zur Aus- schmückung des lieben Ichs dienen, bleibt klein; damit ist eine bedeutende Verengerung des geistigen Horizontes, der Genußfähigkeit und des sittlichen Wirkungsbereiches herbeigeführt, wenn auch auf den Gebieten, die dem Ichling Selbsterhöhung versprechen, eine Kraftsteigerung eintritt. Hinter dem Hochmut, der die Bildfläche des Bewußtseins beherrscht, lauert meistens das Unwertsgefühl, das jene entgegengesetzte Reaktion hervorrief, aber sie sehr oft über den Haufen wirft und selber das Bewußtsein ein- 12 Oskar Pfister nimmt; von der Selbstüberhebung zur Selbstentwertung ist oft nur ein Schritt. Sorgfältige Behandlung erheischen die F u r c h t- und Angstgefühle. Die Freudsche Psychologie unterscheidet beide darnach, ob wirkliche Gefahr vorhanden sei oder nicht. Furcht ist eine normale Erscheinung, so unzweckmäßig ihre Äußerungen mitunter ausfallen mögen. Die Angst dagegen, die sich ohne wirkliche Gefahr verhält, als bestünde eine solche, oder die auf eine winzige Gefahr mit enormen Affekten reagiert, muß stets als krankhaft bezeichnet werden. Pflicht der Eltern ist es, ihre Kinder auf Gefahren aufmerksam zu machen und sie zu zweckmäßigem Verhalten anzuleiten. Dagegen ist es ein schwerer Fehler, die Furchtgefühle künstlich, zu steigern und den Schein zu erwecken, als lauerte an jeder Ecke eine Gefahr. Vielmehr sollen die Erzieher auf die Herstellung kluger Vorsicht, Besonnenheit und Tapferkeit ausgehen, im übrigen aber das Hochgefühl der Sicherheit pflegen, wobei ein gesunder Gottesglaube wertvolle Dienste leistet. Wurde das Kind von wirklicher Gefahr betroffen, sei es durch Un- glück, sei es durch menschliches Verschulden, so wäre es ein grober Fehler, aus dem Erlebnis eine allzu große Sache zu machen, oder auch sie als Bagatelle oder dunkles Geheimnis bei Seite zu schieben. Wird das Schreckerlebnis durch elterlichen Spruch überbetont, so wirkt es erst recht verdrängend und traumatisch (verwundend) ; entzieht man es der belehrenden Diskussion, so ist derselbe Ausgang zu befürchten. Deshalb ist beruhigende Sachlichkeit das richtige Verfahren, wobei Tapferkeit, Klugheit und sittlicher Ernst sich die Hand reichen müssen. Die Erregung einer feigen Angststimmung im allgemeinen, oder besonderer Ängste (Nachtschrecken, Angst vor Fröschen, Mäusen, Käfern, Abgrundschwindel, Platzangst usw.) hängt jedoch von besonderen Bedin- gungen ab. Die gruseligsten Gespenster- und Räubergeschichten werden niemals so viel suggestive Kraft besitzen, daß sie das Kind auf längere Zeit in Angst niederhalten können, wenn nicht starke Triebstauungen vorhanden sind, und wo solche hausen, bedarf es keiner Schreckerlebnisse, um Angst zu erzeugen. Schreckerlebnisse und Schreckgeschichten wirken somit nur auslösend. Es gehört zu Freuds wertvollsten Entdeckungen, er- kannt zu haben, daß die Angst stets eine Wirkung von Triebstauungen darstellt. Wenn er insbesondere gehemmte Sexualität für sie verantwortlich macht, so befindet er sich bei seinem Sprachgebrauch in vollkommener Übereinstimmung mit dem Neuen Testament, das im ersten Johannesbrief, Kapitel 4, Vers 18 sagt: „Wer sich ängstigt, der ist nicht vollkommen m der Liebe", d. h. er leidet an Liebesdefekten. Es ist leicht einzusehen, daß auch diese Hemmungen und Hindernisse meistens mit Elternfehlern zusammenhängen und zwar nicht nur mit Fehlern, die auf dem später zu besprechenden Gebiete der sexuellen Erziehung im engeren Sinne Elternfehler bei der Erziehung des Individualcharakters 13 begangen wurden, sondern auch mit Liebesversagung, unzärtlicher Pflicht- strenge, asketischem Rigorismus, Überbürdung mit Arbeiten ohne genügende Gelegenheit zu fröhlichem Spiel und ungezwungenem Zusammensein mit Altersgenossen, Verletzungen des kindlichen Geltungsbedürfnisses u. dgl. Die Angst äußert sich gewöhnlich zuerst in den Träumen, aber auch in Nachtangst, Schlafwandel, Asthma (das wohl in der großen Mehrzahl der Fälle eine seelisch bedingte Angsterscheinung darstellt), Stottern, Erröten, krankhaftem Schwitzen, übermäßiger Schüchternheit, Bangen vor der Zu- kunft, dem Tode, Hypochondrie usw. Selbstverständlich können diese Symptome nicht in jedem Falle als Wirkung von Elternfehlern angesehen werden; doch sollte es bei einer Erziehung, die Liebe und Bewegungs- freiheit richtig dosiert und überdies die von außen auf das Kind ein- dringenden Einflüsse geschickt überwacht, in den allermeisten Fällen mög- lich sein, angstschaffende Triebstauungen zu vermeiden, zumal wenn ver- trauliche Aussprache an die Eltern bei allen wichtigen Erlebnissen zur Gewohnheit wurde. Besondere Aufmerksamkeit beansprucht sodann die Erziehung der sitt- lichen Gefühle. So wichtig es ist, auf die Herstellung einer ernsten Ver- urteilung des Bösen und eines scharf urteilenden und verurteilenden Gewissens hinzuwirken, so muß es doch als schwerer Fehler bezeichnet werden, wenn unter der Marke des sittlichen Ernstes nur das strafende und ermahnende Gewissen als Richtschnur des ethischen Verhaltens aus- gegeben und gepflegt wird. Sogar das alte Testament stellt neben den strengen und eifersüchtigen Gott, der da heimsucht der Väter Missetat bis ins dritte und vierte Geschlecht, den Gott, der Barmherzigkeit übt an vielen Tausenden (2. Mos. 20, V. 6). Dem Analytiker begegnen nicht selten Opfer eines ethischen Rigorismus, der einseitig die strafende und ver- dammende Stimme des Gewissens weckt. Dabei werden die Verdrängungen vermehrt und verstärkt. Die sittliche Leistungsfähigkeit erfährt dabei keines- wegs einen Zuwachs, sondern im Gegenteil eine bedenkliche Schwächung. Je eifriger und fanatischer ein Fehltritt bekämpft wird, desto mehr erlangt er unter Umständen neurotischen Zwangscharakter und setzt sich im Zeichen der Angst und Selbstverurteilung erst recht mit enorm gesteigerter Frequenz und Intensität durch. Dabei pflegt sich der Machtbereich des Bösen auszudehnen, bis in den schlimmsten Fällen der neurotische Charakter den Kampf aufgibt und in Lebensüberdruß oder Verzweiflung, leben- zerfressende Krankheit oder das Laster leidenschaftlich bejahende moralische Verdorbenheit hinabsinkt. Die als pathologisch anerkannten Obsessionen oder Zwangsimpulse werden zu In Sessionen, bei denen das Merkmal des äußeren Zwanges aufhört und Freiheitsbewußtsein auftritt, obwohl unter der Bewußtseinsschwelle die verdrängten Triebregungen sich nicht weniger krankhaft der Usurpation schuldig machen und die wahre Person- 14 Oskar Pfister lichkeit vergewaltigen. Nicht wenig sittliche Verwahrlosung ist in erster Linie dem Elternfehler des ethischen Rigorismus anzukreiden. Nur als Organ der sittlichen Liebe und im richtigen Verhältnis zum Moralgebot der erlösenden Gnade und Vergebung kann das Verständnis für die Normen der Gerechtigkeit und die Tatsachen des Gewissens moralpädagogisch richtig dargeboten werden. c) Der Wille Wir wenden uns nun der Willenserziehung, in die wir notgedrungen bereits übergriffen, zu, wobei wir wiederum zuerst ihrer Dynamik unsere Aufmerksamkeit zuwenden. Willenslähmungen kommen u. a. durch folgende Elternfehler zustande: Lenken die Eltern durch Strenge, Parteilichkeit, geringschätzige Behandlung, Zanklust, sexuelle Unvorsichtigkeit, Streit zwischen Vater und Mutter usw. die Abneigung des Kindes auf sich und wird der Grimm ganz oder größtenteils verdrängt, so entsteht oft die sogen . Hamletbildung, die zwangsmäßige Unfähigkeit zu kraftvollem Wollen und Handeln. Sie ist nicht selten dadurch hervorgerufen, daß die gegen die Eltern eingenommene zwiespältige Stellung, bei welcher Liebe und Haß aufeinander stoßen und zur Untätigkeit zwingen, auf die übrigen Menschen und die mit ihnen zusammenhängenden Verhältnisse übertragen wird. Aber auch maßlose Anforderungen oder Verekelung der dargebrachten Leistungen können den Mut und die Kraft des Wollens knicken, ebenso die Verwöhnung und Verzärtelung, die ohne Forderung von Gegenleistungen alle Zärtlichkeiten und sonstigen Annehmlichkeiten des Lebens darbietet und die Überschüttung mit mühelos erlangten Genüssen, besonders solchen sinnlicher Art. Zu unterscheiden ist die gewollte und die als Zwangs - zustand gefühlte Energielosigkeit. Erstere, die freiwillige Schlappheit des Willens, kann darauf zurückgehen, daß die Willensanlage ungenügend ent- wickelt wurde, oder auf Verdrängungen, die ein bereits kräftig entwickeltes Willensleben zerbrachen, indem die Triebfedern des Wollens, vor allem die Menschenliebe und das Pflichtgefühl, durch entgegengesetzte Impulse unter der Bewußtseinsschwelle paralysiert wurden. So gibt es eine doppelte freiwillige Energielosigkeit: eine primäre und eine sekundäre; anders be- zeichnet j eine bodenständige und eine vorgeschobene. Letztere ist als In- session dem Zwang zur Willenlosigkeit (oder Tatenlosigkeit) nahe verwandt. Zu unterscheiden sind auch die verschiedenen Stadien, in denen der Wille versagt: Bei der Ausführung der geplanten Handlung, bei der Ver- einigung der Projekte zum einheitlichen Entschluß, bei der Überleitung starker Wünsche zum Vorsatz, etwas zu ihrer Erreichung zu unter- nehmen usw. Willenshemmungen stecken demgemäß auch hinter sehr starken Willensäußerungen, die sich in gigantischen Tagträumen, Plänen, ja sogar kraftvoll begonnenen Aktionen unternehmen. Manche versagen regel- Elternfehler bei der Erziehung des Individualdiarakters 15 mäßig erst'dann, wenn sie dem Gipfel nahe gekommen sind. Auf welchen psychologischen Bahnen die verursachenden Elternfehler an den Kindern gerächt werden, kann nicht im Einzelnen ausgeführt werden. Viele Eltern, die ihre Kinder zu Tatmenschen erziehen wollen, peitschen den Willen in ungesunder Weise auf. So entstehen zappeliges Wesen, Vor- eiligkeit und Oberflächlichkeit, unstetes, unzuverlässiges, wankelmütiges Wesen. Es fehlt das ruhige, tiefe Überlegen, das Einsetzen der ganzen Persönlichkeit, das tiefinnerliche Erfassen des Zieles. Solche Unstete, die bei krankhafter Ausprägung den sub manischen Tatendrang vorführen, leiden ausnahmslos an innerer Zerrissenheit und erreichen gewöhnlich viel weniger, als die echten, ihre ganze Denk- und Gefühlskraft aufbietenden Persönlich- keiten. Ihr Treiben hängt auch insofern oft mit Elternfehlern zusammen, als sie sich nicht anders aus einer sehr unglücklichen Lage zu helfen wissen. Die meisten dieser ein ungeheures Wollen vorspiegelnden Willens- schwächlinge suchen Glück und Befriedigung; sie glauben durch Ein- wirkung auf die Außenwelt den Mangel beseitigen zu können. Eine richtige Willenserziehung ist nach dem Gesagten nur möglich, wenn auch dem Denken und Fühlen gegeben wird, was ihnen zukommt. Sie schließt aber auch in sich, daß die für den Zögling normale Willens- richtung erkannt und gefördert wird. Dazu gehört vor allem die Anbahnung von Sublimierungen ohne Schädigung des elementaren Trieb lebens. Zu den schweren Elternfehlern rechnen wir es, wenn das sinn- liche Begehren des Kindes übermäßig kultiviert wird. Die Psychoanalyse tadelt vor allem gewisse später zu besprechende sexuelle Reizungen, deren Gefahren von der landläufigen Erziehung nicht erkannt wurden. Aber nicht weniger ernst zu nehmen ist der Kampf gegen verständnislose Be- kämpfung alles Triebhaften. Sie bewirkt Verdrängungen, Abschiebungen ins Unbewußte und in ihrem Gefolge Triebverklemmungen, die in die fatalsten Fehlentwicklungen abdrängen. Zwischen Triebverdrängungen d. h. Abschiebung gewisser Triebfunktionen ins Unbewußte, wobei das Bewußt- sein die Verfügung über sie verliert und Triebbeherrschung im Sinne eines freiwilligen Verzichtes auf Lustgewinn und gewissenhafter Trieb- verwendung in Übereinstimmung mit den sittlichen Normen, besteht ein Gegensatz. Im ersten Falle wird durch die Abstoßung peinlicher Vorstel- lungen und Wünsche, die dem Gewissen zuwiderlaufen, ein Teil der vor- handenen seelischen Kraft dem Bewußtsein, damit auch dem Gewissen der Vernunft und Liebe, entzogen und muß sich nun automatisch aus- wirken, was eben leicht in krankhaften Symbolen geschieht, während der bewußte Wille einen Teil seines Bereiches verliert. Im zweiten Falle, bei der Triebbeherrschung, geht der bewußte Wille keiner Kraft verlustig; dagegen erfahren diejenigen Willensfunktionen, die von Vernunft, Gewissen und disziplinierter, sublimierter Liebe geleitet werden, eine Verstärkung. 16 Oskar Pfistcr Wir müssen es uns versagen, die einzelnen Aufgaben der Willeris- erziehung und die ihre Lösung verhindernden Elternfehler zu untersuchen. Unser Blick auf die Erziehung des Sozialcharakters wird einzelne Lücken ausfüllen. Jetzt sei nur noch auf eine Art von Willensbetätigungen hin- gewiesen, die in den Lehrbüchern der Pädagogik leider regelmäßig über- gangen wird, wiewohl sie zu den wichtigsten und bei fehlerhafter Be- handlung am verhängnisvollsten wirkenden Tatsachen gehört. Es sind die aus Verdrängungen hervorgehenden Zwangshandlungen. Die ver- drängungsfreien „Zwangszustände", bei denen der Widerstand der primären Triebe gegen den Willen zur Sublimierung als Zwang empfunden wird, lassen wir beiseite. Wir unterscheiden neurotische, d. h. infolge von Ver- drängung entstandene Zwangshandlungen, bei denen die dem Bewußtsein vorschwebende Absicht lediglich vom Unbewußten vorgeschoben ist, so daß hinter dem, der betreffenden Person bekannten Ziele ein anderes, unbekanntes oder unbewußtes steckt, und solche, bei denen eine derartige Substitution nicht stattfindet. Diese unbewußte Absicht kann deswegen nicht bewußt werden, weil sie wegen ihres peinlichen Inhaltes vom Be- wußtsein, und zwar meistens vom Gewissen, verdrängt wurde und nun sich nicht mehr ins Bewußtsein hervorwagen kann. So erklären sich v *ele Fälle von Diebstahl, die für die bloße Bewußtseinspsychologie ewig rätsel- haft bleiben. Bei einem Knaben z. B., der zu Hause Süßigkeiten wenig bevorzugte, aber in zwölf Konditoreien Zuckerzeug gestohlen hatte, erwies sich der mit enormer Anstrengung bekämpfte Zwang als Verkleidung des verdrängten Wunsches nach verbotener Sexuallust. Daher trat das Übel auch nach Überwindung der Onanie auf, und als Nebenerscheinungen machten sich außer der Anhäufung gestohlenen Geldes die Anschaffung einer neuen Badehose (Verhüllung der Blöße) und eines Stuckes neuer Seife (Beinigung, vgl. Waschzwang der Lady Macbeth) auffallend bemerkbar.» Sehr viele Kinderunarten sind solche vorgeschobene Handlungen, die eigent- lich vom Zentrum und Hintergrund der Persönlichkeit gar nicht begehrt werden, sondern eine andere, eigentlich gewollte Tat vertreten. Die andere Art, die man als indirekte Zwangshandlungen bezeichnen könnte, zeichnet sich dadurch aus, daß die betreffenden Aktionen nicht vom Unbewußten ins Bewußtsein vorgeschoben werden; das Bewußt- sein ist für sie voll verantwortlich. Allein sie werden als Zwang empfunder, und müssen insofern Anerkennung ihres neurotischen Charakters hnden, als durch Verdrängungen die normalen, von Gewissen, Vernunft und Liebe beiahten Handlungen verrammelt wurden, bis zuletzt nur noch die Handlung offen stund, die nun als Zwang empfunden wird. Die Trunksucht ist oft ein solches in direktes Produkt neurotischer Benommenheit. i) Vgl. meine Schrift „Die Behandlung schwer emiehbarer und abnormer Kinder", S. 67 f. Elternfehler bei der Erziehung des IndividualAarakters 17 Es kommen endlich hinzu die Insessionen, bei denen die Ver- drängung ganz ebenso die eigentlichen Absichten der Persönlichkeit tyran- nisch beherrscht, wie bei den Obsessionen, wenn auch durch überrennen des Widerstandes Freiheitsgefühl waltet und dieselben Entstehungsvorgän.e sich abspielen. Die Psychoanalyse hat diesen wichtigen Prozessen bisher noch wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Alle oder fast alle diese Benachteiligungen der Willenserziehung hängen mit Elternfehlern zusammen, die sich wenig von denjenigen unterscheiden, die wir bei den Defekten der Vorstellungs- und Gefühlsbildung besprachen. Welche Fehler bei ihrer erzieherischen Behandlung drohen, zeigt uns ein spaterer Abschnitt. Pfi»ter, Elternfehler n Elternfehler bei der Erziehung des Sozialdiarakters Es wurde schon daran erinnert, daß Individual- und Sozialcharakter ln enger Beziehung zu einander stehen. Darum bedeuten Elternfehler, die bei der Erziehung zur individuellen Persönlichkeit begangen werden, mindestens bei erheblich schädigender Wirkung auch eine Beeinträchtigung der sozial- ethischen Entwicklung. Jedoch darf man nicht an einen direkten und durchgängigen Parallelismus denken. Werden die selbstischen Ansprüche erzieherisch heruntergeschraubt, so kann dies zunächst die altruistischen Regungen vermindern. Die Liebe zu den Eltern, die den Ansprüchen, Bedürfnissen und Wünschen nicht entsprechen, nimmt ab und es besteht Gefahr, daß das Kind nun darauf ausgeht, erst recht seine Begierden durch- zusetzen ; sein Egoismus schwillt an. Es ist aber auch möglich, daß das Liebesbedürfnis sich behauptet und nun auf andere Objekte ausgeht, auf Großeltern, Onkel, Tanten, Lehrer, Nachbarn u. s. f. Indem das Kind sich in andere leidende Kinder hineindenkt und den Wunsch nach einem besseren Lose auf sie oder die gesamte leidende Mitwelt verpflanzt, kann ein sehr intensiver Altruismus aufblühen. Werden jedoch die Verdrängungen der Selbstliebe zu weit getrieben, so ist auch bei intensivstem Altruismus der Gesinnung der sozialethische Ertrag recht oft ungenügend, und zwar darum, weil dann neurotische und zwangsmäßige Züge meistens die ver- fügbaren und zum sozialen Dienen nötigen Kräfte wesentlich vermindern Unter den Neurotikern trifft man eine Menge von Individuen, die sich nichts gönnen und alle Genußfähigkeit, so weit nur ihre Person in Frage Elternfehler bei der Erziehung des Sozialcharak ters 19 steht, ganz oder beinahe einbüßten und dafür ganz nur für andere leben wollen. Ihre Hemmungen haben aber einen derartigen Grad und Umfang erreicht, daß sie für ihre Umgebung weit weniger leisten, als Gesunde mit weniger altruistischen Begierden. Wohl noch häufiger tritt der Fall ein, daß das allzu streng und un- zärtlich erzogene Kind den gegen die Eltern aufgestiegenen Groll auf die übrige Umwelt überträgt und zum Menschenhasser heranwächst. Dies geschieht namentlich dann, wenn die anfängliche Liebesfülle plötzlich versiegt, z. B. nach der Geburt eines Geschwisterchens, beim Tod der Mutter oder des Vaters, bei Versorgung an einen anderen Pflegeort u. dgl. Die ödipuseinstellung wuchert in ihren zahllosen Varianten noch üppiger empor. Der Haß gegen den Vater wird auf alle vaterähnlichen Personen übertragen, die unglückliche Liebe zur Mutter wandelt sich in Haß, der ebenfalls verallgemeinert wird, und so ist der Zugang zu anderen Menschen erschwert, wenn nicht gar verunmöglicht. Von der Hamletbindung war bereits die Rede. Eine gesunde Selbstliebe bildet eine notwendige erzieherische Basis für sozialethische Ausbildung. „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" (3. Mos. 19, V. 18, Lukas 10, V. 28). Wiederum gehen wir den einzelnen seelischen Funktionen in der sozial- ethischen Charakterbildung nach. a) Der Intellekt Zum richtigen sozialethischen Verhalten gehört vor allem eine richtige Beurteilung der Mitmenschen, frei von Unter- und Überschätzung. Unter die Elternfehler müssen wir daher jedes Tun einreihen, das dem Kinde erschwert, ein richtiges Verständnis für seine Nächsten zu gewinnen. Fehler- haft ist hiebei nicht nur falsche Belehrung über die Denkweise der andern, z. B. menschenfeindliche Verlästerung, sondern auch, und wohl noch mehr, das Vorbild der Eltern und ihr Benehmen gegenüber dem Kinde. Wo dieses Vater und Mutter liebt und durch weise Erziehung in dieser Liebe bestärkt wird, da neigt es von vornherein dazu, ihre Handlungen in günstigem Sinne auszulegen und dieses Urteil auf die übrige Menschheit zu übertragen. Allerdings mag dieser Optimismus grausame Enttäuschungen erfahren. Die Gefahr der Täuschung ist jedoch weniger schlimm, als im entgegengesetzten Falle, daß die Eltern die Liebe ihres Kindes verscherzen und dadurch eine menschenfeindliche Einstellung auf die Menschen ins- gesamt hervorbringen. Wer mit Menschenhaß geladen ist oder von Menschenverachtung strotzt, ist in sozialethischer Hinsicht von Verderben bedroht; denn wie sollte man sein Bestes einsetzen für eine nichtsnutzige Rasse? Und welcher Wert bleibt für Kunst und Wissenschaft übrig, wenn >#! 20 Oskar Pfister das menschliche Leben als erbärmlicher Trug angesehen wird? Aus unseren Analysen wissen wir, daß tatsächlich falsche Anschauungen über die Ge- sinnung einzelner Menschen Urteilsfälschungen auf allen Gebieten bis hinauf zu Politik, Religion und Philosophie nach sich ziehen. Auch das Gewissensurteil über sozialethische Handlungen erleidet durch Elternfehler Entwertungen. b) Gefühl und Wille Nichts anderes gilt von der Heranbildung der altruistischen Gefühle. Auch sie sind ein Derivat der Gefühle, die Mutter und Vater hervorlockten. Haben Eltern ein Kind an Liebe und Verständnis darben lassen, quälten sie es durch unablässiges Tadeln oder übertriebenen Freiheitsentzug, ver- spotteten sie es wegen aller möglichen Fehlleistungen, Dummheiten und Gebrechen, schlössen sie es von den Altersgenossen allzusehr ab, so ent- wickelt sich oft Haß in Form von Schadenfreude. Über den Haß im all- gemeinen ist zu sagen, daß er, weil er mit dem Gewissen heftig zusammen- stößt, ganz besonders leicht verdrängt wird und krankhafte Symptome erzeugt. Auch wo dies nicht geschieht, bewirkt er leicht Verarmung der Persönlichkeit, Entgeistigung durch wachsende Abhängigkeit vom dunklen Drang, der aus dem Unbewußten aufsteigt, Willenslähmung durch den Zusammenprall mit der Liebe (Hamlet), Verflüchtigung sittlicher Energie in unproduktives Träumen, Steigerung des Sadismus und Masochismus und zunehmende Isolierung der Persönlichkeit. 1 Sittliches Fühlen und Wollen sind einander in ihrem Ursprung und ihrer psychologischen Artung so nahe verwandt, daß ich über die Elternfehler in der Ausbildung des sozialethischen Willens in unserem Überblick nichts hinzuzufügen habe. i) Vgl. meine Schrift „Analytische Untersuchungen über die Psychologie des Hasse« und der Versöhnung". Wien, 1910, S. 4.6. [][ Elternfehler in der Wahl und Anwendung einzelner Erziehungsmaßregeln a) Befehl, Verbot, Erlaubnis Es genügt nicht, das Kind seinen Neigungen zu überlassen. Sowohl um die Einfügung in die Gesellschaft zu lehren, als auch für die Bewältigung unangenehmer Aufgaben ist es nötig, seine Unterordnung unter den Erzieher- willen herbeizuführen. Die schwächliche Beugung der Eltern unter seine Majestät das Kind, die sentimentale Orientierung nach dem Gelüsten und Behagen, statt nach dem Wohl des Zöglings, die souveräne Meisterlosigkeit des Knirpses schaffen anarchistische Ichlinge und Schwächlinge ohne soziales Verantwortlichkeitsgefühl und Opferwilligkeit, jämmerliche Genußmenschen, zu schlapp und zu verweichlicht, um die stolzen Höhen einer höheren Persönlichkeitskultur zu erklimmen. Es wäre darum ein schlimmer Fehler, den Kindern die Pflicht des Gehorsams zu erlassen; man macht durch ihn die Kinder steuerlos für ihr ganzes Leben. Die Fähigkeit zu richtiger Selbstdisziplin und Disziplinierung anderer kann nur erwerben, wer schon in der Erziehung gehorchen gelernt hat. Das Ziel einer den Normen der Individual- und Sozialmoral entsprechenden Selbstlenkung kann nur so er- reicht werden, daß die Zügel der elterlichen Leitung anfangs einen sehr großen Teil des Kinderlebens beherrschen, dann aber allmählich in dem Maße gelockert werden, als der Zögling seine Kräfte selber richtig ver- walten kann. 22 Oskar Pfister Es wäre ein großer Irrtum, zu glauben, daß eine Erziehung, die auf positive und negative Befehle (Verbote) verzichtete, das Kind vor schädlichen Verdrängungen bewahrte. In unsere Behandlung melden sich viele schwere Neurotiker, die ohne Zucht aufwuchsen und ungewöhnlich weiche und sentimentale Eltern besitzen; von der Ungeheuern Zahl von Verwahrlosten, die wild aufwuchsen, ganz zu schweigen. Die Psychoanalyse gibt uns auch die Gründe dieses Sachverhaltes an : Die schwersten Verdrängungen hängen nicht mit absichtlicher erzieherischer Willenslenkung zusammen, sondern mit anderen Faktoren, die wir bei der Besprechung der Sexualpädagogik andeuten werden. Ferner wurde bereits oben darauf hingewiesen, daß dieses erzieherische Manchestertum die unsublimierten Funktionen, die Sinn- lichkeit und den Egoismus, derart anschwellen läßt, daß der Zusammen- stoß mit der Kultur und den höheren Anforderungen an sich selbst nur desto grausamer und verhängnisvoller wirken muß. Die Kunst des richtigen Befehlens ist nun aber nicht so leicht, wie manche es sich vorstellen. Dem elterlichen Auftrag und Verbot stemmt sich eine andere Macht entgegen, die nicht einfach mit Gewaltmitteln überwunden werden kann. Fühlt sich das Kind allzusehr eingeengt, so ent- steht der uns bereits bekannte Groll, der auch bei gutartigen Kindern zu Todeswünschen führt und Verdrängungen bewirkt. Das Kind bedarf eines gewissen individuell stark differierenden Maßes von Freiheit und Freude, und wenn Eltern durch allzu strenge Zumutungen und Versagungen dieses Bedürfnis verkürzen, so steigern sie die berechtigte Autorität zur Tyrannei, schädigen die Kinderseele und pflanzen auch dort, wo sie äußerlich Gehorsam erzielen, im Unbewußten oder sogar im Bewußtsein oft einen Groll, der den Gewinn der Unterwürfigkeit durch hundertfachen Schaden entwertet. Wie viel Menschenhaß, Lebensüberdruß, sittliche Verkommenheit, neurotische Verkrüppelung diese Pädagogik des Schraubstockes und der Zwangsjacke schon angestiftet hat, ist nicht zu sagen. Nur im Sonnenschein der mit sittlichem Ernst gepaarten Milde, Freundlichkeit, Güte, kann die zarte Seelenpflanze gedeihen. Die Pädanalyse bekämpft daher die Erziehung des kategorischen Befehlens und Verbietens, das blinden Kadavergehorsam fordert, ohne die dem Kinde faßlichen Gründe anzugeben und stets durchblicken zu lassen, daß die Eltern nicht von despotischen Gelüsten, sondern von der Rücksicht auf des Kindes Wohl geleitet sind. Wo das Beste des Zöglings Verzichte zu fordern gebietet, sollen die Eltern mehrwertige Kompensationen erschließen, denn damit wird die Gefahr der Verdrängungen vermindert und die herr- liche Bahn der Sublimierung erleichtert. Den Verzicht auf Lohn an die Spitze, statt ans Ende der Erziehung zu setzen und dieses Ziel durch weise Höherlenkung des Denkens und Fühlens und Wollens zu erstreben, ist Unsinn und frevelhafter Rigorismus. Unsere Kinder kommen — gottlob! Wahl und Anwendung einzelner Erziehungsmaßregeln 23 — nicht als fertige Kantianer auf die Welt. Die Pädagogik des neuen Testaments zeigt uns an der Sublimierung und allmählichen Überwindung des Lohngedankens in der Seele Jesu einen weit besseren Weg. Die Kunst des richtigen Erlaubens, der graduellen Lockerung der Zügel ist für die Erziehung ebenso wichtig, wie diejenige des Gebietens. Ohne Kenntnis der Verdrängungsprozesse kann das Problem der Autorität und Freiheit, des Befehlens und Gestattens unmöglich wissenschaftlich zulänglich gelöst werden; praktisch wird es von innerlich harmonischen und hochherzigen Erziehern oft vorzüglich erledigt. b) Der Appell an das Ehrgefühl Da wir im Selbstgefühl einen äußerst wirksamen Entwicklungsfaktor erkannten, werden wir auch die Berufung auf das Ehrgefühl dem Erziehungs- zwecke dienstbar zu machen versuchen. Dabei versündigen sich Eltern schwer, wenn sie die Verdrängungstatsachen außer acht lassen. Es genügt keineswegs, nur auf das Maß der vorhandenen Begabung Rücksicht zu nehmen und nur zu fordern, was ihr entspricht. Auf die verfügbaren Kräfte kommt es an. Sind sie durch Verdrängung und Triebverklemmung gebunden, so wirkt der elterliche Appell an das Ehrgefühl schädlich und unter Umständen sogar ruinös. Es gehört zum landläufigen Erzieherton, daß man Zöglingen, bei denen ein Mißverhältnis zwischen Anlage und Leistungen beobachtet wird, oder die in ihren Arbeiten und im Betragen eine Qualitätsverschlechterung aufweisen, zuruft: „Du solltest dich doch schämen, so ins Hintertreffen zu geraten! Da sieh dir den und den an, die dir an Begabung nachstehen! Du könntest viel Besseres leisten, wenn du wolltest! Aber wenn ein seelischer Konflikt mit erklecklichen Ver- drängungen vorliegt, wirkt diese Medizin aus der Landapotheke unseres Volkes notwendig höchst ungünstig. Es ist Torheit und pädagogisches Verbrechen, einen neurotisch gehemmten Knaben als einen Faulpelz an den Pranger zu stellen. Er kann einfach nicht leisten, was der ungeschickte Erzieher ihm zumutet, und je mehr der naive Vater ihm einredet: „Es ist eine Schande, wie du dich benimmst! Hast du nicht mehr Ehrgefühl, als so viel? — desto mehr Kraft wird dem armen Jungen geraubt, desto schlimmer wird seine Seele geschädigt. Denn vielleicht sagt sich das Kind : „Der Vater hat ganz recht, ich sollte mehr leisten; aber wie sehr ich meine Kräfte einsetze, auch die verzweifelte Anstrengung mißlingt. Also bin ich ein Schwächling, ein Ehrloser, ein unbegabter, elender Wicht ohne Willenskraft und Talent!" Aus dieser Stimmung gehen Selbstverach- tung, Mutlosigkeit, Freudlosigkeit, Lebensüberdruß hervor. Mancher hat sich in der Verzweiflung das Leben genommen. Die erschreckend hohe 24 Oskar Pfister Ziffer der Schülerselbstmorde ist eine harte Anklage gegen diejenige Pädagogik, die sich um die Verdrängungslehre nicht glaubt kümmern zu müssen und die Pädanalyse verachtet. Auch wo es nicht zum Äußersten kommt, bedeutet ein Appell an das Ehrgefühl ohne genaue Kenntnis der Tiefenkräfte des den Fehler bei sich selbst suchenden Kindes einen schweren Elternfehler. — Vielleicht auch hat das Kind das ganz richtige Gefühl : „Und wenn ich noch so sehr ein erbärmliches Geschöpf bin, weil ich auch bei Aufbietung aller Energie so wenig leiste, man verlangt zuviel von mir ! Man peitscht mich, wo man Wunden heilen sollte, legt mir schwere Lasten auf, wo ich bereits beinahe zusammenbreche und der Entlastung bedarf, schlägt mich in immer schwerere Ketten, wo man mir zur Erlösung helfen sollte!" Aus dieser Stimmung entwickelt sich ein oft ingrimmiger Haß gegen die unvernünftigen Eltern, die so wenig Verständnis und Erbarmen für ihr Kind besitzen. Wir wissen bereits, was für neue Verdrängungsschäden oft von zerstörender Wirkung aus diesen Überlegungen hervorgehen können. Die überlieferte Pädagogik verstand es trefflich, zu fordern ; daß die Erlösung, namentlich die Befreiung von inneren Banden ebensosehr eine heilige Aufgabe des Erziehers sei, be- rücksichtigte sie nicht, da sie wegen ihrer naiven Bewußtseinspädagogik diese unterschwelligen Bindungen nicht einmal kannte. Der Geist dieser halben Erzieherweisheit ist durchaus derjenige des alten Testamentes mit seinem „Du sollst!" und „Du sollst nicht!". Der neutestamentliche Geist mit seiner Erlösungsbotschaft und seinem Liebesangebot kam viel zu wenig zur Geltung. Vielleicht ist dies eine der Hauptursachen des be- trübend weit und tief greifenden Schulüberdrusses. c) Die Drohung Zu den mit Vorsicht zu benutzenden Erziehungsmitteln gehört die Drohung. Gefährlich ist sie, wo der Drohende sich selbst als Vollstrecker der Strafe oder Urheber des in Aussicht gestellten Leides bezeichnet, aber auch dort, wo eine andere Instanz, z. B. das Leben oder Gott, in diese Rolle versetzt wird. Auch hier hängt der Nutzen oder Schaden unter anderem davon ab, ob das Kind die Kraft besitzt, die gewünschte Handlungsweise zu verwirklichen und die unerwünschte zu vermeiden, um dem ange- drohten Übel zu entgehen. Und dies wiederum hängt nicht nur von den bewußten, sondern auch von den unbewußten Seelenfaktoren ab. Ein unentschuldbarer Elternfehler ist es nicht nur, dem Kinde zu sagen : „Aus dir wird nie etwas Tüchtiges, du wirst einmal ein Taugenichts oder Verbrecher sein!" Ein schlimmer Mißgriff ist es auch, das drohende Mißgeschick nur für den Fall abwendbar zu erklären, daß das Kind etwas leiste, was über seine Kräfte geht. Das trotzige Kind nimmt oft mit Wahl und Anwendung einzelner Er/ iehungsmaßregeln 25 Hilfe seines Unbewußten die Eltern beim Wort. Es bestraft seine Eltern hart, indem es das wird, was sie androhten. Die Kehlentwicklung manches Kindes ist oft nichts anderes, als ein derartiger unbewußt vollzogener „nachträglicher Gehorsam" (Freud). Die Furchterregung darf nie und nimmer das bevorzugte Erziehungsmittel sein. Wer Liebe, Pflichtgefühl und Vernunft, diese innere Einheit, aus ihrer Herrschaft im Reiche der Erziehung verjagt, wird immer schweres Unglück anrichten. d) Die Berufung auf Gewissen und Pflicht So gewiß die Entwicklung eines starken Pflichtgefühls und eines scharfen Gewissens im Kinde zu den zentralen Erzieheraufgaben gehört. so gewiß hat die alte Pädagogik, weil sie die unterschwelligen Bindungen übersah, bei der Erfüllung dieser Aufgabe schwer gesündigt. Von der Metaphysik ließ sie sich den Satz diktieren: „Du kannst, denn du sollst!". Sie redete dem Zögling ein, was sein Gewissen von ihm fordere, das könne er auch ausführen, wenn er nur seine Willenskraft rechtschaffen einsetze. Dadurch machte sie sich in manchen Fällen unnützer Quälereien schuldig und trieb gerade von den moralisch Feinfühligsten sehr viele in immer tieferes sittliches Elend, wobei auch höchst bedauerliche Schädi- gungen der seelischen Gesundheit hervorgerufen wurden. Das neurotisch gebundene Kind — und nur von diesem reden wir jetzt — sagt sich, es sei verpflichtet, den und den Fehler zu unterlassen, die und die sittliche Leistung zu vollziehen, und besitze auch die Kraft dazu. Es erhob sich ein furchtbares Ringen mit einer Kette von Niederlagen und Schuld- affekten. Der vom Unbewußten ausgehende Zwang übermannte die guten Vorsätze und Anläufe, und eine falsche indeterministische Beurteilung schuf neue Verdrängungen, die ihrerseits den Zwangsfunktionen neue psychische Energien zuführten und die sittlichen Kräfte verringerten. Es ist Torheit, einem kleptomanen Kinde, das sein Treiben verdammt, zu sagen: „Du sollst nicht stehlen: also kannst du auch das Stehlen ab- legen, wenn du nur willst!" Eltern, die solche pädagogische Dumm- heiten begehen, treiben ihr Kind fast unvermeidlich ins Elend, wenn sie nicht vorher ihren Einfluß verlieren. Sie bewerkstelligen einen neurotischen ZAvang, der die sittlichen Werte des Gewissens bedeutend vermindert und das göttliche Dämonion des Sokrates zum Dämon entwürdigt. Über den ethischen und metaphysischen Irrtum jenes Dogmas vom Können, das aus dem Sollen oder richtiger aus dem Bewußtsein der moralischen Verpflichtung mit innerer Notwendigkeit erschlossen werden müsse, können wir uns nicht weiter aussprechen. Es genüge die Erinnerung daran, daß Jesus aus seinem Gebot: „Ihr sollt vollkommen sein" nie schloß: „Ihr könnt es auch". Und ist es nicht lächerlich, bei einiger rfister, Elleriifehler 26 Oskar IMister Menschenkenntnis jenes Dogma gegenüber augenscheinlich moralisch Gehemmten fallen zu lassen, es aber dennoch als allgemeines Gesetz fest- zuhalten? Auch sofern es suggestiv wirken soll, spielt es bei neurotischen Zwangsgebundenen eine schädliche Rolle. Die neue, psychoanalytisch eines Besseren belehrte Pädagogik etit- schlägt sich daher jenes hauptsächlich durch Kant verschuldeten Vorurteils, sucht aber durch psychologisch vernünftige und praktisch erprobte psycho- analytische Kunsthilfe dem Gewissen Freiheit von seinen Fesseln zu ver- schaffen und die Erfüllung der Pflicht zu ermöglichen. Dabei wurde nie behauptet, daß die Analyse für sich allein in jedem Falle ausreiche. Jedoch vermag sie in tausend Fällen die unerläßliche Vorbedingung der vom Gewissen vorgezeichneten Leistung ZU verwirklichen: Die Erlösung vom Zwange des Unbewußten. e) Die Strafe. Um ein zutreffendes Urteil über die pädagogische Bewertung der Strafe geben zu können, muß man in erster Linie berücksichtigen, daß sie traumatisch wirken kann, d. h. die Seele derart verwundet, daß Entwicklungs- störungen eintreten. Schläge aufs Gesäß, aber auch auf die Hände, Haar- rupfen u. a. Körperstrafen können sexuelle Erregungen hervorbringen, die der normalen Körpergegend die Gefühlsbesetzung entziehen und eine bedauerliche Fehlentwicklung einleiten. Der Anblick fremder Züchtigung, auch wenn sie nicht die Region der Genitalien trifft, erregt nicht selten sadistische und durch Identifizierung mit dem Gezüchtigten masoch istische Gefühle, die der Charakterentwicklung verhängnisvoll werden. Aber auch Erlebnisse, die an sich gar keine Bedeutung besitzen, können dadurch ver- drängt werden und verhängnisvolle Wirkungen nach sich ziehen, daß sie durch Strafen eine künstliche Betonung unangenehmer Art erlangen. Bei einem Manne, dessen Ehe wegen Impotenz zu scheitern drohte, stellte sich bei der Analyse als einer der wichtigsten Anlässe heraus, daß er als sieben- jähriger Junge ein kleines Mädchen auf dem Rücken getragen hatte und deswegen von der Dienstmagd als Schweinekerl hart gescholten wurde . Als Ehemann kannte er nur den Wunsch, seine Frau auf dem Rücken zu tragen, während der Wunsch, seiner Gattin Mutterfreuden zu verschaffen, vom Widerstand des Unbewußten der körperlichen Wirkung beraubt wurde. Die Kinderszene, die sichtlich die Krankheitsform bestimmte, war langst vergessen, wie auch die übrigen Krankheitsursachen. Ungemein oft sieht der Analytiker Menschen, die noch als Erwachsene sehr schwer zu leiden haben unter den Folgen körperlicher Züchtigung^ . 1) S. mein Buch „Die psychanalytische Methode», 5. Aufl.. 125- 2 ) Vgl. mein Buch „Die Liebe des Kindes u. i. Fehlentwicklungen«, S. 267-274.. Wahl und Anwendung einzelner Erziehungs m aßregeln 27 Es ist zuzugeben, daß viele Kinder Prügel ohne bleibende NacÜteÜe er- tragen ; allein, da man nicht ins Innere der jugendlichen Delinquenten hineinsehen kann, ist die Körperstrafe ein gewisses Wagnis, und zwar auch in Anbetracht des kindlichen Zuschauers. Strafeinwirkungen auf das Seelenleben des Kindes dürfen niemals so gewählt werden, daß sie das Selbstgefühl zerbrechen, Haß und Groll wecken und damit die Gefahr schwerer und folgenschwerer Verdrängungen herauf- beschwören. Ehrverletzende, rohe Vorwürfe bringen der Kinderseele oft Schäden bei, die schwer zu heilen sind. Auch allzu schroffer und anhaltender Liebesentzug kann unter gewissen Umständen, besonders bei Wiederholung des anfangs eindrucksvollen Expe- rimentes, ungünstigen Einfluß ausüben. Ist der Bogen zu straff gespannt, so flüchtet sich das Kind mit seinem Liebeshunger in die Gleichgültigkeit oder in jenen Trotz, der sich über die Strafe noch lustig macht. Allzu harte Freiheitsberaubung oder Trennung von den Gespielen ist den Elternfehlern zuzurechnen. Und damit möchten wir das Sündenregister, das ja freilich um eine große Menge anderer Nummern bereichert werden könnte, schließen. Allein es schiene uns unverantwortlich, ein besonders heikles und leider bis auf Freud viel zu wenig berücksichtigtes Gebiet zu übergehen, nämlich das- jenige der sexuellen Erziehung. Wir widmen ihm daher noch einige Worte- ! IV Elternfehler in der Erziehung der Sexualität und Liebe Eine richtige Sexualentwicklung ist nur innerhalb einer gediegener» Gesamterziehung möglich. Wer da glaubt, mit ein bißchen Aufklärung und viel gouvernantenhaften Warnungen auszukommen, begeht einen schweren Irrtum. Ernste Schädigungen des Sexuallebens pflegen das ganze übrige Leben aufs stärkste zu beeinflussen, und eine gesunde ethische Allgemeinerziehung kommt meistens der Entwicklung der Geschlechtlich- keit und Liebe in hohem Maße zugute. Allein, wenn arge Verstöße auf letzterem Gebiete eingetreten sind, vermag die tüchtigste Erziehung aller übrigen Lebenstendenzen den Schaden oft nicht gutzumachen. An der einen Klippe zerschellt das ganze Lebensschiff. Was für ein Unglück sexuelle Fehlentwicklung bedeuten kann, machen sich viele Eltern nicht klar. Wenn sie aber wüßten, wie schwer viele Homosexuelle, Sadisten, Masochisten, Fetischisten und andere Perverse leiden, und wenn sie ahnten, wie eng verkehrte Liebeswahl und Unfähig- keit zur Gatten-, Menschen- und Gottesliebe, schwere Gemütskrankheiten und sogenannte Nervenleiden mit der sexuellen Erziehung zusammen- hängen, sie würden erschrecken über die Gleichgültigkeit, mit der so oft das enorm wichtige Gebiet behandelt wird. Ziel der richtigen Sexualerziehung ist diejenige Entwicklung der Geschlechtlichkeit, welche einerseits der höchstmöglichen sittlichen Geistes- ausbildung, anderseits ihrer biologischen Bestimmung entspricht. Zu diesem Zweck darf die Sinnlichkeit sich nicht allzusehr in den Vordergrund I x Klicrnfehler in der Krziehimg der Sexualität und Liebe 29 drängen und zu viele psychische Kräfte absorbieren. Sie darf aber aucJi nicht zur Verkrüppelung gebracht werden, indem durch Sexualverdrängungen schwere Triebhemmungen erfolgen. Denn dabei droht nicht nur die Gefahr einer Abdrängung in Krankheit (Hysterie, Angstneurose, Zwangsneurose, Introversionsneurose), sondern auch Mißbildung des Denkens, Fühlens und Wollens im weitesten Umfang. Insbesondere ist zu betonen, daß die Sublimierungsfähigkeit durch die ausgedehnteste und intensivste Sexual - Verdrängung mitnichten gesteigert wird, sondern im Gegenteil von einem gewissen Grade an und bei gewissen Kompensationsschwierigkeiten die be- trübendste Verminderung erfährt. Daher hauptsächlich mißraten so oft die Kinder vortrefflicher Eltern; die im Bereiche der kindlichen Erotik be- gangenen Fehler rächen sich mit grimmer Schadenfreude. Nur eine unter vielen Tücken erblicken wir in der Tatsache, daß gerade bei der heftigsten Unterdrückung der Sexualität des Zöglings die wildesten sinnlichen Leiden- schaften in ihm auflodern können. Als Elternfehler stellen wir vor allem fest unvorsichtige Reizungen der Sinnlichkeit. Allzuweit getriebenes Streicheln, Tätscheln des Gesäßes, Reiben der Genitalien bei der körperlichen Reinigung ist weit gefährlicher, als manche Mütter meinen. Auch übermäßiges Küssen ist nicht vom Guten. Ganz verwerflich ist das Kitzeln, das man so oft bei spielenden Pflegerinnen beobachtet, z. B. das Pressen des Gesichtes in die Bauchhöhle des Kindes. Unvollständige Bekleidung der Mutter, z. B. bei der Toilette, kann Schaden stiften . Dringend zu warnen ist vor zu langem Aufenthalt der Kinder im Schlaf- zimmer der Eltern. Unglaublich oft findet man die erste und schlimmste Ursache von neurotischen Störungen in der Beobachtung intimer Vorgänge durch das Kind, und fast regelmäßig erklären die Eltern es für unmöglich, daß ihr Kind dergleichen gesehen habe, es habe doch immer fest geschlafen usw. Ich halte es für angezeigt, das Kind schon vor Ablauf des ersten Lebensjahres aus dem elterlichen Schlafzimmer zu entfernen. Auch das Nebenzimmer ist unter Umständen ein sehr gefährlicher Aufenthaltsort. Die sogenannte Nebenzimmererotik erweist sich bei Schlaflosen und Angst- neurotikern nicht selten als wichtige Krankheitsursache. Ein gesundes Schamgefühl kann nur da zustande kommen, wo die 1) Auch manchen Ärzten ist größere Vorsicht zu empfehlen. Für gewisse Kinder. natürlich langst nicht für alle, bedeutet die Temperatunnessung durch den After eine schädliche Reizung, die eine Überbetonung der Darmendigung und Verlangen nach ihrer fortgesetzten Erregung zur Folge hat. Aufgefallen ist mir, wie oft man bei Neurotikern auf den schädigenden Einfluß von Phimosenoperationen stößt; dabei darf man nicht übersehen, daß auch die Verengerung der Vorhaut Reizungen hervor- bringt, die der Sexualentwicklung nachteilig sind. Jedenfalls aber sollte die Operation früh und mit möglichster Vermeidung von Schmerzen und Aufsehen vollzogen werden. 30 Oskar Pfistcr Sexualerziehung sich von Drohungen, furchterregenden Anspielungen, die Gefahr der Verdrängung heraufbeschwörenden Erschütterungen frei hält. Eine auf Angst vor unheimlichen dunkeln Mächten aufgebaute Scham - haftigkeit ist eine schlimme Mitgift fürs Leben. Sie treibt oft in Angst, Zwangsneurose, Introversionen, in Liebesunfähigkeit, [Lebensüberdruß usw. Oft zeigen sich die schrecklichen folgen schon in der Klei nkin derzeit, oft in der Pubertätsentwicklung, oft sogar erst in der Ehe (Impotenz, Frigidität usw.). Ehrfurcht, nicht Furcht vor den sexuellen Ordnungen haben die Eltern einzupflanzen. Sie müssen jeden Schein vermeiden, als sei die natürliche Triebhaftigkeit insgesamt und unter allen Umständen etwas Häßliches; sie sollen im Gegenteil darauf hinwirken, daß eine würdige sittliche Einschätzung dieses Gebietes allmählich, je nach der fortschreitenden Fassungskraft des Kindes angebahnt werde. Dies ist nur möglich im Zusammenhang mit einer gediegenen sexuellen Aufklärung. Daß diese zu den wichtigsten Eltern- pflichten gehört, wird heute nur noch selten umstritten. Man ist durch Schaden klug geworden und glaubt nicht mehr, daß die Gasse und der Zufall die beste Aufklärungsarbeit leisten. Vorenthaltung der Aufklärung ist künstliche Verdunklung der Kindesseele. In der Nacht strauchelt und fällt man leichter als in der Tageshelle. Für die Darbietung der Auf- klärung gelten folgende Grundsätze : Sie soll nicht auf einen Schlag, sondern allmählich, je nach dem Interesse und der Fassungskraft des Kindes vor sich gehen (Freud). Die Lüge vom Storch ist eine gefährliche, das Zutrauen zu den Eltern untergrabende, die Geschlechtlichkeit dis- kreditierende und darum die Liebesentwicklung des Kindes bedrohende Fälschung. Nicht die Schule, sondern das Elternhaus soll aufklären. 1 Zur Aufklärung gehört nicht nur die physiologische Belehrung über Geburt und Zeugung, sondern auch und vor allem die sittliche Unter- weisung, ohne welche die naturwissenschaftlichen Kenntnisse leicht einen unrichtigen Eindruck hervorrufen, unerwünschte Verdrängungen oder Erregungen provozieren und so ihr Ziel verfehlen. Die Schönheit, sittliche Größe und der Segen eines ethisch normierten Gebrauches der Sexualordnung sind darzutun, jedoch frei von allen Übertreibungen. Es darf nicht der Gedanke geweckt werden, daß ohne Eheschließung das Leben in jedem Fall der höchsten Würde und des edelsten Reichtums verlustig ginge. Dagegen schließt eine harmonische Persönlichkeitsent- wicklung die ethische Liebesfähigkeit in sich. Da nur in der Atmosphäre der Freiheit die Liebe im höchsten Sinne sprießen kann, muß der finstere Ton als Elternfehler gebrandrnarkt 1) Wo eine Klasse durch gewisse Vorkommnisse bedroht oder gar verseucht ist, kann eine beruhigende, die sittliche Erhabenheit der Fortpflanzungsordnungen be- tonende Aufklärung zur Pflicht des Lehrers werden. Elternfehler in der Erziehung der Sexualität und Liebe 31 werden. Alles, was über die Strafe im allgemeinen gesagt wurde, muß in der Sexualpädagogik besonders sorgfältig berücksichtigt werden. Dringend zu warnen ist vor strenger Bestrafung irgendwelcher Sexualdelikte, wie Onanie, unerlaubte Besichtigungen, Betätigungen der Zeigelust, der Freude am Kot oder Urin, hetero- oder homosexuelle Akte, Sadismus oder Masochismus usw. Wir hörten bereits, wie nahe die Gefahr liegt, daß die Strafe den Fehltritt erst recht mit seelischen Energien belaste und mit /„wangscharakter ausstatte. Onanie hart voi bestrafen, sei es auch nur mit der Androhung gesundheitlicher Gefährdung, ist besonders da recht ver- hängnisvoll, wo bereits ein unüberwindlicher Zwang vorliegt. Weg alle Drohung! Liebevolles Abraten, Darbietung von wertvollen Kompensationen, gütige Beruhigung und Belehrung bieten weit mehr Aussicht auf Erfolg dar und vermeiden die Gefahr, die bei harten Maßregeln so leicht ein- tritt, daß die Selbstachtung zusammenbricht, Verzweiflung den Unglück- lichen vollends entkräftet, Flucht in die Neurose zerstörend wirkt. In schweren Fällen kann auch elterliche Güte nicht erlösen ; einzig psycho- analytische Behandlung führt, wo starke Triebverklemmungen, besonders Zwangsvorstellungen vorliegen, den gewünschten Erfolg herbei. Sie auch kann einzig und allein denjenigen die Genesung und innere Freiheit ver- schaffen, die auch durch Elternstrenge gegenüber ihren Sexualdelikten in einen Abgrund gestoßen wurden. Und solcher sind viele! — Zu warnen ist auch vor schroffer Bekämpfung kindlicher Liebesverhältnisse. Erreichen die Eltern, daß ihr Kind aus Furcht vor der Strafe seine Liebe preisgibt, so ist doch sehr oft der Erziehungserfolg ein scheinbarer. Wie bei allen anderen Erziehungsmaßregeln läßt sich leicht feststellen, ob dem Eltern- wunsch äußerlich willfahrt wurde; was für Haßregungen jedoch auf- tauchten, wie viel Liebesverdrängungen stattfanden, das kann wegen der Verdrängung nicht einmal das Kind angeben. Manchmal weist es sicli erst nach vielen Jahren, welche schwere Schädigung mit dem jähen Verbot der Liebe und seiner harten Durchführung angerichtet wurde. -" ^1 V Der Ursprung der Elternfehler Wir müßten eine ganze entwicklungsgeschichtliche Charaktcrlehre schreiben, wenn wir die Ursprünge der Elternfehler erschöpfend dar- stellen wollten. Dabei kämen wir mit der alten Bewußtseinspsychologie nicht weit. Wir könnten darauf hinweisen, daß jeder Charakterfehler der Eltern und Erzieher heimgesucht werden kann an den Kindern und zwar nachweislich mitunter nicht nur bis ins dritte und vierte Glied. Wir könnten zeigen, wie Unwissenheit in bezug auf die Gesetze des kindlichen Seelenlebens, Verständnislosigkeit gegenüber seiner individuellen Eigenart, Unfähigkeit zur Einfühlung in die Nöte und Bedürfnisse des Kindes bei den Eltern oft darauf zurückgeht, daß diese denselben Erziehungsmängeln ausgesetzt waren. Wir könnten die verfehlten Erziehungsmaßregeln zurück- führen auf jene bekannten Sammelnamen, mit denen man konstante Ver- halten als Charaktermerkmal hinstellt, ohne damit zu ihrem psychologischen Verständnis das geringste beizutragen. Wir könnten sprechen von Sentimen- talität, Gemütsarmut, Wankelmut, Flüchtigkeit, Grausamkeit, Rechthaberei, Herrschsucht, Laxheit usw. Die Erklärung dieser Fehler wäre damit um nichts gefördert, und in den Augen der vielen, die den Charakter als ein unveränderliches Fatum, ein Gnadengeschenk oder eine Teufelsmitgift an- sehen, wäre damit sogar die Unverbesserlichkeit der fehlbaren Eltern proklamiert. Ich leugne gar nicht, daß die alte Bewußtseinspsychologie trotz ihrer Kurzsichtigkeit allerlei richtige Ableitungen der Erziehungsfehler zu Her Ursprung der Elternfchlcr 33 geben vermag. Und namentlich wenn sie nach wenig Schritten vor dem Mysterium der angeborenen Anlagen* Halt macht, spricht sie gewiß eine wichtige Wahrheit aus. Allein, damit ist für uns wenig gewonnen. Gerade diejenigen Erzieherfehler, die am ehesten der Korrektur zugänglich sind, schlüpfen zwischen den Maschen dieser derben Seelenkunde durch und entgehen dem untersuchenden Blick. Wir wenden uns daher wiederum der tiefenpsychologischen Betrachtung, die Freud uns lehrte, zu. Für unsere Tiefenuntersuchung berufen wir uns auf die Einsichten, die wir bei der Prüfung der Wirkungen, welche Elternfehler nach sich ziehen, gewonnen haben. Denn die Eltern fehler sind ja selbst zum guten Teil Krziehungsprodukte und die Wirkungen verwandeln sich in Ursachen. Oft können wir von einem gegebenen Elternfehler aus die Kette ein beträcht- liches Stück weit nach hinten und vorn verfolgen. Es empfiehlt sich indessen, den Quellen einzelner Elternfehler nachzu- gehen, so weit der knappe Raum es gestattet. a) Störungen der primären Triebhaftigkeit als Quelle von Elter nj "etiler n Wenn wir einzelne Quellen aufdecken, so wollen wir nicht unterlassen, immer und immer wieder darauf hinzuweisen, daß sie niemals in ihrer Vereinzelung als Krankheitsursache wirken, sondern nur in Gemeinschalt mit einer großen Anzahl von anderen Bedingungen. Allein, man ist ge- zwungen, aus der unendlichen Fülle von Bedingungen einzelne herauszu- greifen und begrifflich zu isolieren, wobei man nur auf einzelne ebenfalls in Betracht kommende Faktoren hinweisen kann. Mehr als schwache An- deutungen und typische Beispiele können wir hier nicht geben. Ungesättigte Triebhaftigkeit, um mit ihr zu beginnen, äußert sich oft im Bedürfnis nach Überzärtlichkeit und Übersorglichkeit gegenüber dem Kinde. So entsteht oft jenes gefährliche Treiben, für das ich den Ausdruck Übererziehung vorschlug. Die in ihrer Ehe unbefriedigte Frau oder die Witwe sucht ihr überschüssiges Liebeskapital in der Kindes- seele anzulegen. Die Unbefriedigung kann auch daraus hervorgehen, daß ' der Anspruch auf geistige Harmonie, auf Anerkennung, Auswirkung der höheren Begabung, Bewegungsfreiheit usw. nicht gestillt wird; im Hinter- grund können Sexualabsperrung, wie Darben nach Sexualbefriedigung stehen. Beide bringen unter Umständen, nämlich wo kein idealer Ersatz gefunden ■wird, Sentimentalität hervor. Wir beschränken uns jedoch im Augenblick nur auf die Fälle, in denen Schwierigkeiten der Triebsphäre vorliegen. Was in der Ehe dem Manne zu wenig gegeben wird, empfängt das Kind im Übermaß und zu seinem Schaden. Dabei wird durch überschwäno-liche Liebkosungen, Tätscheln aufs Gesäß, Anschmiegen etc. die Sinnlichkeit des Kindes aufgepeitscht und die Gefahr der krankmachenden Bindung 34 Oskar Pfisler erhöht. Die ungesättigte Triebhaftigkeit kann sich an das edelste, reinste Wollen heften. Dieser Fehler kommt nicht nur so zu stände, daß das Kind in die Rolle geschoben wird, in der man eigentlich den Vater, Gatten, die Mutter oder andere Personen gerne sehen würde, sondern auch durch eine Art von Identifikation mit dem Kind. Man denkt sich selbst in dieses hinein und nimmt dann als selbstverständlich an, daß das kleine Geschöpf diejenige Behandlung erfahren soll, die man sich selbst gewünscht hätte. Nicht weniger nachteilig wirkt die Verdrängung der Trieb- haftigkeit aus dem Bewußtsein. Gemeint ist ein kaltes, unzärt- liches Gemütsverhalten, das ein sehr starkes Pflichtgefühl durchaus nicht ausschließt. Kalte Eltern können unter Umständen ihren Kindern größere Opfer bringen, als überschwängliche. Ursache der Triebarmut im Verhalten zu den Zöglingen ist oft das in den Kinderjahren selbst erlebte Darben nach Zärtlichkeit — manche Väter und Mütter überfüttern aber auch umgekehrt mit körperlichen Liebesbezeugungen, weil sie selbst unter dem Mangel an solchen litten. Oft wird die Gefühlskälte gegen den andern Elternteil auf das Kind übertragen. Oder es fand ein allgemeiner Rückzug der altruistischen Gefühle statt. Die Sexualverdrängung bewirkt wohl ebenso Triebebbe im Verhalten gegenüber dem Kinde. Hand in Hand mit ihr geht oft Prüderie, die in der sexuellen Erziehung arge Fehler begeht, sei es durch übermäßige Strenge, sei es durch bequemes Auskneifen vor der Erziehu ngsaufgabe. Einige auffallende Erziehungsfehler lassen sich, so unglaublich es jedem Fernerstehenden vorkommen muß, mit der Darmtätigkeit in ursächlichen Zusammenhang bringen. Ich selbst bezweifelte derartige Beziehungen lange, mußte mich aber, wie jeder andere Analytiker, dem Zwang der Tatsachen unterwerfen. Freud war es, der zuerst auf das Zusammentreffen von außer- ordentlich starkem Ordnungssinn, starkem Geiz und Eigensinn mit Stuhl- verhaltung hinwies. 1 Ferenczi, Sadger, Jones, Abraham u. a. bestätigten den Zusammenhang. Ich selbst habe sehr oft bei Pedanterie, die dem Kind mit kleinlichen Zumutungen auf der Seele kniete, bei übertriebener Spar- samkeit, die geringfügige Geldausgaben zum Zweck eines Vergnügens für sträflichen Luxus hielt und damit viel Kinderlust grausam zerstörte, ferner bei Querköpfigeit, Schrullenhaftigkeit gleichzeitig auch anhaltende Stuhl- verhaltung angetroffen und umgekehrt bei Unordentlichkeit, Verschwendungs- sucht und gesteigerter Nachgiebigkeit Neigung zu Durchfall." Natürlich ist es Unwissenden ganz unbenommen, über solche Bemerkungen zu witzeln oder zu schimpfen. Die Tatsache wird dadurch nicht a us der Welt geschafft. 1) Freud, Charakter und Analerotik. Ges. Schriften, Bd. V. 2) Es ist falsch, daß unter „analerotischem Charakter' 1 durchwegs nur die zugleich mit Verhallung verbundene Willensbestimmtheit verstanden wird. Der Ursprung der Klternfehier 35 Man muß aber zugeben, daß mit der Feststellung des immerwährenden Beisammenseins die Natur des ursächlichen Zusammenhanges noch lange nicht feststeht. Warum die Darmtätigkeit sich zuerst auflallend bemerkbar macht und was für psychische Kräfte hinter dieser Tatsache liegen, ist heute noch in ein Dunkel gehüllt, das auch die Vererbungslehre nicht aufhellt. Dasselbe gilt von anderen Trieben, deren unbefriedigende Entwicklung sich in den Elternfehlern spiegelt. Für unsere Zwecke ist es nicht nötig, auf diese schwierigen Fragen näher einzutreten. Nur auf ein paar Grundtendenzen, die sich schon im elementaren Triebleben kundgeben, muß noch hingewiesen werden. Es ist die Lust- erzeugung durch Grausamkeit. Manche Eltern betätigen bewußt, meistens aber unbewußt die Neigung, ihre Kinder zu mißhandeln, oder sich durch ihre Kinder mißhandeln zu lassen. Oft hüllt sich das aktive (sadistische) Gelüsten nach Grausamkeit in die Maske des sittlich über- legenen Strafernstes und so entstehen die strengen Zuchtmeister, die sich selbst für moralisch überlegen halten und dabei ihren Kindern das Leben vergiften. Der Prügeleifer, wie die grausam entehrende, das Selbstgefühl zermalmende Beschimpfung und Verhöhnung entspringen oft sadistischen Begierden. Manche anderen groben Erziehungsfehler, die das Kind verderben, ent- stehen aus dem Bedürfnis, sich selbst eine Zuchtrute zu binden und gequält zu werden. Oft ist das durch Erziehung verdorbene Kind nur ein Glied in einer ganzen Reihe von unbewußten Bemühungen, sich durch Leiden Lust zu verschaffen. Bei solchen masochistischen Eltern fällt mit- unter auf, daß die Fehlentwicklung des Zöglings als etwas ganz Selbstver- ständliches hingenommen wird, und daß bei groben Symptomen beginnender Verderbnis kein Versuch zur Korrektur unternommen wird. Der Drang, gequält zu werden oder sich selbst zu quälen, erklärt viele ungeheuerliche Erziehungsfehler, die recht intelligente Eltern unwissentlich begehen. b) Intellektuelle Benommenheit als Ursache von Elternfehlern Nicht von der vulgären Unwissenheit über die Seele des Kindes, ihre Bedürfnisse, Verhaltungsweisen, Heilkräfte usw. soll jetzt geredet werden. Auch die Unwissenheit der offiziellen Kinderpsychologie über die wichtig- sten Determinanten der Zöglingspsyche steht für uns jetzt nicht in Frage. Sie schließt ein sehr feines, mehr instinktives, durch Einfühlung und Sicheindenken gewonnenes Verständnis keineswegs aus. Viele Väter und Mütter besitzen eine bewunderungswürdige Kunst, die Gedanken, Gefühle und Strebungen ihrer Kinder zu erraten. Was uns jetzt beschäftigen soll, ist die durch unterschwellige Verwicklungen bewirkte Beeinträchtigun a des pädagogischen Denkens. «* 36 Oskar Plister Ohne die Fähigkeit, sich einigermaßen in die Kindesseele zu versetzen, ist die Wahl der richtigen Erziehungsmittel unmöglich. Diese Fälligkeit wird nun aber dadurch oft sehr stark reduziert, daß der Erzieher durch affektive Bestimmtheit zurückgehalten wird. Vielleicht ist er ein Ichling, dessen Denken sich nur um sich selbst dreht. Er nimmt als selbstverständlich an, daß der Zögling denkt, wie er, der Erzieher, es selbst tut, und wenn das Kind deutliche Zeichen abweichender Gedankenbahnen von sich gibt, so ist dies dem betreffenden ichsüchtigen Vater ein Dorn im Auge. Oder der Vater ist mißtrauisch, er leidet an Minderwertigkeitsgefühlen und gerät aus dem geringfügigsten Anlaß auf den Irrtum, das Kind lüge, trage böse Pläne im Kopf herum, erweise ihm keine Ehrerbietung, sei zu wenig gefügig usw. Es würde zu weit führen, alle möglichen Ursachen dieser Denkstörung aufzusuchen. Ich deute nur an, daß regelmäßig irgendwelche Introversionsprozesse mitspielen. Vielleicht wurde der betreffende Erzieher selbst lieblos erzogen und kann nun sein Kind auch nicht lieben; vielleicht projiziert er seine eigenen einstigen schlimmen Wünsche gegen den eigenen Vater in sein Kind, vielleicht wünscht er, daß das Kind abscheulich sei, damit er sein mehr oder weniger bewußtes oder ganz unbewußtes Bedürf- nis, es zu hassen, vor sich selbst rechtfertigen kann usw. Die grimmige Abneigung, sich in die Tiefen weit der Kindesseele ein- führen zu lassen, entspringt gleichfalls oft dem Grauen vor der Höllen- fahrt in die eigene Seele. Und damit wird die Verständnislosigkeit gegen- über dem Kinde erst recht geschützt. c) Gefühlsbindungen als Anlaß zu Elternfehlern Von der Gefühlsüberschwänglichkeit als Ursache mancher Elternfehler wurde schon bei Besprechung der Triebbildungen geredet. Es wurde damals bereits vorweggenommen, daß auch die Versagung höherer Gemütsansprüche von seiten nahestehender Personen, deren Liebe heiß begehrt war, zu einer übermäßigen, ungesunden Gefühlsbesetzung des Kindes führen kann. Aus dem Kinde soll herausgepreßt werden, was Eltern, Geliebter oder Geliebte, Gattin oder Gatte, Kollegen usw. an Liebe nicht gewährten. Aus denselben Erfahrungen mit anderen Menschen kann auch eine frostige Stellung zum Kinde entspringen. Sie hat ihren Ursprung oft aber auch in Eifersucht auf die Kinder, die sich der Gunst des anderen Eltern- teiles erfreuen, in altem Groll, der anderen Menschen gilt, und anderen Ursachen. Oft auch schwanken Väter und Mütter zwischen beiden Extremen. Süßliche Affenliebe schlägt immer wieder in brutale Grausamkeit um, wobei im Kinde die Liebesverdrängung natürlich wesentlich verstärkt wird. Solche Ungleichmäßigkeiten stammen daher, daß Bewußtes und Unbe- Der Ursprung der Elternfehler 37 wüßtes mit einander im Zwiespalt stehen, oder daß im Unbewußten selbst entgegengesetzte Strömungen mit einander ringen. Es genügt ein gering- fügiger Anlaß, um der einen oder anderen Tendenz, der Liebe oder dem Haß, die Oberhand zu verschaffen. Dies geschieht oft dadurch, daß das Kind durch sein Verhalten an diesen oder jenen anderen Menschen erinnert, z. B an die ungeliebte Stiefmutter, an eine heiß geliebte Schwester, an eine erlittene Züchtigung usw. Uralte Kindererlebnisse gelangen so oft zur Wiederherstellung in der Erziehungstätigkeit. Die Verwechslung des Einst mit dem Jetzt leistet sich irgend einen Betrug, oft einen frommen Betrug. Die Überängsllichkeit, die überall Gefahren wittert und dabei das Kind erst recht in Gefahren stürzt, geht auf sehr verschiedene Ursachen zurück; doch fehlt als Hauptursache niemals die Liebeshemmung. Manch- mal will die Übersorglichkeit den bewußten oder unbewußten Wunsch nach dem Tode des Kindes überschreien; 1 das Kind wird übermäßig ge- hütet und gepflegt, um sich selbst sagen zu können, man leiste ja den Beweis, wie gewissenhaft man die Elternpflicht erfülle. Oder man will die mangelnde Liebe in der Ehe durch ein Übermaß gegenüber dem Kinde kompensieren; namentlich wo die natürlichen Beziehungen in der Khe abgelehnt werden, ist, wie wir hörten, dieses Verhalten gegenüber den Kindern nicht selten. Wo ganz besonders die Gesundheit des Kindes mit hypochondrischer Genauigkeit bearbeitet wird, werden aber die ver- drängten oder bekämpften Todeswünsche kaum jemals fehlen, auch wo im Bewußtsein die Liebe zum Kinde stark ist. Gereiztes, verdrießliches Verhalten gegenüber Kindern ist stets ein Sym- ptom eigener Unbefriedigung. Die unglücklichen Kinder, die zur Ziel- scheibe der erzieherischen Bemühungen solcher an Mißstimmung leiden- der Personen gemacht werden, lassen sich in ihrer großen Mehrheit dahin bringen, wohin ihre Erzieher sie unbewußt leiten wollen, daß sie nämlich der Verdrossenheit immer mehr Stoff und Gelegenheitsursachen liefern. Auch Zöglinge, die sich ein Stück weit erfreulich entwickelten, erliegen oft der Versuchung, die unschöne Bahn des verdrossenen oder gar ver- bitterten Menschen einzuschlagen. Ursache solcher Dysphorie ist, falls nicht organische Störungen vorliegen, meistens Nichtbefriedigung des Liebes- und Freiheitsanspruchs, wobei dieser Anspruch oft bereits längst in der Versenkung verschwunden ist, um von dort aus sich desto deutlicher bemerkbar zu machen. Lieblosigkeit ist sehr oft Ausdruck un- gestillter Liebessehnsucht, die oft bis in die ersten Kinderjahre zurückgeht. Daß dabei auch Verbitterung wegen Verkennung, Verachtung, Enttäu- schungen wegen finanzieller, wissenschaftlicher oder anderer Mißerfolge mitspielen, schließt die Tatsache des Liebesleides nicht aus, sondern ein, 1 Vgl. mein Buch „Die Liebe des Kindes und ihre Fehlentwicklungen", 80 ff. f. V 38 Oskar l'Iistcr da die Ichansprüche und die Liebesansprüche stets in korrespondierendem Verhältnis zu einander stehen. Die Elternfehler des Chauvinismus, der den Radius der Nächstenliebe nur bis zu den Familienangehörigen öffnet, hängen stets zusammen mit einer Fixierung, die mit Verdrängung des Odipusbegehrens zusammenhängt. d) WiMensfixierungen als Ausgangspunkt von Elternfehlern Von der Überaktivität, die sich des Kindes bemächtigt und mit aufdringlicher Geschäftigkeit seine gesunde Entwicklung stört, gilt, was wir über die Ursachen der Gefühlsüberschwänglichkeit gesagt haben. Eint; vollständige Angabe der Ursachen ist hier so wenig wie dort geplant. Um nicht schon Gesagtes zu wiederholen, und doch auch nicht zu weitläufig zu werden, füge ich noch hinzu, daß manche Eltern, die übermäßig an ihren Kindern herumerziehen, ihre eigenen Kindererlebnisse an ihren Kleinen erneuern, oder auch dasjenige, was sie in den ersten Lebensjahren ent- behrten, in überflüssiger Fülle den Kindern als ihrem Fleisch und Blut zuwenden. Paart sich mit solcher Übererziehung Herrschsucht, so kann mau sicher sein, daß infantile Minderwertigkeitsgefühle überschrieen werden sollen. Dasselbe ist zu sagen von der N ö r g e l s u c h t, nur daß bei ihr meistens ein subjektives Mißbehagen sich auswirkt, oder verdrängter (seltener: be- wußter) Haß seine häßlichen Lieder singt. Jähzorn verrät immer, daß alter bewußter oder unbewußter Groll die vielleicht sehr geringfügige Gelegenheitsursache benützt, um sich zu manifestieren. Sein explosivischer Charakter erklärt sich aus der langen vorangehenden Spannung. Wille nlosigkeit und Wankelmut lassen sehr oft darauf schließen, daß im Unbewußten eine Gegenströmung dem bewußten Wollen entgegen- arbeitet. So erklärt es sich, daß auch Väter und Mütter, die in ihrem Beruf und sonstigen Wirken eine hervorragende Willenskraft bekunden, in der Erziehung, vielleicht sogar nur in der Erziehung eines bestimmten Kindes, ja einer einzelnen Altersstufe, oder bei Behandlung eines beson- deren Erziehungsfalles eine überraschende Energielosigkeit zur Schau tragen. Vielleicht schauen sie unbewußt sich selbst in das Erziehungsobjekt hinein und werden nun durch verdrängte Erlebnisse oder ihre Weiter- bildungen gehemmt. Die Willenslähmung hat in solchen Fällen oft einen ans Pathologische grenzenden Zwangscharakter, gegen den das kräftigste Zureden und der stärkste Vorsatz ohnmächtig sind. — Ist die Willens- hemmung über so weite seelische Gebiete ausgedehnt, daß der Hamlet- typus vorliegt, so findet man dahinter sehr oft die bekannte Odipusbindung, Der Ursprung der Elternfehler 39 bei welcher Haß gegen den Vater und Liebe zur Mutter die Entschluß- kraft lähmen, weil beide mit dem Gewissen in Konflikt geraten. Die Verdrängung dieses doppelten Begehrens erfährt dadurch eine sehr wirksame Verstärkung, daß andere Benachteiligungsängste sich festsetzen. Parteilichkeit rührt gewöhnlich daher, daß in das bevorzugte oder zurückgesetzte Kind andere Personen oder das eigene Ich hineingesehen werden. Man überträgt unwissentlich auf Sohn oder Tochter den Gatten oder die Ehefrau, man findet in ihnen Eigenschaften wieder, die man an sicii selbst liebt oder verabscheut. Daß die Wurzel der Parteilichkeit so oft im Unbewußten liegt, macht auch klar blickenden Menschen ihre Aufdeckung und Anerkennung manchmal so schwer. Nur Andeutungen über die Elternfehler, ihre Wirkungen und Ursachen, wollte ich geben. Doch hoffe ich immerhin einige Lichter angezündet zu haben. Um ein tiefes psj'chologisches Verständnis zu verschaffen, müßte ich in die innersten Kammern der Psychoanalyse hineinführen, was in einem kurzen Aufsatz natürlich unmöglich ist. Es wird mich freuen, wenn dem Leser recht viele Fragen aufgetaucht sind, und unter diesen solche, die ihn beunruhigen. Inhaltsverzeichnis Seite I. Elternfehler hei der Erziehung des Individualdiarakters 5 a) Der Intellekt 7 b) Das Gefühl 9 c) Der Wille 14 II. Elternfehler bei der Erziehung des Sozialcharakters 18 a) Der Intellekt »9 b) Gefühl und Wille 20 III. Elternfehler in der Wahl und Anwendung einzelner Erziehungmaßregeln . 21 a) Befehl, Verbot, Erlatibnis 21 b) Der Appell an das Ehrgefühl 25 c) Die Drohung 24 d) Die Berufung auf Gewissen und Pflicht 25 e) Die Strafe 20 IV. Eliernfchler in der Erziehung der Sexualität und Liebe 28 V. Der Ursprung der Elternfehler 5 2 a) Störungen der primären Triebhaftigkeit als Quelle von Elternfehlern . . 55 b) Intellektuelle Benommenheit als Ursache von Elternfehlern 55 c) Gefühlsbindungen als Anlaß 211 Elternfehlern .■ 56 d) Willensfixierung als Ausgangspunkt von Elternfehlern 58 nimm Herausgeber: Dr. Heinrich Meng in Frankfurts. M. und Prof. Dr. Ernst Schneider in Stuttgart. Eigentümer, Verleger und Herausgeber für Österreich: Adolf Josef Storfer, Wien, I.. Börsegassr 11 ( Verlag der Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik-). — Verantwortlicher Redakteur: Dr. Paul Federn, Wien, I., Riejnergasse 1, — Druck von Ernil M. Engel. Druckerei und \ ■erlagsaiistoll. Wien, I.. In der Börse. Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik Herausgegeben von Dr. Heinrich Meng und Prof. Dr. Ernst Schneider Der gebunden vorliegende I. Jahrgang (Oktober 1926 bis September I')!']) enthält u. a. folgende Beiträge: Aichhorn: Zum Verwahrlostenproblem Baudouin : Der Kastrationskomplex — Von Pestalozzi bis Tolstoi Behn-Eschcnburg: Kindliche Sexualforschung Bernfeld: Der Irrtum des Pestalozzi — Psychologie der „Sittenlosigkeit" der Jugend Boehm : Unartige Kinder Chadwick: Ein Experiment im Kindergarten Fried jung: Die „sexuelle Aufklärung" und die Er- wachsenen Fromm: Dauernde Nachwirkung eines Erziehungsfehlers Furrer: Trotzneurose eines 15 j . Mädchens Giese: Psychoanalyse im Fabrikbetrieb Graber: Zeugung und Geburt in der Vorstellung des Kindes Gravelsin: Sexuelle Aufklärung In der Schule Hackländer: Über Schülerselbstmorde Härnik: Die therapeutische Kinderanalyse Hermann: Begabung im Lichte der Psychoanalyse Hofnunn: Pestalozzi und die Psychoanalyse H o 1 1 ö 5 : Ein Fall von Schlaflosigkeit bei einem acht- einhalbjährigen Kinde Jacoby: MuH es Unmusikalische geben? mit Landauer: Die Zurückweisung der Aufklärung durch das Kind — Analyse der Phobie eines 8j. Madchem Liertz: Über das Traumleben Meng : Gespräche mit einer Mutter — Sexuelles Wissen und sexuelle Aufklärung Nunberg: Der Traum eines 6j. Mädchens P f i s t e r : Der Schülerberater P i u 1 1 i : Identifikation eines zehnjährigen Knaben der schwangeren Mutter Reich: Der Erziehungszwang — Die Stellung der Eltern zur kindlichen Onanie Pt e i k : Psychoanalyse und Mythos Schneider: Die Zukunftsbedeutung Pestalozzis — Geltungsbereich der Psychoanalyse für die Pädagogik — Ein Fall von Bettnässen Schwarz: Der Trotzkopf T a m m : Die angeborene Wortblindheit W i 1 1 e 1 s : Triebhaftigkeit des Kindes Wolffheim: Gegensatz der Generationen Zulliger: Über das kindliche Gewissen — Ein Mädchenstreit und seine tieferen Ursachen — Geständnis und Geständniszwang bei Kindern Preis des I. Jahrganges in Halbleder gebunden: Mark 13*60 Der gebunden vorliegende II. Jahrgang (Oktober IJ2J bis September 192S) enthält u. a. folgende Beiträge: B ehn-Eschenburg: Zur Entstehung der Onanie und der Ödipussituation Bernfeld: Ist Psychoanalyse eine Weltanschauung? Boehm: Ein verlogene» Kind Büttner: Psychoanalyse und Ethik Chadwick: Die Unterscheidung zwischen Ton und Sprache in der frühen Kindheit Coriat: Die Verhütung des Stottern» Ferenczi: Anpassung der Familie an das Kind F r i e d j u n g : Wäsche-Fetischismus bei einem Einjährigen Furrer: Wie erziehen wir neurotische und psycho- pathische Kinder? Grab er: Unterwürfigkeit — Redehemmung und Analeroxik — Onanie und Kastration H a p p e 1 : „Der Mann in der Kloake" Hirsch: Eine Feuerphobie als Folge verdrängter Onanie Hitschmann: Die gröbsten Fehler der Erziehung K u c n di g : Aus der Sekundarschulpraxis Landauer: Das Strafvollzugsgesetz — Die Formen der Selbstbefriedigung — Die Onanicselbstbeschuldigung bei Psychosen Levy-Suhl: Phobie eines 2 j. Kindes Meng: Psychoanalyse und Volk — Das Problem der Onanie von Kant bis Freud — Aus der Analyse von stotternden Kindern P i p a 1 : Gewohnheiten beim Denken und Lernen Preiswerk: Wie behandelt man Mißerfolge in der Schule? Reich: Über die Onanie im Kindesalter R e i k : Zur Psychoanalyse des Mitleides Roubiczek: Grundsätze der Montessori-Erziehung Sadger: Neue Forschungen zum Onanieproblem Schneider: Zur Psychologie des Lausbuben — Mutter und Kind in den Dramen Ibsens — Die Abwehr der Selbstbefriedigung Stern: Asoziales Verhalten eines Knaben all Symptom einer Neurose T a ra in : Zwei Fälle von Stottern — Drei Fälle von Stehlen W i 1 1 e 1 s : Verdrängung und Zwangsideen in der Kindheit Wolffheim: Erotisch gefärbte Freundschaften in der frühen Kindheit Ziegler: Soll man die Onanie bekämpfen? Zulliger: Heilung eines Prahlhanse» — Schule und Onanie Preis des II. Jahrganges in Halbleder gebunden: Mark 13*60 Verlag der Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik Wien, I., Börsegasse 11 — ' ■: - wr m * Internationaler Psychoanalytischer Verlag Wien, L, Börsegasse 1 1 Dr. Oskar Pfister Pfarrer in Zürich Psychoanalyse und Weltanschauung Geheftet M. J.60, Ganzleinen M. 7. — Inhalt: Psychoanalyse und Weltanschauung;: Psychoanalyse und Positivismus, Psychoanalyse und Metaphysik (Freud, Ferenczi, Rank -Sachs, Silberer, Putnam, Jung). Psychoanalyse und Ethik (Freud, Putnam, Häherlin). Die Prinzipien der Ethik. Die Aus- bildung der sittlichen Persönlichkeit. — Die Illusion einer Zukunft. (Eine freundschaftliche Auseinandersetzung mit Pro- fessor Freud.) Freuds Kritik der Religion. Freuds Scientismus. Der Glaube an die menschheitsbeglückende Wissenschaft. Freuds Optimismus Dr. Oskar Pfister Pfarrer in Zürich Religiosität und Hysterie (Mit Kunstbeilagen) Geheftet M. 4. — , Ganzleinen M. f.JO Vier Abhandlungen: Zur Psychologie des hysterischen Madonnen- kultus — Hysterie und Mystik bei Margareta Ebner — Eine Hexe des zwanzigsten Jahrhunderts — Die Religionspsychologie am Scheidewege • • — < H IUI Uli IUI Illllllllllllllllllllllll Illlllllllllllllllllll IIIIIIIHIIIII1II 1 II» Illlllllllllllllllllllllllllllll||||||| " Internationaler Psychoanalytischer Verlag | Wien, I., Börsegasse 11 Dr. Oskar Pfister r Jtprnfp hl pf Pfarrer in Zürich M — JJ-1^V>JL 111V>111\^1 [ Psychoanalyse und | | Weltanschauung | 1 Geheftet M. J.6o, Ganzleinen M. J — Von Inhalt: Psychoanalyse und Weltanschauung: Psychoanalyse und Positivismus, Psychoanalyse und Metaphysik (Freud, Ferenczi, Rank -Sachs, Silberer, Putnam, Jung). Psychoanalyse und Ethik 1 (Freud, Putnam, Häberlin). Die Prinzipien der Ethik. Die Aus- bildung der sittlichen Persönlichkeit. — Die Illusion einer Zukunft. (Eine freundschaftliche Auseinandersetzung mit Pro- fessor Freud.) Freuds Kritik der Religion. Freuds Scientismus. Der Glaube an die menschheitsbeglückende Wissenschaft. Freuds | Optimismus * Dr. Oskar Pfister = Pfarrer in Zürich Religiosität und Hysterie | 1 2 ! s 1 * *• 3 • Dr. Oskar Pfister Pfarrer in Züridi = (Mit Kunstbeilagen) = H Geheftet M. 4. — , Ganzleinen M. J.JO 1 Vier Abhandlungen: Zur Psychologie des hysterischen Madonnen- kultus — Hysterie und Mystik bei Margareta Ebner — Eine Hexe des zwanzigsten Jahrhunderts — Die Religionspsychologie am Scheidewege | J iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiü 1 1 i Verlag der Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik Wien ^^^^K ^IIHIIIIIIIIHIIIIHIHIIHIII Illllll Illlllllllllll lllllll Ilillll 1IIUIUI! llllllllllllllllllll iiiiniiii